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So schmeckt es im Restaurant Prager Hof

Finkbeiners Kostprobe So schmeckt es im Restaurant Prager Hof

Im Restaurant Prager Hof im Zooviertel werden Böhmische Spezialitäten in Aussicht gestellt. Unser HAZ-Feinschmecker Hannes Finkbeiner hat dies zum zweiten Mal getestet, trotzdem konnte das Essen und der Service auch diesmal nicht ganz überzeugen. Unsere Restaurantkritik.

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Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover . Es ist Sonntag, und wir haben Lust auf Braten. Mit viel Soße und Knödeln. Unsere Wahl fällt auf den Prager Hof im Zooviertel: Böhmische Spezialitäten werden in Aussicht gestellt. Am Telefon werden wir von einem Mann freundlich darauf hingewiesen, dass das Lokal schon komplett ausgebucht sei. Wenn wir aber ein paar Minuten vor der offiziellen Öffnungszeit kämen, könne man uns einen Tisch für eine gute Stunde anbieten – das ist doch mal ein toller Auftakt!

Im Lokal indes werden wir grußlos von einem Mitarbeiter in Empfang genommen. Von Höflichkeit ist nichts mehr zu spüren – ist das derselbe Mann wie am Telefon? Wir können es uns beim besten Willen nicht vorstellen. Stört ihn, dass wir vor der offiziellen Eröffnung gekommen sind, wurde er nicht darüber informiert? Wir nennen unseren Namen. Er ist im Bilde. Und weist uns einen Tisch mit den Worten „bis 13 Uhr“ zu. Kein weiterer Ton, kein Lächeln, kein Augenkontakt, uns wird sprichwörtlich die kalte Schulter gezeigt.

Das Restaurant Prager Hof liegt im Zooviertel. HAZ-Feinschmecker Hannes Finkbeiner war bereits zum zweiten Mal zu Besuch, doch auch dieses Mal konnte das Restaurant nicht überzeugen. 

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Wir bestellen zur Vorspeise einen Wurstsalat (5,50 Euro), abgeschmeckt nach „altböhmischer Art, mit Essig und Zwiebeln“, was für uns in diesem Moment wenig bedeutet. Es gibt schließlich mehrere Varianten des Gerichts: Schwäbischen, Straßburger oder Schweizer Wurstsalat, allesamt mit Essig und Zwiebeln angemacht. Im Prager Hof ist die Umschreibung wörtlich zu nehmen. Wir bekommen den Wurstsalat, wie er in Prager Kneipen in den frühen Morgenstunden auf den Tresen kommt: Scheiben Schlesischer Brühwurst mit Essig und rohen Zwiebeln.


Kein Pfiff im Wurstsalat

Wir schieben die Wurstscheiben etwas lustlos auf dem Teller hin und her. Der Speise wurde nicht einmal eine Prise Zucker zuteil, um Säure und Schärfe ein wenig in ihre Schranken zu weisen. Es wurde auch kein Senf und kein Öl hinzugefügt, um die Geschmäcker einzubinden. Es fehlt auch der Pfiff: Essiggurke oder wenigstens Pfeffer. Und es sind weder Ei, noch Tomate dabei – was ja gerne mit tschechischem Wurstsalat in Verbindung gebracht wird. Da kommen auch schon die Hauptgerichte.

Irritiert erklären wir, dass wir eigentlich auch noch eine Suppe bestellt hatten. „Habe ich nicht mitgekriegt“, erklärt der Kellner. Und da für ihn das Thema beendet scheint, hakt seine Kollegin nach, ob wir die Suppe vielleicht einfach nach dem Hauptgang essen möchten. Wir lehnen das Angebot ab und lassen bei dieser Gelegenheit auch den Wurstsalat abräumen. Warum der Teller noch halbvoll ist, scheint nicht von Bedeutung – jedenfalls fragt niemand nach den Gründen. Auch die Hektik wird nicht thematisiert, dabei ist gerade einmal zwölf durch, da könnten wir bis eins noch locker zwei Hauptgänge plus Dessert essen.

Beim Prager Topf (14,50 Euro) mit geschnetzeltem Schweinefilet, Champignons, Roquefortrahmsoße treiben Fleischstückchen in einer milchig-ausdruckslosen Soße. Dazwischen finden wir Dosenchampignons, die nun wirklich keinen Zweck erfüllen. Irgendein Käse ist auch dabei. Ob es wirklich Roquefort ist, wagen wir zu bezweifeln. Wir reden schließlich von einem maximal schimmligen Käse aus Schafsrohmilch. Selbst wenig macht sich eigentlich bemerkbar, schon im Geruch. Der dazu gereichte Salat besteht aus grob zerteiltem Gemüse. Wenn er vorab mariniert wurde, ist davon unter dem dicklichen Dressing (das uns an Fertigware erinnert) nichts mehr zu schmecken. Den Spätzle hätte etwas Muskat gut getan, sie sind aber am Ende der einzige Teil der Speise, der uns überzeugt.

Das Svicková (13,50 Euro) erweist sich zwar nicht als „Perle der Kochkunst“ wie in der Speisekarte deklariert, aber schmeckt ganz gut. Der Rinderbraten ist mürbe und zart, in der Gemüsesoße dominiert die Süße von Karotten, und die böhmischen Semmelknödel sind gut gemacht, bestehen allerdings (ganz klassisch) aus Mehl, Wasser und Ei – der einzelne Schwarzbrotcrouton, der in einer Knödelscheibe steckt, wirkt wie ein Versehen. Aber es schmeckt. Und nicht nur uns: Am Nebentisch sitzen sechs glückliche, ältere Herren, trinken frisch gezapftes Bier und schwärmen von dem zarten Braten.

Immerhin: Das Lokal ist voll

Beim zweiten Besuch ist das Restaurant wieder gut besucht, was eigentlich mehr über die Qualität eines Lokals aussagt, als eine Kritik es kann. Wir probieren zuerst die Leberknödelsuppe (3 Euro). Und es ist wirklich ärgerlich: Die Klößchen sind von fester Struktur, und – wenngleich der Leberanteil sehr im Hintergrund bleibt – gut abgeschmeckt. Die Brühe hat Kraft und Ausdruck und zeigt uns das erste Mal, dass da wirklich jemand am Herd steht, der etwas vom Kochen versteht. Dummerweise ist die Brühe zu salzig. Nicht versalzen, nur zu salzig. Was bei Brühen gerne passiert: Über mehrere Tage immer wieder aufgewärmt und über die Servicezeiten warm gehalten, nimmt der Flüssigkeitsanteil stetig ab, der Salzgehalt steigt, weswegen gegebenenfalls verdünnt werden muss.

Dasselbe Problem erwartet uns dann aber auch beim Gewürfelten Schweinefleisch mit Majoran und Kümmel mit Natursoße, Sauerkraut und Semmelknödeln (11,80 Euro). Es ist zum aus der Haut fahren: Das milde Sauerkraut, mit Speck und Kümmel verfeinert, schmeckt hervorragend. Das Fleisch ist teilweise saftig, teilweise sehr trocken geschmort. Die Soße riecht sehr gut, aber ist eben: zu salzig. Viel zu salzig, sodass es auf der Zunge schon leicht kribbelt und wir nach einer Weile aufgeben. Ob es nicht geschmeckt habe, fragt die recht höfliche Mitarbeiterin. Sehr salzig, erklären wir. Die Dame murmelt eine Entschuldigung und zuckt dabei mit den Schultern. Das war’s dann auch.  

Hannes Finkbeiner  

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