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Tapas mit Tänzchen

Kostprobe im El Mercado Tapas mit Tänzchen

Es ist der älteste Spanier der Stadt: Seit knapp 30 Jahren bietet das El Mercadoam Lindener Marktplatz spanische Spezialitäten an, allen voran galizische Küche mit viel frischem Fisch auf der Tageskarte. Die Gäste erleben einen Abend voller Lebenslust. Eine Restaurantkritik von Susanna Bauch.

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Koch und Inhaber William Salva Lluncor (zweiter von links) und mit seinem Team.

Quelle: Hagemann

Hannover. Es ist der älteste Spanier der Stadt, und die Zeit ist am Lindener Marktplatz ein bisschen stehengeblieben. Seit knapp 30 Jahren bietet das El Mercado mitten in Linden spanische Spezialitäten an, allen voran galizische Küche mit viel frischem Fisch auf der Tageskarte. 2013 hat Gerardo, Gründer und bisheriger Betreiber, aus gesundheitlichen Gründen sein Restaurant an seinen langjährigen Mitarbeiter und Freund weitergegeben. William Salva Lluncor, gebürtiger Peruaner und seit mehr als 15 Jahren der Koch im El Mercado, führt seitdem das Lokal im Geiste des einstigen Besitzers weiter. Stammgäste von damals und heute werden allerdings mit keiner großen Veränderung belastet.

Die Palmen vor den fast bodentiefen Fenstern sind vermutlich mehr ein Vierteljahrhundert ungehindert in die Höhe gewachsen, das Holzmobiliar ist einfach und rustikal, und Ende Januar baumelt noch ein wenig glitzernde Weihnachtsdeko von verschnörkelten Lampen. Das Wandbild auf der Empore strahlt wie eh und je. Dass das Lokal an beiden Testabenden knallvoll ist, ist sehr ermutigend. Genauso wie die vielen Spanisch sprechenden Gäste, die offenbar regelmäßig hier zu Rotwein und Tapas aufkreuzen.

Ein spanischer Abend voller Lebenslust erwartet die Gäste im El Mercado im Herzen von Linden.

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Wir starten mit Tagesempfehlungen – Venusmuscheln und Stabmuscheln für 
8,50 bzw. 9,50 Euro. Beide Fischportionen sind reichlich und vor allem die Stabmuscheln fest und würzig – eine sehr positive Überraschung. Anschließend wählen wir frische Gambas in würziger Tomatensauce (9,50 Euro als Vorspeisenportion), für die es auf Wunsch noch weitere Zubereitungsoptionen gegeben hätte. Die Küche zeigt sich in dieser Hinsicht sehr flexibel. Außerdem kommt eine frische Dorade (15,10 Euro) auf den Tisch, serviert mit Salat zum selbst anmachen und fritierten Kartoffelhälften. Die Dorade ist ein wenig trocken, dafür fast eine doppelte Portion, die Kartoffeln erinnern angenehm an Gourmet-Pommes.

Zum Dessert wählen wir klassischen Flan sowie Crema Catalan (3,50 und 4,50 Euro) – beides keine Offenbarung aber eine solide Leckerei, die allerdings ein wenig zu rasch nach der Bestellung auf den Tisch kommt. In Sachen Wein orientieren wir uns an den spanisch besetzten Nachbartischen – hier wird der Hauswein bestellt, 11,50 Euro pro Flasche. Und die Wahl ist richtig, der Rotwein schmeckt fruchtig und nicht zu kräftig – ein Nachschenken geht daher problemlos.

Beim zweiten Besuch sollen es Tapas sein: Datteln im Speckmantel (4,60 Euro), fritierte Sardinen (4,60 Euro) sowie Pimientos Patron (4,80 Euro). Der Speck ist knusprig gebraten, der Dattelgeschmack wird nicht übertönt. Auch die Pimientos sind mit reichlich Meersalz garniert richtig lecker. Allein die Sardinien schmecken allzu streng nach Fisch – sie bleiben fast unberührt.

Die Tageskarte weist wieder allerhand frische Fischempfehlungen auf, allerdings auch Lammrücken (18 Euro) sowie Rumpsteak. (16,50 Euro). Sowohl die Saucen als auch die Beilagen können frei gewählt werden, wir entscheiden uns für eine intensive Portweinsauce zum Lamm und scharfe Pfeffersauce zum Fleisch. Wieder sind die Portionen üppig, die Fleischstücke zart und auf den Punkt gebraten. Für einen Nachtisch ist nach köstlichem Aioli (2,80 Euro) und Brot definitiv kein Platz mehr – dafür gibt es buchstäblich etwas Süßes zum Dessert vom Haus – den spanischen Klassiker Likör 23.

Das Essen im El Mercado ist grundsolide, mit Höhepunkten und Abzügen in der B-Note – bestechend ist in jedem Fall die Atmosphäre. Es ist laut, lustig und die Bedienung hat genau die richtige Mischung aus Witz, Charme und Distanz – allein Auswahl und Bestellung machen schon gute Laune. Zwischen durch hat ein spanischer Singer-Song-Writer einen kleinen Auftritt, danach bitten noch zwei Wandergesellen wortgewaltig um einen kleinen Obulus – keinem der Gäste geht das auf die Nerven, es bereichert vielmehr den Abend auf angenehme Art und Weise. Und obwohl das Essen wirklich zügig kommt, sind vier Stunden im El Mercado im Nu vorbei. Zum Abschluss wird manch Gast im Barbereich vor der Tür noch zu einem kleinen Tänzchen aufgefordert – und wirklich keinem ist das peinlich. Ein spanischer Abend voller Lebenslust. Und satt geworden ist auch jeder.

Das „El Mercado“

El Mercado,

Lindener Marktplatz 2, 30 449 Hannover 

Täglich geöffnet 
von 18 bis 23 Uhr, 
sonntags Ruhetag 

Reservierungen unter 
Telefon 44 8 5 27 und 
online über speisekarte.de
Preiskategorie: moderat.

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