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"Die Insel" der Seligen

Kostprobe "Die Insel" der Seligen

Man hat einen herausragenden Ausblick auf den Maschsee und eine Promidichte wie sonst fast nirgendwo in Hannover. Doch wie schmeckt "Die Insel" auch? Eine Kostprobe.

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Edel, elegant, ideenreich: Norbert Schu betreibt seit mehr als 20 Jahren die „Insel“ am Maschsee

Quelle: von Ditfurth

Hannover. Was zischt denn da? Was glitzert denn so? Ach so: Hinten im Saal wurde mal wieder mal eine Eisbombe gezündet. Feuerwerk zum Dessert – das gibt es hier als Geburtstagsgruß. Und es kommt ziemlich oft vor, dass irgendwo im langgezogenen Gastraum der „Insel“ flammensprühende Glückwünsche serviert werden. Manchmal ist dabei auch Stevie Wonders „Happy Birthday“ aus den Boxen zu hören. Aber nie so, dass es die anderen Gäste stören würde. Man kennt sich hier schließlich aus mit dem guten Ton.

Viele Geburtstagskinder laden ihre Freunde und Familie zum Feiern in Norbert Schus „Die Insel“ am Maschsee ein – oder werden eingeladen. So ein Besuch im Edelrestaurant ist ein schönes Geschenk. Und das kann gern auch wiederholt werden. Beim nächsten runden Geburtstag, oder auch beim nächsten unrunden. Oder beim Hochzeitstag. Oder einfach so. „Die Insel“ steuert man immer wieder gern an. Sie ist – seit mehr als 20 Jahren – so etwas wie Hannovers guter Stube.

Und das nicht ohne Grund. Man hat hier einen hervorragenden Ausblick. Nicht nur auf den Maschsee in der Abenddämmerung (gern auch von der großen Terrasse aus), sondern auch auf die anderen Gäste. „Die Insel“ liegt auch an der Goldküste; wer es zu etwas gebracht hat in Hannover, lässt sich hier gern mal sehen. Das Restaurant ist auch ein Prominententreff. Und die Prominentendichte dürfte sich hier noch verstärken, weil die nicht weit entfernte Gastwirtschaft Wichmann Mitte Mai für ein Jahr geschlossen wurde. Man hat also viel zu gucken.

Eine mediterrane Küche mit asiatischem und norddeutschen Einschlag, das erwartet die Gäste in "Die Insel" am Maschsee. Ein Rundgang durch das Restaurant.

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Aber die beste Bühne ist hier immer noch der Teller. Oder das Glas, das zuweilen den Teller ersetzt. Beim Zwischengang steht es vor mir. In ihm liegen akkurat aufgefächert hauchdünne Gurkenscheiben. Und auf dieser Blüte aus Gurken schwimmt – dezent behaucht von ganz wenig Pfeffer – ein Gin-Tonic-Sorbet. Raffiniert. Und ein idealer Zwischengang. Wie die Ingwerblätter beim Sushi wirkt es erfrischend und neutralisierend. Es hat etwas geheimnisvoll Rauchiges und bereitet die Bühne für den Auftritt des Hauptgangs vor. Was für eine feinsinnige Idee.

Wir mussten dabei an den Gurkensaft im „Radio“ denken. Das „Radio“ in Kopenhagen gilt vielen als Alternative zum „Noma“, dem – laut Kritikerwahl – besten Restaurant der Welt. Leider ist das „Noma“ immer auf lange Zeit ausgebucht. Mit Glück kommt man über die Warteliste hinein. Und ohne Glück und Warteliste bietet sich in Kopenhagen das „Radio“ als Alternative an. Personell sind die beiden Häuser verflochten: Der Koch kommt aus der „Noma“-Schule, der Inhaber des „Radio“ ist auch Mitinhaber des „Noma“. Im „Radio“ gibt es zum großen Abendmenu eine sehr stimmige Weinbegleitung. Wer aber auf Alkohol verzichten möchte, kann dort auch eine sehr interessante Saftbegleitung bestellen. Eine schöne Idee.

Wir wollten ausprobieren, ob sie auch in der „Insel“ funktioniert. „Wäre es wohl möglich, statt der Weinbegleitung eine Saftbegleitung zu bekommen? Also: Für jeden Gang das passende nichtalkoholische Getränk?“ Die „Insel“-Bedienung legt nur ganz kurz ihre Stirn in

Falten, dann lächelt sie und sagt: „Selbstverständlich. Da werden wir uns etwas einfallen lassen.“ Und das tut sie dann auch. Es gibt Rhabarbersaft zur Terrine von der Gänsestopfleber, die von einigen frischen Himbeeren und knackig gekochtem Rhabarber begleitet wird. Zum gegrillten Rochenflügel mit Couscous passt der Mate-Tee, und zum Hauptgang – Spargel mit Sauce hollandaise und einer feinen Schinkenauswahl – gibt es, schlicht aber passend: eine Apfelsaft-Schorle.

Chapeau. In der gehobenen Gastronomie sollte es zwar eine Selbstverständlichkeit sein, kreativ auf Gästewünsche zu reagieren und etwas hervorzuzaubern, das nicht auf der Speisekarte steht – das aber so originell und mit einem so freundlichen Lächeln zu gestalten, wie hier, das hat schon was.

Inhaber Norbert Schu und Küchenchef Benjamin Meusel pflegen hier am Maschsee eine mediterrane Küche mit asiatischem und norddeutschen Einschlag. Ihnen gelingen oft wunderbar elegante Kombinationen (nicht nur die Aubergine mit Burrata, Kalbsbries und Apfelkompott), und nie vermittelt die Küche dem Gast das Gefühl, dass sich in 20 Jahren „Insel“ Routine oder eine gewisse Behäbigkeit eingeschlichen hätte. 

Dass einer der Hauptgänge – „Rücken und Schulter vom Husumer Deichlamm mit Bohnencassoulet, geräucherter Paprika und Kartoffelstampf“ – vielleicht etwas zu derb daherkam, ist kein Problem. Wenn auf der „Insel“ etwas stört, dann der Eingangsbereich. Die Gäste müssen sich zuweilen durch eine Duftwolke aus Putzmitteln kämpfen, bis sie das Restaurant in der ersten Etage erreichen. Irgendwie passt das nicht zur Eleganz des Restaurants. Aber womöglich halten auswärtige Gäste diesen olfaktorischen Ausdruck von Reinlichkeit sogar für hannöversch.

Und der Preis? Der ist hoch, aber nicht zu hoch. Inselpreise zahlt man in der „Insel“ jedenfalls nicht. Das Abendmenü mit fünf Gängen kostet 89 Euro pro Person, dazu kommen 41 Euro, falls man sich für die korrespondierenden – und klug ausgewählten – Weine entscheidet. Der Aufwand, der hier getrieben wird, die Sorgfalt, mit der eingekauft, gekocht und serviert wird, rechtfertigt den Preis.

Es geht auch etwas günstiger: Die Gänge der Mittagskarte kann sich der Gast nach Belieben zusammenstellen, zwei Gänge kosten 28, drei 36 Euro. Geburtstage allerdings sollte man besser abends feiern. Schon wegen des Feuerwerks.

Mein Fazit: Raffinierte, ideenreiche Küche, hervorragende An- und Ausblicke.

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