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Currywurst mit Goldstaub gefällig?

Kostprobe im Leinegold Currywurst mit Goldstaub gefällig?

Ein Besuch im Leinegold ist vor allem eins: abwechslungsreich. Vor sieben Jahren hat Sebastian Fried das Leinegold an der Königsstraße als Bistro und Cocktailbar eröffnet. Mittlerweile hat der Restaurantleiter und Küchenchef ein ernst zu nehmendes Restaurant daraus gemacht. Eine Restaurantkritik von Ralf Heußinger.

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Restaurantleiter und Küchenchef Sebastian Fried liebt bunte Teller

Quelle: Eberstein

Hannover. Puristen unter den Feinschmeckern müssen jetzt mal ganz stark sein: Wer klare Linien braucht, strenge Strukturen liebt, oder ganz einfach Ordnung auf dem Teller für erstrebenswert hält, der ist im Leinegold falsch. Küchenchef Sebastian Fried hat nämlich eine Vorliebe für Durcheinander. Für Gesprenkel. Für Fülle. Und dann haucht er noch etwas (Leine-)Goldstaub darüber.

Normal ist in dem Laden an der Königsstraße wenig: Das Restaurant Leinegold besticht durch auffällige Dekoration und Überraschungen auf dem Teller.

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Auf der Speisekarte kann man mitunter von Mohncrunch, Zimt-Sternanisschaum, Mandelsand, Beeren-Microbiskuit und Dörrphysalis-Maulbeerenjus lesen. Das klingt zum Teil lustig, zum Teil spektakulär, ist es nicht immer, macht einen Besuch im Leinegold aber auf jeden Fall abwechslungsreich und zu einer Art Spurensuche.

Beispiel Rindercarpaccio (12 Euro): Mancher klagt ja schon, wenn Rucola und Balsamicospritzer das Fleisch begleiten. Im Leinegold sprechen wir von Kapern, Kapernäpfeln, Sellerie, Zwiebelchen, Gürkchen, Schäumchen, Sößchen, und in der Mitte klafft ein angeschnittenes, frittiertes Ei. Die Küche hat sich ausgetobt, und wer sich darauf einlässt, hat Freude daran.
Oder beim Saiblingsfilet von der aktuellen Tageskarte (23,50 Euro): Der Fisch ist saftig bis glasig, die leicht gesalzene Haut gut angeröstet, das Wasabi-Erbsenpüree cremig und nicht zu scharf, und die Rote Bete mit Vanille bietet eine ambitionierte Mischung aus Erdigkeit und Süße. Doch was und wo sind die in der Karte angekündigten Norichips? Und ist die Soja-Honig-Reduktion als Soße nicht ein Tick zu viel?

„Wir scheuen uns nicht, Sachen auszuprobieren“, sagt Restaurantleiter und Küchenchef Sebastian Fried. Er hat aus dem vor sieben Jahren als Bistro und Cocktailbar gestarteten Leinegold ein ernst zu nehmendes Restaurant gemacht. Cocktails gibt es noch immer reichlich, doch das Essen steht inzwischen eindeutig im Mittelpunkt. Die Auswahl ist groß und reicht von Pasta über Salat bis Burger, Flammkuchen und Currywurst. Bei Letzterer wird die Mischung aus Imbiss und Grand Cru auf die Spitze getrieben. Die Wurst wird aus einer Wiesbadener Metzgerei geliefert, kostet 8,50 Euro und kommt entweder mit „Feenstaub-Topping“ (Blüten, rosa Pfeffer, Goldstaub) oder „Perle des Orients“-Topping (Puffreis, Chiliflocken, lila Basilikum, Kaffee). Eine bunte Tüte also – im wahrsten Sinne des Wortes, doch die Qualität der Gerichte stimmte bei unseren Besuchen. Das hat sich offenbar auch rumgesprochen. Reservierungen sind zu empfehlen, vor allem freitags und sonnabends.

Vermutlich hat auch ein TV-Auftritt von Fried und seinem Team dazu beigetragen. In der Kabel-1-Show „Mein Lokal, dein Lokal“ hat er vor einem Jahr um die Wette gekocht – und gewonnen. Danach seien sogar Gäste aus Bochum angereist.

Manchmal geht die Fantasie mit der Küche durch. Den Kokosschaum auf der sonst kernigen Rote-Bete-Suppe (7,50 Euro) brauchte es nicht, zumal er ohnehin geschmacksneutral war. Und die Zimtchips bei der zarten Tonkabohnencreme (8 Euro) waren zwar angekündigt, wir konnten sie aber auf dem Teller nicht finden. Es stellt sich heraus, dass sie schlicht vergessen wurden. Doch wir bekommen eine Nachlieferung und fühlen uns an selbst gemachte Frühstücksflocken erinnert.

Auch anders und gelungen sind die Süßkartoffel-Pommes, zu denen besonders gut die Wasabi-Mayonnaise passt. Beides begleitet den Burger aus Wagyu-Rind (19,50 Euro). Großes Stück Fleisch, saftig gebraten auf einem Laugenbrötchen, mit Camembert, Feld- und Krautsalat.

Während die Gerichte vor Fantasie nur so sprühen, bewegt sich das Leinegold beim Wein auf grundsolidem Gelände. Bei den offenen Tropfen gibt es zum Beispiel einen Montepulciano (0,2 Liter für 4,50 Euro), der kaum auffällt. Und der weiße Rivaner „Bruderliebe“ (0,2 Liter für 7 Euro) überrascht auch nur bedingt.

Aber gegen die bunten Teller käme wahrscheinlich kein Wein an.     

Restaurant an der Königsstraße

Mein Fazit:  Aus Prinzip anders –
im Leinegold gibt es 
etwas zu entdecken.     

Leinegold
Königstraße 53, 
30175 Hannover
Telefon: (05  11) 3 88 96 54
www.leinegold.com
Geöffnet: Montag bis Freitag ab 17 Uhr, Sonnabend ab 18 Uhr,
Sonntag geschlossen
17 bis 18 Uhr offene Weine für 2,50 Euro,
22 bis 24 Uhr Cocktails für 4 Euro     

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