Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 1 ° wolkig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
So schmeckt das Essen im Pier 51

Kostprobe So schmeckt das Essen im Pier 51

Der Ausblick im Pier 51 ist toll, keine Frage. Doch kann das Essen im Restaurant mit Maschseeblick da mithalten? Unser Autor wurde mehrfach überrascht - positiv und negativ. Unsere Restaurantkritik.

Voriger Artikel
Karneval am Küchenherd
Nächster Artikel
Wie gut sind Koch-Apps wirklich?

Irina Schilin wirbt mit „einzigartiger Perspektive über dem Maschsee“ und „anspruchsvoller Küche“. 

Quelle: Jan Philipp Eberstein 2017

Hannover. Es ist eine Floskel, keine Frage, aber man kommt nicht drum herum, es so zu formulieren: Ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Ein blauer Himmel wird durchwoben von einem feinen Wolkenschleier. Die Sonne strahlt und schillert uns von vereisten Bäumen entgegen. Auf dem zugefrorenen Maschsee stehen Möwen auf der Eisfläche und tun, ja, was immer Möwen in Hannover auch stehend auf einer Eisfläche so tun. Sieht jedenfalls schön aus. Idyllisch.

Das Pier 51 am Maschsee beeindruckt vor allem mit seinem Ausblick. Kann das Essen da mithalten?

Zur Bildergalerie

Wir schlendern das Rudolf-von-Bennigsen-Ufer entlang und betreten in Hochstimmung den Glasbau des Pier 51. Obwohl es kurz vor 12 Uhr an einem Sonnabendmittag ist, bemerken wir den anlaufenden Betrieb. Gäste trampeln sich im Eingangsbereich auf die Füße, während Elektrogedudel von Deckenlautsprechern herabpoltert. Aber egal, wir haben ja reserviert, sind gut drauf und werden von der höflichen Servicekraft an einen Tisch in der Mitte des Restaurants gebracht, womit wir frontal in der prallen Sonne sitzen.

Wir nehmen Platz und studieren mit zugekniffenen Augen das Menü, zücken irgendwann unsere Sonnenbrillen und finden das in dem Moment noch irgendwie witzig: Haha, wir sitzen mit Sonnenbrille im Restaurant. Dann wird uns allmählich warm. Bevor wir nach einem anderen Tisch fragen können, sind die wenigen, etwas schattigeren Plätze mit Laufkundschaft besetzt, weswegen wir die Mitarbeiterin bitten, die Markise auszufahren. Es gebe keine Markise, werden wir knapp, aber nett aufgeklärt.

Ein Sonnenplatz an einem wunderschönen Tag in einem guten Restaurant? Ist das hier also der Kritikpunkt? Ja. Das ist er. Einer davon. Und wir sind auch nicht glücklich damit, aber zwischen Vorspeise und Hauptgang hat unsere Gesichtsfarbe zu Kirschrot gewechselt. Vom Service: keine Reaktion, auch nicht am Nebentisch, wo eine Dame in Wollpulli stöhnt. Dabei gäbe es genügend Möglichkeiten, das Missempfinden des Gastes kurz aufzugreifen. So wirkt es achtlos. Und das ist nicht schön.

Nicht überwältigend ist leider auch die erste Vorspeise. Die feine Note eines gut abgehangenen Fleischs bildet das Rückgrat jedes Carpaccios, das nur mit wenigen Aromen untermalt werden muss. Im Pier 51 können wir keine nennenswerte Fleischqualität ausmachen. Erstens. Zweitens wird das Gericht mit Olivenöl, durchschnittlichem Balsamico, Pinienkernen und Hartkäse serviert. Wobei Letzterer nicht als dezentes Gewürz eingesetzt wird: Ein beachtliches Häufchen Käseraspel kratzen wir vom Fleisch, bevor wir zu essen beginnen.

Farbenfrohes Gekringel

Der folgende „Rucolasalat mit angemachtem Ziegenkäse“ kommt unerwartet üppig daher: Da finden sich Kresse, Sprossen, Gurkenstückchen, Paprikawürfel, Karotten- und Rote-Bete-Spiralen auf dem Teller. Irgendwann beißen wir auch auf ein Radieschen. Wir entdecken einen ordentlichen Klecks Tomatenmarmelade und einige Spritzer Balsamico-Creme. Bei so viel farbenfrohem Gekringel und Gekräusel vergessen wir fast, was wir bestellt hatten. Nämlich Rucolasalat. Und Ziegenkäse. Ist beides natürlich vorhanden. Der Ziegenfrischkäse hat allerdings eine leichte Bitternote, die wir nicht zuordnen können. Manche Blättchen des Rucolasalats sind welk und eingefallen. Das süßliche Dressing ist etwas zu ölig, aber das ist alles noch kein Beinbruch. Der Aromawust aus Salat, Gemüse und Soßen schmeckt am Ende ganz okay. Nur Ziegenkäse und Rucola verblassen im Hintergrund. Und das war es, was wir bestellt hatten.

Herausragendes Hühnchen

Wir arrangieren uns schon mit der Mittelmäßigkeit der Küche, dann wird die Maishähnchenbrust serviert: Zuerst steigen uns warme Aromen von Rosmarin und Thymian in die Nase, getragen von dem verheißungsvollen Duft kräftiger Soße. Die Haut des Geflügels ist knusprig, das Fleisch zart und saftig. Die kräftige Jus hat Tiefe und Substanz und wird von einer weiteren Kräutersoße auf Sahnebasis kontrastiert, die etwas Säure und Frische beisteuert. Da sehen wir sogar gerne über die Gnocchi hinweg, die hochwertige Fertigware sind, denn das ist ein Gericht, das richtig Freude macht. Wir schwelgen. Und sind verwirrt. Mittelmaß?

Zwei Wochen verstreichen. Wir kommen noch einmal nach Sonnenuntergang. An einem Abend unter der Woche. Wirklich gut schmeckt uns das „Sauerfleisch von der Ente mit Kräuter-Crème-fraîche“. Nicht schmeckt uns das gehaltvolle „Risotto mit Avocado, Chili und Riesengarnelen“, in dem eine intensive Knoblauch- und Käsenote alles andere übertüncht. Der Chili kann da nur wenig ausbalancieren, die Garnelen sind in Ordnung, die Avocado geht völlig unter.

Wir erkundigen uns zum Schluss beim Service, was zu der Dessertvariation gehört. Die Antwort muss zuerst in der Küche eingeholt werden, dann werden wir in Kenntnis gesetzt. Zumindest grob, denn die (durchweg freundlichen!) Servicekräfte scheinen bei den beiden Besuchen keine tiefere Kenntnis über (die profilierte) Weinauswahl und das Menü zu haben. Das toll arrangierte Dessert besteht dann auch nicht aus drei, sondern aus sechs süßen Schmankerln.

Die Hälfte davon schmeckt sehr gut - ein Schnitt, der fast für die Gesamtbewertung spräche, wäre da nicht dieses herausragende Maishühnchen gewesen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Restauranttests

Lust auf ein gutes Restaurant in Ihrer Nähe, aber noch keine Idee welches es sein soll? Lassen Sie sich inspirieren: Hier finden Sie die HAZ-Restauranttests übersichtlich auf einer Karte.

Diese Unkräuter sind essbar

Unkraut: Was für den Gärtner ein Ärgernis ist, aus dem kann der Koch Leckeres zubereiten.

Eine Auswahl der schönsten Biergärten in der Region Hannover – mit Foto, Öffnungszeiten und Preisen.

Wann finden in Hannover die Wochenmärkte statt? Eine Übersicht mit allen Märkten in den Stadtteilen.