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Blattschuss!

Kostprobe „Lindenblatt“ Blattschuss!

Das Lokal ist nicht weniger als eine Entdeckung, die das Zeug zum Hit hat. Erklärtes Konzept von Lindenblatt-Betreiber Ferdi Simsek: Hochwertiges Essen zu bezahlbaren Preisen.

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Pfiffige Pfifferlinge

Fein soll’s sein: Mesut Simsek (l.) und Küchenchef Florian Niemeyer.

Quelle: Thomas

An einem kühleren Sommerabend stromern wir durch die Limmerstraße. Der Plan: Irgendwo ein Glas Wein trinken, dazu einen Happen essen, nett sitzen und plaudern. Schließlich landen wir vor dem Lindenblatt – und zaudern. Die Vorgängerkneipe haben wir in nicht allzu guter Erinnerung, und wer weiß, ob sich hier mehr als nur der Name verändert hat…

Erklärtes Konzept von Lindenblatt-Betreiber Ferdi Simsek: Hochwertiges Essen zu bezahlbaren Preisen.

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Gut, dass wir es gewagt haben. Das Lokal ist nicht weniger als eine Entdeckung, die das Zeug zum Hit hat. Vom düsteren Ambiente ist nichts geblieben. Helles Holz, gerade Linien und eine prachtvolle Bar in Minttönen dominieren den Raum, der auf zwei Ebenen rund 80 Gästen Platz bietet. Eine Wand zieren schön gerahmte historische Linden-Fotos, flankiert von einer gereimten Liebeserklärung an den Stadtteil – wunderbar, hier fühlen wir uns gleich zu Hause.

„Lindenblatt“

Limmerstraße 20
30451 Hannover

Telefon
(05 11) 45 00 88 08
www.lindenblatt-linden.de

Geöffnet
Montag bis Freitag von 9 bis 2 Uhr,
Sonnabend von 10 bis 3 Uhr,
Sonntag von 10 bis 1 Uhr
Preiskategorie
moderat bis gehoben

Die umfangreiche Barkarte listet neben zahlreichen Cocktails, Wein und Bier auch rund 20 Sorten Gin, ebenso viele Rummarken und viele auch hochwertigste Whiskynamen auf. Die Speisekarte hingegen ist eine angenehm übersichtliche Angelegenheit. Eine wöchentlich wechselnde Mittagskarte bietet für jeden Tag zwei Gerichte, davon je eines vegetarisch. Die Hauptspeisekarte umfasst ein festes Sortiment von Suppen und Salaten über Burger bis hin zu Pasta. Ergänzt wird das durch saisonale Gerichte. Da es schon später am Abend ist, widerstehe ich mühsam all den Verlockungen und bestelle eine Salatvariation mit Mais­poulardenbrust (9,50 Euro). Meine Begleiterin zeigt sich noch bescheidener und ordert lediglich eine Portion Bruschetta (4 Euro). Der freundlich-lockere, zugleich aber wohltuend professionelle Kellner rät mir dann zum chilenischen Merlot von La Perla (3,90 Euro für 0,2 Liter), was sich als gute Wahl erweist.

Als der Salat serviert wird, staune ich nicht schlecht. Erwartet habe ich die übliche Kneipenmischung, bekomme jedoch eine Komposition, die in jedem besseren Restaurant der Stadt angenehm aufgefallen wäre. Eine große Halbkugel aus sorgfältig verlesenen Blattsalaten, gemischt mit Paprika­stückchen, ein wenig Lauch und Tomate ist mit genau der richtigen Menge köstlichen Honig-Senf-Dressings aromatisiert. Daneben liegt frisch gebraten und in drei appetitliche Stücke zerteilt die Poulardenbrust, noch warm und pikant gewürzt. Knusprig-saftiges Zwiebelbaguette und ein paar Tupfer Himbeerdressing auf dem Tellerrand vervollkommnen das Arrangement. Ich bin baff: So viel Raffinesse hätte ich hier nicht erwartet. Geht hier womöglich gerade ein neuer Stern am gastronomischen Firmament auf?

Neugierig geworden, beraume ich ein paar Tage später den zweiten Besuch an – und siehe da: Das Niveau vom ersten Mal wird nicht nur gehalten, sondern locker noch getoppt. Der Brotsalat mit Schmorgemüse (6,50 Euro) überzeugt mit würzigen, frisch gerösteten Brotwürfeln auf einem Bett von feinst gewürfeltem, gerade eben noch bissfestem Gemüse. Richtig ins Schwärmen gerate ich aber angesichts des Hauptgangs. Das Filet vom Allgäuer Milchkalb (21,50 Euro), drei rosa gebratene, butterzarte Stücke, bekommt durch die Pfifferlinge in zum Glück sahnefreier, aromatisch-dunkler Soße den richtigen Rahmen. Der schön kartoffelige Serviettenknödel, der in Butter aufgebraten dazu gereicht wird, taugt prima, um auch die letzten Tropfen der feinen Soße aufzutupfen. Meine Mitstreiterin lobt ihre Currysuppe mit Flusskrebs (6,50 Euro) ebenso wie das Thunfischsteak (18,50 Euro) – rosa gegrillt und mit feuriger Salsa verfeinert.

In der Nachrecherche klärt sich dann das Geheimnis dieser Kochkunst: Am Herd steht Florian Niemeyer, der zuvor in Norbert Schus Insel kochte. Unterstützt wird er unter anderem von einem Jungkoch aus der Olen Deele in Burgwedel.

Das alles ist kein Zufall, sondern erklärtes Konzept von Lindenblatt-Betreiber Ferdi Simsek. „Wir haben vor, qualitativ hochwertiges Essen zu bezahlbaren Preisen anzubieten“, sagt er. Im Stadtteil Linden glaubt er dafür den richtigen Ort gefunden zu haben. Und die Rechnung scheint aufzugehen: Seit der Eröffnung im März läuft es rund, nun gilt es, den selbst gesetzten Standard zu halten. Da drücken wir gern die Daumen – nicht zuletzt aus ganz egoistischen Motiven.

Mein Fazit: Bestes Essen, faire Preise – und nur ein klitzekleines bisschen gentrifiziert.

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