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Sie trauen sich was!

Kostprobe bei Esskult Sie trauen sich was!

Ist es Humor, Originalität oder schlicht die Wahrheit? Jedenfalls ist es bemerkenswert, wie das Restaurant Esskult in Hannover-Döhren sein Hirschgulasch annonciert. „Jäger sei Dank“ steht da in der Karte.

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Irina und Juri Duchan vom Esskult stecken voller Ideen.

Quelle: Wallmüller

Döhren. Es gibt doch kurz zu denken, wenn man bei der Auswahl der Gerichte in einem Restaurant daran erinnert wird, wie das Tier gestorben ist, das gleich auf dem Teller landet. Aber immerhin ist es ehrlich, und zur Wahrheit gehört auch, dass die Küche sehr gut mit dem Fleisch umzugehen weiß, das ihr der Jäger verschafft hat. Das Hirschgulasch (16 Euro) ist ein Genuss.

Esskult

Wiehbergstraße 2 (Döhren)
Telefon:  (05 11) 76 08 69 85

www.esskulthannover.de

Geöffnet: Mittwoch bis Montag von 17 bis 23 Uhr

Preiskategorie: moderat (Hauptgerichte bis 15 Euro) bis gehoben (um 20 Euro)

Originell zu sein, das haben sich Juri Duchan und seine Mutter Irina zum Ziel gesetzt. Die Gastronomen, die das Esskult Mitte 2014 eröffnet haben, setzen sich durchaus gehobene Ansprüche. Die Gerichte, die sie in ihrem Restaurant servieren, sind ungewöhnlich, überraschend, oder sie tragen zumindest einen kuriosen Namen. Die fruchtige weiße Tomatensuppe (5 Euro), etwa die auf der Oktoberkarte stand, nannte sich „Albino“, war geschmacklich einwandfrei, nur leicht rosafarben.
Auch die Nachbarschaft ist speziell: Von den Barhockern im Eingangsbereich des Esskult kann man nämlich über die Straße direkt ins Titus gucken – Dieter Gruberts Gourmetrestaurant, das mancher für das beste der Stadt hält. Von den Kücheneskapaden dort ist das Esskult dann zwar doch mehr als eine Straßenbreite entfernt, wer im Titus keinen Platz mehr bekommt, muss aber trotzdem vor dem Esskult keine Scheu haben.
Wenn man den Gastronomen etwas vorwerfen kann, dann eine gewisse Unentschlossenheit. Essen, Ambiente und Service gehen eine recht eigenwillige Mischung aus gehobener Gastronomie, Bistro und Cocktailbar ein. Zum exklusiveren Anspruch gehört der Gruß aus der Küche, jeweils auf großen Porzellanlöffeln serviert erhalten wir einmal Haselnusspolenta mit Tomatenpesto und ein andermal Peperonata auf Crostini. Dazu passen allerdings die einfachen Tische genauso wenig wie der zwar immer freundliche, manchmal bemühte und gelegentlich unbeholfene Service. Auch die unüberschaubare Speisenvielfalt scheint auf den ersten Blick mit dem Anspruch des Hauses zu kollidieren. Neben Steaks, Schnitzel, Fisch und Wild erwarten den Gast auch Pizza, Pasta und Burger. Es gibt eine Standardkarte, eine Monatskarte, eine Wandtafel und Tagesgerichte. Ach ja, Mittwoch ist Cocktail-Happy-Hour und montags bekommen Frauen einen Prosecco aufs Haus.

Ein Phänomen ist das Esskult schon alleine deshalb, weil trotz mangelnder Fokussierung kulinarisch alles weitgehend stimmte. Man könnte bekritteln, dass das Wiener Schnitzel (19 Euro) sehr dünn geklopft war. Doch die Panade war locker, das Fleisch zart und die Bratkartoffeln mit Speck gut gebraten. Etwas unscheinbar und ziellos wirkten die sogenannten Steinofenschnitten (6 Euro) – mit verschiedenen Pasten bestrichene Maisbrotscheiben. Dann vielleicht eher der Vorspeisenteller (14 Euro), den man sich locker zu zweit teilen kann und der einige Überraschungen bereit hält. Ungewöhnlich etwa die Kürbisstreifen, angebraten und mit Thymian gewürzt oder der Möhrensalat mit Koriander.
Der fantasievolle Höhepunkt im Angebot nennt sich „Rudolph“. Auch bei ihm hatte ein Jäger die Finger im Spiel, denn es handelt sich um einen Burger (Brötchen übrigens selbst gebacken) aus Hirschfleisch (16 Euro), aromatisiert mit geräucherter Orangenmayonnaise, Cheddarkäse, Tomaten-Preiselbeerschmand ergänzt um Rosmarin-Walnuss-Gnocchi. Darauf muss man erst mal kommen! Ein Lob für den Mut und das perfekt saftig gebratene Hack. Allerdings drängt sich die Orange zu sehr in den Vordergrund, und bei den Gnocchi ist von Rosmarin und Walnuss wenig übrig. Trotzdem: Probieren!

Das gilt auch für das Rinderfiletsteak, das mit seinen 25 Euro preislich die Oberkante markiert. Dazu gibt es sahniges Kartoffelgratin und mit herzhaftem Speck umwickelte Bohnen. Und dann war da ja noch das Hirschgulasch, zart und saftig geschmort in einer jahreszeitlich angemessen kräftigen Soße. Die heimlichen Herrscher des Gerichts sind jedoch die Beilagen, was sich schon daran zeigt, dass die Kellnerin sie zentral vor mir postiert und das Gulasch in einem zusätzlichen Schälchen daneben. Da können wir dem Jäger noch so viel danken, gegen das karamelisierte Buttergemüse kommt er nicht an. Dünn gehobelt häufen sich bunt-glänzende Streifen verschiedener Wurzeln und Möhren wie Tagliatelle unter zwei Stücken Walnußpolenta, und dazwischen – ein Spiegelei?! Nein, was aussah wie ein Dotter, ist doch die süße Frucht einer Physalis. Ein wunderschönes, ein reichhaltiges, ein mächtiges Gericht.

Mein Fazit : Ein Haus für alle Gelegenheiten und voller Ideen.

von Ralf Heußinger

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