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So schmeckt es im Högers 1910 in der Südstadt

Kostprobe So schmeckt es im Högers 1910 in der Südstadt

Finkbeiners Kostprobe: Tolles Flair, netter Service, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Über den Brunch im Högers 1910 ließe sich viel Gutes sagen, wäre da nicht die Sache mit der Werbung.

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Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Wir sind glücklich. Eine Menschentraube von knapp 35 Personen hat sich an diesem Sonntagmorgen vor dem Wirtshaus Högers 1910 versammelt und wartet auf Einlass. Das Brunch-Büfett (15,90 Euro) scheint also wirklich der „Klassiker in Hannovers Südstadt“ zu sein, wie auf der Speisekarte zu lesen ist. Um 10.05 Uhr öffnen sich die Türen. Plötzlich wird es unruhig. Die meisten Gäste nehmen zwar erst einmal Platz, einige andere machen sich jedoch heißhungrig über die Speisen her. Kaum haben wir uns gesetzt, werden Teller an uns vorbeigetragen: Lachs auf Wurst auf einem Berg Rührei, getoppt von Brötchen.

Das Högers 1910 in der Südstadt bietet Wiener Kaffeehausatmosphäre mit Blick auf den Stephansplatz.

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Klar, was auf anderen Tellern passiert, das hat uns nicht zu interessieren. Aber das Verhalten wirkt sich auf das Erscheinungsbild des Büfetts aus. Schnell sind Platten zerzupft und werden nur zögerlich ersetzt. Hinzu kommen Ausstattungsfehler: Für sieben Einsätze mit warmen Speisen stehen nur fünf Löffel zur Verfügung. Die hochwertige Jagdwurst wird in der geöffneten Dose offeriert, ohne Besteck, sodass mehrere Gäste mit einem Speisemesser darin herumschnippeln und das Ganze schnell wie Geschnetzeltes aussieht. Sicher, das sind nur Details. Aber genau darauf kommen wir noch einmal zurück. Schauen wir vorher aufs Essen.

Gut sind Antipasti, Würstchen, Lachs oder Speck. Das Rührei hat eine kompakte Konsistenz, wurde wahrscheinlich aus Flüssig-Ei hergestellt, aber schmeckt. Der Aufschnitt vom Geflügelbraten ist etwas trocken, aber in Verbindung mit Soße eine feine Sache. Toll schmeckt die Rote Grütze. Ein Genuss sind die Honigsorten. Nicht zufrieden sind wir mit den Fertigbrötchen. Die Kruste ist meist weich, hier und da ein bisschen knusprig, die Krume sehr bröckelig. Die Mozzarella-Scheiben (vom Block geschnitten?) erinnern uns wegen des festen Teigs eher an Halloumi-Käse, werden aber mit würzigem Pesto und Tomaten serviert. Der Fruchtjoghurt ist süß und sehr flüssig.

Högers 1910
Oesterleystraße 5–7
30171 Hannover

www.hoegers-1910.de
E-Mail: info@hoegers-1910.de
Telefon: (05 11) 5 10 64 25

Öffnungszeiten:
Montag bis Sonnabend von 9 bis 23 Uhr, Sonntag von 10 bis 22 Uhr     

Bei den Mittagsgerichten schwärmen wir für das Kichererbsen-Curry, das einzige Gericht, das aus dem recht klassischen Angebot etwas heraussticht. Der Schweinebraten ist festfleischig, die Soße hat Substanz, es fehlt nur an Finesse. Das Gemüse ist augenscheinlich Tiefkühl-Ware. Die Gratin-Kartoffeln sind gut – eine Speise, die auch weniger unter einer längeren Warmhaltung leidet als die sehr weichen Penne, die in einer intensiven Tomaten-Oliven-Soße liegen. Bei Nudelgerichten macht es ohnehin Sinn, die Soße separat anzubieten, damit die Nudeln keine Flüssigkeit mehr ziehen. Nachteil: Sie kühlen und trocknen schneller aus, wenn der Deckel nicht darauf bleibt.

Zugegeben, angesichts des moderaten Preises für so ein breites Speisensortiment (Kaffee inklusive), hätten einige der Kritikpunkte Nachsicht verdient. So einfach ist es aber heute nicht. Auf dem Internetauftritt des Unternehmens werden nämlich wortwörtliche „Versprechen“ gegeben. Dazu gehören „jeden Tag frische Produkte mit neuen Ideen und maximaler Sorgfalt auf den Teller zu bringen“ oder eine „einzigartige Atmosphäre mit Blick fürs Detail zu schaffen“. Wenn ein Unternehmen eine solche Erwartungshaltung weckt, muss es auch daran gemessen werden. Preis hin, Preis her.

Wir genießen den Morgen jedenfalls nicht zuletzt wegen des netten Services und altehrwürdigen Flairs – allein das ist übrigens einen Besuch in der Gaststätte wert! Einige Wochen später kommen wir dann auch nochmals wieder, an einem ruhigen Sonnabendmorgen, zum Frühstück. Wir bestellen das Hannoversche (8,90 Euro) und Italienische Frühstück (9,90 Euro), dazu Milchkaffee (3,10 Euro) und einen Pott Kaffee (2,90 Euro). Mozzarella und Brötchen stechen uns erneut ins Auge, scheinen also zum Standardsortiment zu gehören. Das Ei kommt hartgekocht an den Tisch. Als wir versuchsweise ein weiteres Ei (1  Euro) bestellen, werden wir nicht gefragt, ob wir es vielleicht weich wünschen – was nun wirklich kein Hexenwerk wäre.

Dafür schmecken die Heißgetränke vorzüglich. Die Wurst-, Käse- und Schinkenwaren sind für den Preis in Ordnung, gewöhnliche Großhandels-Qualität. Der Kräuterquark ist gut. Schön ist auch die frische Rohkost. Zudem sind die Speisen hübsch arrangiert. Eines der Details, von denen wir unterm Strich mehr erwartet hätten. Und vielleicht ist es ja auch das: Wir haben aufgrund der bemerkenswerten Werbung einfach mehr als eine, ja, doch recht gewöhnliche Leistung erwartet – wie hätte die Kritik wohl ausgesehen, wenn wir das Markenversprechen nicht vorab gelesen hätten? Das steht im Fazit.   

 Fazit : Das Högers 1910 punktet mit altehrwürdigem Ambiente und höflichem Service. Das Frühstück ist in Ordnung, das Brunch-Büfett bietet für vergleichsweise wenig Geld viel Auswahl. Gesamtnote: 6/10 (Essen 5, Service 7, Ambiente 8).

Hannes Finkbeiner

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