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So gut ist Hannovers neues Hofbräuhaus

"Kostprobe" So gut ist Hannovers neues Hofbräuhaus

Das bayerische Wirtshaus "Hofbräu München Hannover" im Bahnhof an der Bismarckstraße ist zwar noch recht frisch (die Eröffnung war zur Cebit), kommt aber offensichtlich beim Publikum gut an. Am Wochenende ist es schwer, hier einen Platz zu bekommen. Doch der Besuch lohnt sich.

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„Ein Prosit, ein Prohosit, der Gemühütlichkeit“: Jaqueline und Katharina Wallentin probieren das Hofbräuhaus aus.

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Oiso, wenn mia scho do herinna san“, radebrechte ich herum, dann wurde mir das mit dem Bayerisch zu dumm und ich schaltete zurück auf Hochdeutsch, „dann sollte doch einer von uns auch die Haxe nehmen. Schweinshaxe. Das gehört ja nun mal dazu.“

Es war schwierig. „Ich nehme lieber fleischlos“, sagte die weibliche Begleitung. Und: „A Maß.“ Schon gut. Ich bestellte die Haxe. Und auch eine Maß. Als „Resche Haxe“ (für 15,90 Euro) war die Haxe in der Karte annonciert. Resch muss wohl kross heißen, scharf gebacken, mit trockener Kruste. Aber wie spricht man das eigentlich original bayerisch aus? Reeeesch? Oder Räsch? Die Dame, die fix an unseren Tisch kam, kaum dass wir die Karten zur Seite gelegt hatten, trug zwar ein fesches Dirndl, war aber des Bayerischen auch nicht mächtig. „Mit kurzem e vielleicht“, mutmaßte sie. Sie war keine Bayerin, sah nur bayerisch aus.

Kaum hatte sie die Bestellung in ihr Sendegerät eingetippt und den nächsten Tisch nach der Bestellung befragt, war sie auch schon wieder da: mit zwei Maß Hofbräubier in den Händen. Das ging ja flott. Und das, obwohl der Laden richtig voll war; wir hatten gerade noch so die letzten Sitzplätze an einem Tisch ganz hinten oben auf der Empore erwischt.

Auf der Bismarck-Alm: In Hannover hat das Hofbräu München eröffnet und bietet bayerische Lebensart.

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Früher, als der Bismarckbahnhof noch ein Steakrestaurant war, war es hier nie so voll. Das bayerische Wirtshaus im Bismarckbahnhof ist zwar noch recht frisch (die Eröffnung war zur Cebit), kommt aber offensichtlich beim Publikum gut an. Am Wochenende ist es schwer, hier einen Platz zu bekommen. Unter der Woche aber, am frühen Abend, geht’s. Und an solch einem Tag waren wir das erste Mal hier. Eine blonde Dirndldame begrüßte uns am Eingang und plapperte munter in breiter norddeutscher Mundart über die Vorzüge der Plätze weiter hinten im Tunnel, in dem man die Züge hört, die oben über die Gleise rattern. Der Herr in Lederhose, der uns das Bier brachte, schien, darauf deutete seine Sprachfärbung hin, aus Polen zu kommen. Auch er war sehr freundlich und durchaus zu einem Schwätzchen aufgelegt. Er brachte zwei „Große Helle“, die ganz großartig schmeckten. Das Bier kommt von der Staatlichen Brauerei Hofbräu München. Die Maß (8,40 Euro) ist gut gekühlt, sehr süffig, vernünftig eingeschenkt, und sie schmeckt wie im Hofbräuhaus – es ist ein echtes Original inmitten eines großen „So als ob“-Geschehens.

Hofbräu München Hannover: Alle Infos

Adresse: Mainzer Str. 6b, 30173 Hannover

Kontakt: Telefon: (05 11) 98 43 86 88,  reservierung@hannover-hofbraeu.de

Internet:   hofbraeu-wirtshaus.de/hannover/

Das Hofbräu-Wirtshaus Hannover ist Teil einer Kette. Andere Hofbräu-Häuser (Hofbräuhäuser darf man nicht sagen, dann platzt in München eine Weißwurst) gibt es in Hamburg, Berlin und im Snow-Dome Bispingen. So ein Kettenbetrieb muss ja nicht von Nachteil sein. Was an Originalität fehlt, wird durch Erfahrung wettgemacht. Man weiß eben, was geht und was nicht. Was in Hamburg und Berlin funktioniert, funktioniert auch in Hannover. Und Bayern funktioniert ja überhaupt sehr gut. Als Marke, als Gefühl, als Lebenshaltung, als Stil und vor allem als Grund zum Feiern. Das Motto des bayerischen Wirtshauses macht klar, worum es hier geht: „Mia san Bia!“ Das stimmt. Hier ist richtig was los.

Ein Blick auf die Speisekarte.

Quelle: Screenshot

Übrigens auch auf dem Teller. Während es beim ersten Besuch nur Brezeln (bayerisch: „Brezen“ oder „Brzn“, wie unser polnischer Kellner meinte) gab, die pro Stück nur 1,50 Euro kosten und nicht besser schmecken als das, was in norddeutschen Stadttheatern gemeinhin als Pausensnack angeboten wird, musste es beim zweiten Besuch eben Haxe sein, die resche. Nach erstaunlich kurzer Zeit kam die Dirndldame mit einem Fleischgebirge zurück an den Tisch. Im Schatten der mächtigen Keule dümpelte ein Klößchen mit einer schiefen Mütze aus Semmelbröseln in einer Soßenpfütze herum. Ein wenig Krautsalat mit Speck und Petersilie verlor sich am Rand des Tellers.

Testfazit: „Mia san Bia!“

Preiskategorie: moderat (Hauptgerichte bis 15 Euro)

Fazit: Bayerische Lebensart im Norden. Das funktioniert. Denn: „Mia san Bia!“

Weil so einem Fleischberg mit normaler Ausrüstung (Messer, Gabel) nicht beizukommen ist, steckte oben in der kross gebratenen Fettschicht ein scharfes Spezialmesser. Damit ging’s. Die krosse Kruste schmeckt ganz wunderbar, ein Wunder aber ist das nicht. Fett sorgt schließlich für Geschmack. Aber bald war es auch genug mit Fett und mit der Knurpserei an der harten Hülle.

Das hinter der Panzerung verborgene Fleisch schmeckt durchschnittlich nach Schwein. Nicht schlecht, aber auch kein Grund zum Schuhplatteln vor Freude.Meine Begleitung hatte sich für die „Tiroler Kässpätzle“ entschieden (für 12,90 Euro), die in der Eisenpfanne serviert werden. Ihren Geschmackseindruck fasste sie mit einem Wort zusammen: „Beton“. Mir fehlte nach der reschen Haxe schlicht die Kraft, das zu überprüfen.

Bierfreunde kommen auf ihre Kosten: ein Blick auf die Auswahl.

Quelle: Screenshot

Noch während der Haxenschnippelei setzte die Livemusik ein. Musik war schon die ganze Zeit über da: Schlager und bayerisches Wummtata aus der Konserve. Jetzt aber spielten zwei Musiker in rotkarierten Hemden auf der kleinen Bühne mitten in der großen Halle: Schlager und bayerisches Wummtata. Die meisten Instrumente kommen dabei aus dem Rechner.

Alle paar Lieder ertönt „Ein Prosit, ein Prohosit, der Gemühütlichkeit“. Noch steht keiner der Gäste dabei auf. Aber der Geräuschpegel ist hoch. Gebrüll ist zu hören und Gelächter. Es dürfte wohl nicht lange dauern, bis die Ersten zu tanzen beginnen. Später vielleicht auch auf den Tischen. Sie sind so gearbeitet, dass sie das aushalten.

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