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Experimente für Europäer

Kindai Experimente für Europäer

Sagen wir es mal so: Die authentische japanische Küche hat mit dem Kindai in der Marienstraße keine Konkurrenz bekommen. „Kindai“ heißt übersetzt „modern“. Betreiber Jimmy Guo, der das Restaurant im März eröffnet hat, will dem Geschmack seiner europäischen Gäste – oder dem asiatischen Vorurteil darüber – erklärtermaßen näherkommen.

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Kindai- Küchenchef  Jimmy Guo gibt Sushi und  Sashimi eine moderne Note.

Quelle: Körner

Das heißt, mit den einfachen, aber überzeugenden Zutaten des Japan-Lifestyles wie rohem Fisch, Reis, Seetang und Gemüse soll es nicht getan sein. Der gebürtige Chinese, der jahrelang im früheren Kabuki in der Nord/LB gekocht hat, will, dass seine europäischen Gäste nicht auf ihre Vorlieben für Fleisch und Milchprodukte verzichten müssen. Ein Experiment, das Guo unter dem Dach der Noosou-Group der Gastronomenfamilie Khuu-Tran (unter anderem Mister Q am Raschplatz) unternimmt.

Ein experimentelles Konzept hatten allerdings auch Guos Vorgänger schon. Ein hannoversches Gastronomentrio betrieb in den Räumen zuvor das Ladenlokal – ein Restaurant, eingebettet in ein Feinkostgeschäft mit allerlei trendigen Mitnehmprodukten. Nach dem ersten Weihnachtsgeschäft ging die Idee jedoch schnell baden.

„Kindai“

Marienstraße 54

Telefon
(05 11) 80 60 40 22

www.noosou-group.de

Geöffnet
Montag bis Freitag 11.30 bis 15 Uhr und 17.30 bis 23.30 Uhr
Sonnabend und Sonntag 12 bis 24 Uhr
Preiskategorie
moderat

Bei unserem Eintreten erinnert uns nichts mehr an die üppige Dekoration des einstigen Ladenlokals. Wir sehen: helles Holz, schlichte Möbel, klare Linien und Formen, dezentes japanisches Dekor und gut 100 (!) leere Stühle. Aber es ist auch schon später am Abend. Lediglich an der sogenannten Kaiten-Bar mit dem rundlaufenden Sushi-Fließband sitzen einige Gäste, denen die langen Öffnungszeiten offenbar entgegenkommen. Auch wir nehmen dort Platz.

Vor uns fahren die Bonsai-Happen vorbei, die Guo und sein Team hinter der Bar modelliert haben. Die Preise sind nach den Farben der Tellerchen gestaffelt (1,50 bis 4,50 Euro). Maki, Nigiri, Sashimi, Tempura, California Rolls – kennen wir alles. Aber auch äußerst ungewohnte Kreationen kreiseln vorbei. Etwa ein lila Häubchen auf Reis. Es handele sich um Heidelbeer-Frischkäse, erklärt die Kellnerin auf Nachfrage. Wir lassen den Happen erst einmal weiterziehen.

Die Karte weist neben den in Deutschland verbreiteten Klassikern der asiatischen Küche auch etwas bizarre Sushi-Varianten auf: „Maki Toscana“ etwa mit getrockneten Tomaten, Rucola und Mozzarella, „Hawaii Maki“ mit gekochtem Schinken und Ananas oder „Straußen Maki“, mit Straußenfleisch und Lauchzwiebeln.

Bei unserem ersten Besuch nehmen wir uns zunächst die Klassiker vor. Unsere Vorspeisen, der Wakame-Algensalat (3,20 Euro) und die typische Miso-Suppe (2,60 Euro), schmecken frisch und würzig. Ich greife anschließend zu den Tellerchen vom Band und kann mich über die Qualität der Nigiri-Sushi (Fisch auf Reisklops), Maki-Sushi (in Seetang eingerollt) und Sashimi-Häppchen (roher Fisch im Alleingang) mit Lachs, Tunfisch und Avocado nicht beklagen. Höchstens darüber, dass man mit dem dazu gereichten wunderbar intensiven Ingwer allzu sparsam umgeht.

Meine Mittesterin probiert als Hauptspeise ein unprätentiöses Curry aus gebratenem Hühnerfleisch und Gemüse in Ingwersoße (8,50 Euro). Eine solide Sache, nett dekoriert, einzig der Reis sei zu wässrig, befindet die Begleiterin. Die hausgemachten und wiederum sehr bunten Eistees (3,50 Euro), wahlweise mit Minze, Kokosnuss, Vanille oder Früchten, sehen gut aus und sind eine leckere Idee.

„Kindai“ heißt übersetzt „modern“. Betreiber Jimmy Guo, der das Restaurant im März eröffnet hat, will dem Geschmack seiner europäischen Gäste – oder dem asiatischen Vorurteil darüber – erklärtermaßen näherkommen.

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Bei unserem zweiten Besuch wollen wir es wissen und bestellen aus der Su­shi-Spezial-Auswahl. Leider werden die Exoten nur im Zehnerset verkauft, sonst hätten wir sie alle mal probiert. Und leider ist an diesem Tag auch das Straußenfleisch aus. Also begnügen wir uns mit Rindfleisch-Maki (zehn Stück für 11 Euro) sowie der Kindai Extreme Roll (15 Euro), die uns vor allem wegen des gebratenen Tunfischmantels und der Orangen-Teriyaki-Soße interessiert. Die Größe der Portionen überrascht uns: Die in Scheiben geschnittenen Rollen haben die Ausmaße eines Weihnachtsbratens. Hätten wir das gewusst, hätten wir nicht noch ein (weiteres) Hauptgericht bestellt (das gegrillte Lachsfilet mit gebratenen Udon-Nudeln und Teriyaki-Sauce für 14,60 Euro lassen wir uns später einpacken).

Während wir zunächst noch überlegen, wie wir das alles schaffen sollen, kippt der Kellner Rum über die Rolle und flambiert sie. Die nächste halbe Stunde sind wir sehr still: Nicht so einfach, die großen Scheiben in Sojasoße zu tunken und mundgerecht zu zerbeißen – natürlich zerfallen die Happen unappetitlich. Schließlich stopfen wir die Scheiben in Gänze in den Mund. Es dauert eine Weile, bis wir unsere Hamsterbacken geleert haben. Was bleibt, ist der Geschmack von Rum und das Gefühl, ein als Sushi getarntes ganzes Steak verspeist zu haben.

Da belassen wir es demnächst lieber bei den traditionellen Stücken – und probieren vielleicht zum Nachtisch noch das Heidelbeer-Frischkäse-Sushi.

Mein Fazit: Tokio ist weit weg. Aber wer es ausgefallen mag, ist hier richtig.

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