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Fachwerk, Fleisch und frische Pasta

Kostprobe Fachwerk, Fleisch und frische Pasta

Nach 35 Jahren hat das Restaurant und die Weinstube Am Rathaus seinen Betreiber gewechselt. Der Neue heißt Willem Kucharzik und bekochte mit seiner Cateringfirma schon zahlreiche Musiker hinter der Bühne, darunter David Garrett und Kim Wilde. Zeit für eine Kostprobe von Susanne Bauch.

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Ein Hauch von Pop-Business in Ahlem: Willem Kucharzik hat schon David Garrett, Anna Netrebko, The BossHoss, Heino, Sean Paul und Kool & The Gang bewirtet.

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Das Fachwerkhaus liegt direkt an der Wunstorfer Landstraße, den Verkehr vor der Tür haben im Winter vor allem Raucher fest im Blick: Für sie wurden eine Bank und ein Fässchen aufgestellt. 35 Jahre lang hat Familie Nöthel – bereits in zweiter Generation – das Restaurant geführt. Im Sommer war Stabübergabe. Da den ehemaligen Wirtsleuten aber das ganze Haus gehört und sie in der ersten Etage auch wohnen, behalten Karl und Birthe Nöthel ihre kulinarische Wirkungsstätte sowie ihren Nachfolger ganz automatisch im Blick.

Frische Bodenständigkeit in rustikalem Rahmen erwartet die Gäste im Restaurant und Weinstube am Rathaus in Ahlem.

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Der Neue heißt Willem Kucharzik und bekochte mit seiner Cateringfirma Batcafé schon zahlreiche Rockmusiker hinter der Bühne – darunter David Garrett, Anna Netrebko, die Einstürzenden Neubauten, Kim Wilde, John Cale und Heino. Als Tourneekoch war er mit Paul Panzer und Heinz Rudolf Kunze unterwegs. Nun steht er in Ahlem am Herd, dort, wo die Anwohner keine allzu große Auswahl in Sachen Restaurants haben. Seit Jahrzehnten wird hier frische und regionale Küche angeboten. Vom Strammen Max, Matjesfilet, VW-Currywurst über Ziegenkäse-Ravioli – mit frischer Pasta aus der hannoverschen Nudelmanufaktur Rossini – bis zur klassischen Rinderroulade aus dem gusseisernen Schmortopf ist viel Deftiges auf der Karte zu finden. Doch auch Sellerieschnitzel, Salate und Käsespätzle gehören zum ausgewählten Angebot. Verwendet werden vorzugsweise Produkte aus der Nachbarschaft und von den umliegenden Märkten. Auf Geschmacksverstärker verzichtet Betreiber Kucharzik ausdrücklich.

Der erste Besuch fällt auf einen Sonnabendabend. In der Wirtsstube – eigentlich gibt es derer zwei – sind fast alle Plätze belegt. Wer das Restaurant betritt, steht direkt an der Theke, eine Essensbestellung ist hier definitiv nicht Pflicht. Ein paar Stufen höher stehen vier Tische in eher nüchterner Kneipenatmosphäre, das Fachwerk-Ambiente entfaltet sich in der zweiten Stube, deren bäuerliche Details sie weitaus gemütlicher wirken lassen. Die Karte ist vertrauenserweckend überschaubar, die Tagespreise für frisches argentinisches Rinderfilet stehen auf einer kleinen Tafel auf dem Tisch: diesmal 10,90 Euro pro 100 Gramm. Dazu gibt es wie zu allen Fleischgerichten einen knackigen Vorspeisensalat und wahlweise Bratkartoffeln, Pommes oder Kroketten. Bevor es dazu kommt, dauert es allerdings  – und zwar geschlagene eineinhalb Stunden. Nach gefühlten 60 Minuten erreicht uns ein Brett mit appetitlichen angerichteten, selbst gebackenen Brotscheiben plus Schmalz und Gurke. Das Brett ist in einer Minute leer.

Das lange Warten hat sich dennoch für (fast) alle gelohnt. Serviert werden ein perfekt auf den Punkt gebratenes Batamog (14,50 Euro) – zwei Schweinefilets mit Palmenherzen, Curry-Sambal-Soße und gebratenen Bananen, die vom Chef persönlich am Tisch flambiert werden. Meine Mitstreiter haben das zarte Rinderfilet samt dankenswerterweise kaum fettigen Bratkartoffeln sowie Kalbsleber nach Berliner Art mit Kartoffelkroketten, Zwiebeln und Apfel (15 Euro) gewählt. Die Fleischportion ist allerdings recht dürftig ausgefallen, das Fleisch zudem sehr sehnig. Obwohl die Portion klein ist, bleibt einiges übrig. Die freundliche Bedienung ist etwas ratlos. Der Abschluss fällt weihnachtlich üppig und sehr lecker aus: gratinierte Zimtorangen mit Cointreau (4,50 Euro), die lange vorhalten.

WEITERE INFOS

Restaurant und
Weinstube Am Rathaus
Wunstorfer Landstraße 58, 30453 Hannover,
Telefon (05 11) 56 37 46 51;
www. restaurantamrathaus.de
Geöffnet mittwochs bis sonnabends 18 bis 22 Uhr,
sonntags 11 bis 14 Uhr.

Der zweite Besuch ist rundherum ein bodenständiger Genuss: Zum Auftakt Brot mit Quark, dann Rinderroulade aus dem Schmortopf – mit Paprika zubereitet ein schmackhaftes Stück Neuland (14,50 Euro). Die Pommes dazu sind hausgemacht und haben vom Kartoffelgeschmack nichts verloren. Außerdem bestellen wir ein Schnitzel (12,50 Euro) ganz klassisch mit frischen Champignons und wieder schön kartoffe­ligen Kroketten. Dass diesmal alles ganz schnell geht, liegt daran, dass wir die einzigen Gäste sind – etwas schade, weil es so allein an Atmosphäre fehlt. Dafür gönnen wir uns einen Nachtisch mit zwei Löffeln: Himbeerparfait (5,50 Euro). Das Halbgefrorene ist nicht zu süß und schmeckt ausgezeichnet frisch, allein die Himbeeren hätten etwas angetauter sein dürfen. Zum Abschluss gibt es einen Grappa aufs Haus, den wir nach dem reichhaltigen Hauptgang auch durchaus gebrauchen können.

Der Kneipencharakter des Restaurants am Rathaus hat trotzdem nicht dazu verleitet, hier nur Bier zu trinken. Weinkenner dürfen sich über eine umfangreiche Weinkarte freuen, wir probieren den Nero D’Avola für 4,80 Euro pro 0,25-Liter-Karaffe. Die Gäste müssen in Ahlem allerdings Bargeld mitbringen: Es gibt weder Kartengeräte noch eine Computerkasse für den elektronischen Kassenbeleg. Neben einem Biergarten – wo dann in der milderen Jahrezeit auch jenseits der Straße geraucht werden kann – verfügt das Restaurant am Rathaus übrigens über Räume, die für Feiern zu mieten sind – das Catering ist dann Teil des Konzepts.

Mein Fazit:

Frische Bodenständigkeit in rustikalem Rahmen.

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