Kleefeld. Dass Texas mehr is(s)t als nur Steaks und Chili con Carne, das bewies das Gourmet-Magazin „Der Feinschmecker“ schon vor 22 Jahren mit einer Titelgeschichte. Nicht nur als Autor dieser Story war ich damals viel in Texas unterwegs. Aber auf die Idee, mich ausgerechnet im staubigen El Paso von der texanischen Küche anstecken zu lassen, wäre ich nicht gekommen – die kulinarischen Highlights finden sich in Dallas, an der Küste und in Houston.
Die Gründer des „Get Ribs“ aber ließen sich in der Grenzstadt El Paso „von der Vielfalt der Esskultur inspirieren“. Doch von der beschworenen mexikanischen Küche findet sich auf der Speisekarte eigentlich nichts und von der texanischen auch wenig. Warum dieses „Texas Style Steakhouse“ argentinisches Rindfleisch bietet und kein amerikanisches, das weiß wohl vor allem der Kostenkalkulierer: Gute US-Steaks sind bei uns teurer.
Das Ambiente im „Get Ribs“ gibt sich amerikanisch – und ist etwa so authentisch wie die Yukon Bay im Zoo. Dieses Lokal ist eine Bühne, und das ist völlig in Ordnung, wenn die Hauptdarsteller mitspielen. Da aber hakt es doch noch ziemlich.
Der Star war bei unserem Besuch das „Texas Ribeye“ (26,50 Euro): ein mindestens daumendickes Stück Fleisch, fast perfekt medium gebraten, außen dezent kross, aber nicht so verbrannt, wie man es selbst in renommierten New Yorker Steakhäusern erleben kann. Wenn die Steakmesser noch etwas schärfer gewesen wären, wäre nicht aufgefallen, dass das Fleisch etwas mürber hätte sein können. Dazu gibt es eine kleine Salatgarnitur und eine Ofenkartoffel, die muffig schmeckt. Das kann an der Kartoffelsorte liegen oder daran, dass sie zu lange vorgegart oder warm gehalten wurde. Ein so ordentliches Steak hätte es allerdings verdient, dass man grobes Salz und eine ordentliche Pfeffermühle dazustellt. Insgesamt aber war das ein Treffer, der daran erinnert, dass Texas der Lone-Star-State ist.
Ganz fern von jedem Sternenglanz aber war das T-Bone-Steak, das stolze 34,90 Euro kostet. Das wiege aber zwischen 500 und 700 Gramm, hatte der Kellner noch gewarnt. Statt eines stattlichen, dicken Fleischstücks kamen jedoch zwei dünne Steaks, die stellenweise zu durchgegart waren. Dabei geht es doch nicht darum, viel Fleisch zu bekommen, sondern mit einem dicken und im ganzen Stück gebratenen Steak ganz andere Genusserfahrungen zu haben.
Man habe da Probleme mit dem Lieferanten, der nur dünn vorgeschnittene Steaks liefere, meinte der Kellner später entschuldigend. Dabei wirbt das Haus damit, dass das Fleisch grundsätzlich „im ganzen Stück geliefert“ wird. Dazu tranken wir ein frisches Carlsberg-Pils (0,4 l für 3,50 Euro) und spülten mit einem Ducksteiner nach, das besser zum Steak passt.
Der offene argentinische Merlot (5,50 Euro) war trinkbar, wer Besseres will, kann für das Essen auch den Lieferservice und zu Hause den eigenen Weinkeller nutzen – allerdings gibt es dann keine Steaks. Die Internetseite des „Get Ribs“ ist übersichtlich und verspricht, den Kunden auf dem Laufenden zu halten, wie es mit der Bestellung vorangehe. Wir orderten kurz vor 18 Uhr, bekamen um 18.06 Uhr den Hinweis, dass unsere Bestellung abgesandt sei – und um 18.45 Uhr die Mitteilung, dass die Bestellung nicht übermitttelt werden konnte. Die telefonische Nachfrage ergab, dass man vor Ort schon vor einer Viertelstunde (per Fax?!) Bescheid bekommen hatte und dass in zehn Minuten alles geliefert werde. Es dauerte dann doch eine gute halbe Stunde.
Wir hatten alle drei Sorten „Hot Ribs“ zum Vergleich gewählt – für uns ist eine kleine Portion (400 Gramm für 8,95 Euro) allemal ausreichend. Die Hot Chili Ribs sind tatsächlich „hot“, also scharf, die BBQ Ribs waren angenehm gewürzt, und auch die Ribs Sweet ’n’ Sour gefielen. Sie hätten allesamt etwas weniger fest sein können, aber der Indianer und der Texaner kennt ja keinen Schmerz.
Die Chicken Wings Hot Crust (sechs Stück für 5,95 Euro) waren ebenfalls schön scharf, an der Grenze zwischen Grill und Kohle, aber noch genießbar. Was für die Country French Fries definitiv nicht mehr zutraf (2,80 Euro): matschig, verkohlt und lauwarm. Der Coleslaw (2,50 Euro) war entschieden zu grobschlächtig.
Aber zu Hause kann man immerhin mit gutem Tischwein aus dem eigenen Keller gegensteuern. Es gibt übrigens in Texas auch Wein, dies nur für den Fall, dass die Väter von „Get Ribs“, die offenbar aus ihrer Idee eine kleine Restaurantkette machen möchten, ihren Slogan „ein Stück Texas mitten in Deutschland!“ ein bisschen ernster nehmen wollen. In Texas kann man oft das Warnschild lesen: „Don’t mess with Texas“. In der Tat: Leg dich nicht mit Texas an.
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