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Italienische Küche

Im „Bianco“ bleiben keine Wünsche offen

Von Stefanie Gollasch

Auf nach Hemmingen - es lohnt sich: Im neu eröffneten italienischen Restaurant „Bianco“ weiß man, wie man den Gästen einen rundum gelungenen Besuch beschert.
Ganz in Weiß - bis auf die Kellner: Luigi Esposito serviert im „Bianco“.

Ganz in Weiß - bis auf die Kellner: Luigi Esposito serviert im „Bianco“.

© Peters

Hemmingen. Es gibt Orte, an denen man als Gastronom schon eine Menge falsch machen muss, um keinen Erfolg zu haben. Das „Castello“ in der Alten Herrenhäuser Straße ist so ein Ort: direkte Nachbarschaft zu den gut frequentierten Herrenhäuser Gärten, ein prachtvolles historisches Gebäude und ein romantisch-lauschiges Außengelände.Und da der Chef des Hauses, Vassili Vassiliou, eigentlich gar nichts falsch macht, läuft der Laden schon seit vielen Jahren gut. Dass Vassiliou aber auch dahin geht, wo einem Wirt die gebratenen Tauben nicht automatisch auf die Teller fliegen, zeigt seine Neueröffnung – am Rathausplatz in Hemmingen.

Auf den ersten Blick und vor allem im grauen Januarlicht hat dieser Platz wenig Einladendes. Vorn links der Rathaus-Sandsteinbau, dahinter ein Karree von Flachbauten mit kleinen Ladenlokalen. Und hinten quer schließlich liegt das, in dem Vassiliou und sein Team die Hemminger und andere Gäste mit italienischen Spezialitäten versorgen wollen. Passend zum Namen ist das Restaurant in Weiß eingerichtet, kontrastierende Akzente bilden lediglich die dunklen Holzgestelle der weißgepolsterten Stühle und die beleuchtete Bar. Erstaunlicherweise wirkt das aber nicht kühl, sondern hell und freundlich – wenngleich der Kontrast zum Platz draußen größer kaum sein könnte. Bei unserem ersten Besuch an einem regnerischen Abend ist das Lokal moderat gefüllt. An einer langen Tafel speist ein gutes Dutzend gut gelaunter junger Frauen, drei, vier weitere Tische des L-förmigen Raums sind mit Paaren verschiedener Altersklassen besetzt.

Kurz nachdem wir unsere Bestellung bei dem freundlichen, munteren Kellner aufgegeben haben, bekommen wir schon einen Gruß aus der Küche. Auf einem kleinen Sträußchen Algen, fein mit Sesamöl aromatisiert, ruhen ein paar Kügelchen roter Kaviar. Genauso ansprechend und fein geht es weiter: Auf dem Vorspeisenteller (11 Euro), den wir uns teilen, finden sich neun kleine Köstlichkeiten, zumeist gegrilltes oder mariniertes Gemüse und alles frisch und schmackhaft. Dazu gibt es bestes Weißbrot, von dem wir beide viel zu viel naschen. Denn die beiden Hauptgerichte hätten es unbedingt verdient, aufgegessen zu werden. Meine Mittesterin lässt vom Schweinefilet in Balsamico-Honig-Soße (17,50 Euro) aber ebenso einiges auf dem Teller liegen wie ich von meinem Rumpsteak (17 Euro). Beides ist ebenso köstlich wie üppig und für uns Brot-Vorgesättigte einfach nicht zu schaffen. Schade, denn vor allem das Steak lässt keinen Wunsch offen: Knapp medium gebraten, ist es butterzart, dazu gibt es einen Berg frisch gerösteter Zwiebeln, kleine, in der Schale gegarte Kartoffeln und Gemüse, das an Ratatouille erinnert, jedoch viel knackiger ist.

Aus der überaus umfänglichen Weinkarte – das „Bianco“ ist nicht nur Ristorante, sondern auch Enoteca – hatten wir einen Nero d’Avola ausgewählt, der aber nicht mehr vorrätig war. Die empfohlene Alternative, eine sizilianische Cuvee aus Merlot und Syrah (29 Euro), gefällt uns aber auch ausgesprochen gut.

Bei der Frage nach einem Dessertwunsch stöhnen wir kurz auf, erbarmen uns dann aber doch und teilen uns „Dreierlei Schokoladenmousse“, was sich als feine kleine Schichttorte entpuppt.

Nachdem wir nun schon zwei große Stärken des „Bianco“ kennengelernt haben – das gute Essen und das aufmerksame Personal –, offenbart sich uns beim zweiten Besuch der dritte Pluspunkt: das Mittagsangebot. Es trifft offenbar sowohl bei Rathausmitarbeitern als auch bei Senioren und jungen Paaren eine echte Marktlücke. Sie alle sitzen jedenfalls an diesem Freitagmittag vergnügt an den Tischen und lassen sich die Tagesgerichte schmecken. Meine Begleiterin lobt die verschiedenen Ravioli in Salbeisoße, die zusammen mit einer cremigen Tomatensuppe vorweg schlanke 8 Euro kosten. Ich habe eine Pizza Parma (9,50 Euro) von der regulären Karte bestellt – eine gute Wahl, die Pizza ist üppig mit gutem Parmaschinken und Rucola belegt und erfreulich wenig ölig. Da passt hinterher sogar noch ein Tartufo (5,50 Euro) in den Magen, das im „Bianco“ mit einer ordentlichen Portion Eierlikör serviert wird.

Als wir kurz darauf in den Sturm auf dem Rathausplatz treten, ist es wieder wie ein Schritt in eine andere Welt. Hier muss ein Gastronom schon eine Menge richtig machen, um Erfolg zu haben. Vassili Vassiliou scheint das begriffen zu haben.

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