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Gastwirtschaft Fritz Wichmann

Deutsche Küche Gastwirtschaft Fritz Wichmann

Mitten in der lauten Hektik der Hildesheimer Straße liegt die „Gastwirtschaft Wichmann” – eine Oase in vielerlei Hinsicht. Hier findet man einen zu Recht immer wieder hochgelobten Klassiker.

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Ole Deele

Ariane Weick ist Restaurantleiterin in der „Gastwirtschaft Wichmann” in der Südstadt.

Quelle: Rainer Surrey

Döhren. Es ist, als beträte man eine andere Welt. Mitten in der lauten Hektik der Hildesheimer Straße liegt die „Gastwirtschaft Wichmann” – eine Oase in mehr als einer Hinsicht. An idyllisch verschneiten und illuminierten Büschen vorbei gelangt man zur imposanten Tür des Gasthauses, das an dieser Stelle seit 1848 existiert. Die klassisch-ambitionierte Küche und das gediegene Ambiente tragen dem Restaurant unter Leitung von Gerd Weick immer wieder Auszeichnungen in Gastronomieführern ein. Im aktuellen Gault Millau etwa ist das Haus mit 16 Punkten benotet; besser schneidet in Hannover nur noch das „Titus“ ab. Unser letzter Testbesuch ist hingegen zehn Jahre her – in Wichmann-Dimensionen keine lange Zeit, für uns aber lang genug, um mal wieder vorbeizuschauen.

An einem kalten Mittag sind wir in der Gaststube neben einem einzelnen Herrn und einem betagten Ehepaar die einzigen Gäste. Entsprechend still ist es in dem Raum, zuweilen ist das Ticken der Wanduhr das einzige Geräusch. Dass sie eine halbe Stunde nachgeht, wirkt schon fast symbolisch – was sind schon ein paar Minuten angesichts von so viel Tradition? Und die gibt es hier überreichlich, von der Einrichtung mit viel dunklem Holz und Brokat über dekorativ abgenutztes Silberbesteck bis hin zur Speisenauswahl. Wo sonst in Hannover gibt es beispielsweise noch eine „Kalbsschwanzessenz Lady Curzon“? Aber auch moderneren Einflüssen verschließt sich das Team um Küchenchef Weick nicht. Carpaccio etwa findet sich genauso unter den Angeboten wie Zitronengrassuppe oder Risotto.

Nachdem uns die überaus aufmerksame junge Kellnerin platziert und mit einer Flasche Pellegrino (6,80 Euro) versorgt hat, kehrt sie alsbald mit einem Wagen voller Vorspeisen zurück. Meine Mittesterin wählt die Fasanenterrine (16,50 Euro) mit Sauce Cumberland, ich entscheide mich für zweierlei Fischsülze (18,50 Euro). Beide bereuen wir unsere Wahl nicht – die Fischsülze ist von eleganter Frische, die auf die mitgereichten Mayonnaisen gut verzichten kann. Und in der Fasanenterrine gehen das Aroma des Wildvogels und die feine Süße der Sauce eine so geglückte Kombination ein, dass meine Begleiterin des Lobens nicht müde wird. Dabei hat sie ihr Pulver fast zu früh verschossen, denn ihr Hauptgang, Tagliatelle mit Herbsttrüffel (18,50 Euro), ist ebenfalls ein Volltreffer und will ausgiebig gewürdigt sein.

Aber auch für meinen schottischen Wildlachs auf Steinpilzen (35 Euro) gibt es nur ein Wort: perfekt. Schon im rohen Zustand auf der Präsentierplatte neben seinen Fischkollegen hatte mir der Lachs am besten gefallen. Das saftige Fischfilet passt verblüffend gut zu den Steinpilzen, die einer sahnigen Soße viel Aroma geben. Dazu erstklassiges Kartoffelpüree und ein wenig zarter Wirsing – ein besserer Rahmen für den weit gereisten Schotten lässt sich nicht denken.

Da es Mittag ist und der Tag noch viel Arbeit bringt, beschränken wir uns auf je ein 0,1-l-Glas Weißwein (3,50 Euro). Dabei böte die beeindruckende Weinkarte jede Menge verlockende Alternativen, aber das ist dieses Mal einfach nicht drin.Beim Erstbesuch an einem sehr winterlichen Abend wäre es drin gewesen, aber da hatte das Wichmann-Team, im Rückblick betrachtet, eine leichte Formschwäche. Die Weinkarte wird gar nicht erst angeboten, ebenso wenig wie Tagesbesonderheiten aus der Küche gezeigt werden. Und auch das Essen lässt hier und da den Gedanken an das Preis-LeistungsVerhältnis aufkommen. Die zart panierte und kross gebratene Gänseleber auf Spitzkohlsalat (13 Euro) gefällt mir noch ganz gut, mein Mitstreiter hat mit seinem Ziegenkäse im Zucchinimantel (14 Euro) schon weniger Freude. Die Kreation ist höchstens handwarm, und dem sehr herben Käse haben die fast rohen Zucchini geschmacklich nur sehr wenig entgegenzusetzen. Danach gibt es Fasanenbrust (32,50 Euro), die einen Tick zu trocken geraten ist, ansonsten zusammen mit dem feinen Weinkraut und halbierten Trauben aber weitgehend überzeugt.

Mein Hauptgang, die Bauernente (26,50 Euro), wird netterweise in zwei Gängen serviert. Zum Bruststück mit knuspriger Haut und saftigem Fleisch gibt es Rotkohl und einen zierlichen, wenngleich etwas faden Kloß. Dafür stellt der Kellner eine Sauciere mit reichlich köstlicher Soße zum Nachnehmen auf den Tisch. Was dem zweiten Teil, der Keule, gut tut, denn das Warten im Ofen hat partielle Trockenheit zur Folge. Schön allerdings der feine Kartoffel-Feldsalat als Beilage.

Dieses opulente Menü gönnen sich auch die beiden älteren Herrschaften am Nachbartisch bei unserem Mittagsbesuch. Als sie alles in Ruhe verzehrt und je ein Gläschen Wein getrunken haben, hilft ihnen die Kellnerin in die warmen Mäntel, und nach einem freundlichen Abschiedsgruß in unsere Richtung tritt das Paar vorsichtig hinaus auf den verschneiten Bürgersteig. Da geht sie hin, die Stammkundschaft – aber wenn das Niveau unseres Mittagsmahls das maßgebliche ist, müssen sich die Weicks um neue Freunde keine Sorgen machen.

Preiskategorie: Gehoben

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