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So schmeckt es in Beckers Restaurant

HAZ-Restauranttest So schmeckt es in Beckers Restaurant

Ex-Insel-Koch Christian Becker hat sich selbständig gemacht – und dem früheren Reizz in der Bödekerstraße mit schlicht gutem Essen und reduziertem Einrichtungsstil neuen Charme verliehen. Eine Restaurantkritik von Ralf Heußinger.

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Inhaber und Küchenchef Christian Becker hat vier Jahre lang in der "Insel" am Maschsee gekocht.

Quelle: Wallmüller

Alles hat seine Zeit, und die des Reizz in der Bödekerstraße war Ende vergangenen Jahres abgelaufen. Bistro, Restaurant, Cocktail- und Weinbar in gediegenem Kaffeehauscharme – zuletzt fand dieses Allroundkonzept immer weniger Zuspruch. Christian Becker hat den Fokus jetzt neu justiert und dem Ecklokal seinen Reiz zurückgegeben. Der neue Name ist dabei so klar und einfach wie das Konzept. In Beckers Restaurant soll es schlicht um gute Küche gehen. „Ich koche gerne das, was ich selbst gerne esse“, stellt der Inhaber und Küchenchef klar.

Dazu gehören offenbar unter anderem Schnitzel, Bratkartoffeln und Gulaschsuppe. Eine gewissen Bodenständigkeit bringt der Reizz-Nachfolger also mit – obwohl Becker zuvor mehr als vier Jahre lang in Norbert Schus Insel am Maschsee exklusivere Ansprüche erfüllt hat. In seinem ersten eigenen Restaurant, das er am 10. Februar eröffnet hat, findet Becker jetzt einen guten Mittelweg zwischen hohem Anspruch und kaufmännischem Realitätssinn. Es muss eben nicht immer Perigord-Trüffel sein, aber erstklassige Zutaten und gutes Küchenhandwerk sind unabdingbar. Anders gesagt: Man kann in Beckers Restaurant einfach gut essen.

In "Beckers Restaurant" in der Bödekerstrasse soll es schlicht um gute Küche gehen, der neue Name ist dabei so klar wie das Konzept. Eine Kostprobe.

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Nicht nur kulinarisch hat der Neue aufgeräumt, auch die Einrichtung wirkt klarer als noch in alten Reizz-Tagen. Becker hat nicht nur etwas Staub von den Lampen geblasen, sondern neu gestrichen, Bilder abgehängt, Beleuchtung verändert, Tischplatten ausgetauscht – ohne das angenehm altmodische Kaffeehausflair ganz zu verwischen. Nur der Service ist zuweilen etwas rustikal. Bei unserem ersten Besuch an einem zugegeben späten Montagabend werden wir mit den Worten begrüßt, ein mehrgängiges Menü sei jetzt aber nicht mehr möglich. In die gleiche Kerbe schlägt die etwas übermotivierte Unart, leere Teller und Gläser sehr schnell abzuräumen, auch wenn am Tisch noch gegessen wird.

Das Restaurant

Adresse: Beckers Restaurant
Bödekerstraße 43 (Oststadt)
Telefon: (05 11) 3 36 40 06
www.beckers-hannover.de

Geöffnet:  Montag bis Freitag von 12 bis 23 Uhr,
Sonnabend von 18 bis 23 Uhr, Sonntag geschlossen

Preiskategorie: gehoben

Bei den Gerichten stimmte dafür fast alles. Das fängt beim wirklich guten Wiener Schnitzel (22 Euro) an, das nicht zu dick und nicht zu dünn ist. Die Panade ist knusprig, hatte ausreichend Fett, und die Bratkartoffeln mit etwas Zwiebeln und Speck sind auf den Punkt gegart. Dazu wird ein knackiger Gurkensalat serviert. Gute Qualität, erstklassig umgesetzt. Das gilt auch für die gebratene Wachtel (16 Euro). Die Spanferkelbäckchen (13 Euro) wirken optisch fast wie Rindfleisch, wohl weil sie in einer dunklen, süßlich-rauchigen Barbecuesoße geschmort wurden, schmecken aber tadellos. Die Spinat-Ricotta-Ravioli (15 Euro) sind eigentlich besonders groß geratene Tortellini, haben ordentlich Biss und überraschen auf zweierlei Weise. Erstens kommen sie mit einer ungewöhnlichen, aber schmackhaften Soße aus Perlzwiebeln und Pilzen, und zweitens waren sie auf der Speisekarte noch mit Caponata angekündigt – sizilianischem Auberginengemüse.

So ist das eben manchmal in den Anfangstagen neuer Restaurants, die Abläufe müssen sich noch einschleifen. In unserem Fall stammte offenbar die Speisekarte noch vom Vortag. Auch die dort angepriesene Schalottencremesuppe hatte die Küche inzwischen ersetzt. Darauf wies uns der Kellner hin, und an der stattdessen servierten aromatisch-sahnigen Waldpilzsuppe (7 Euro) gab es nichts auszusetzen. Tatsächlich zeigen solche kleinen Ungereimtheiten ja, dass Beckers Restaurant auf die Marktlage reagiert, frische Zutaten verwendet und lieber die Speisekarte anpasst, als verwelktes Gemüse anzubieten. Von der Flexibilität der Küche profitiert auch eine Begleiterin, die mit einer nicht zu unterschätzenden Zahl von Allergien zu kämpfen hat. Sie bekommt das – wie sie urteilte – sehr gute und saftige Kabeljaufilet (21 Euro) spontan mit grünem Spargel und Champignons statt mit Meerrettichschaum und ist sehr zufrieden.

Zum Menü (drei Gänge: 35 Euro) gehören bei unserem zweiten Besuch drei kleine Jakobsmuscheln, gekonnt glasig gebraten, mit Curry und Blumenkohl. Die Lammkeule des Hauptgangs löst sich wunderbar leicht vom Knochen und passt gut zum Gemüse aus weißen Bohnen. Das Fleisch könnte aber etwas saftiger sein, und die Soße erinnert an den Barbecuegeschmack des Spanferkels, das meine Begleiterin als Vorspeise gegessen hatte. Der Nachtisch: Ein feines Stück Käsekuchen, Schokoeis mit weißen Schokoladenraspeln und drei Stücken Aprikose. Da bleiben keine Fragen offen. Oder doch? Was ist aus dem Vanilleeis geworden, das noch auf der Speisekarte vermerkt war?

Mein Fazit: Neue Reize im alten Reizz – Hervorragende Küche mit leichten Anlaufschwierigkeiten beim Service.

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