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Ach du lieber Scholli

Kostprobe im Wirtshaus Wildhäger Ach du lieber Scholli

Auf der Speisekarte stehen Gerichte wie Zickenalarm, Specki oder Ach du lieber Scholli. Die Rustikalkomik verwirrt zunächst, aber die Küche im Wirtshaus Wildhäger in Garbsen ist einfach famos, findet unser Restauranttester Ronald Meyer-Arlt.

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Das Team des Wirtshauses: Marleen Borges (v. l.), Johannes Lühmann, Jeremy Derin, Yill Wegener und Marie Hennen.

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Zünftig soll’s zugehen im Wirtshaus und lustig soll’s sein. Deshalb tragen die Damen vom Service rotweiß karierte Hemden, deshalb hängen handbemalte Schützenscheiben an den Wänden, und deshalb verzeichnet die Speisekarte Gerichte wie Zickenalarm (Feldsalat mit Ziegenkäse), Specki (Flammkuchen mit Speck und Zwiebeln) oder Ach du lieber Scholli (Kutterscholle mit Kartoffelsalat). Currywurst gibt es auch. Die wird hier TSV-Curry genannt.

Die Rustikalkomik und der Kneipencharme verwirren zunächst. Denn empfohlen wurde uns das Wirtshaus Wildhäger in Garbsen nicht als urige Eckkneipe, sondern, nun ja: als Gourmetrestaurant. Die Küche soll richtig gut sein, hieß es, gutbürgerliche Küche neu interpretiert, hieß es, und das alles bei überraschend günstigen Preisen.

Rustikal und komisch geht es im Wirtshaus Wildhäger in Garbsen zu. Und lecker ist es dort auch. Fotos aus dem Restaurant.

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Erwartung und Wirklichkeit, so schien es zu Beginn unseres ersten Besuchs im Garbsenener Wirtshaus Wildhäger, klaffen wohl manchmal weit auseinander. Wir hatten reserviert, und obgleich es noch einige andere freie Tische gab, wurde uns der Tisch gleich neben dem Gang zur Toilette zugewiesen. Das Besteck muss man sich selbst aus einem klobigen Holzkasten zusammenkramen, der auf dem Tisch steht. Fischmesser sind nicht vorhanden. Die Tischdecke ist nur ein Zierdeckchen, die Teller stehen auf dem lackierten Holz der Wirtshaustische, und die Servietten sind aus Papier. Ach du lieber Scholli. Meine Begleitung guckt irritiert. Haben wir hier gleich Zickenalarm?

Ganz und gar nicht. Das Wirtshaus Wildhäger verblüfft zwar anfangs mit seinem rustikalen Imbisscharme und seiner Witzbudenattitüde, auf den ersten Blick wirkt es ein bisschen wie eine dieser verkehrsgünstig an Bundesstraßen gelegenen Abfütterungsanlagen für Monteure, Vertreter und Berufskraftfahrer. Aber das ist nur ein flüchtiger erster Blick. Im Grunde ist es ganz anders. Der Kneipencharme ist nicht alt und urig, sondern neu und Teil des Konzepts. „Ich wollte mal wieder eine richtige Kneipe haben“, sagt Inhaber Volker Lühmann, der in Garbsen auch das Landhaus am See betreibt.

Die Adresse

Wirtshaus
 Wildhäger
Hannoversche Straße 45
30823 Garbsen
Telefon: (0 51 37) 87 49 06 40

Geöffnet: Montag bis Sonnabend 17 bis 23 Uhr (Küche bis 22 Uhr), Sonntag 12 bis 14.30 und 17.30 bis 22 (Küche bis 21 Uhr). Montag und Dienstag Bistrotag mit kleiner Karte.
Preiskategorie: moderat     

Seit sechs Jahren hat er eine Kneipe. Und was für eine. Eine Edelkneipe. Das erkennt man auch am antiken Mobiliar. Und auch daran, dass in der Speisekarte eine „Weinwanderung“ entlang der Nahe angeboten wird. Und dann kommt als Gruß aus der Küche zweierlei frisches Brot und Quark mit Schnittlauch auf den Tisch, und schon verschiebt sich alles doch wieder ein bisschen Richtung Gourmet.

Und ja: Die Holzvertäfelung könnte wahrhaftig auch aus einem Bistro in Brüssel oder Paris stammen. Hat man einen Tisch reserviert, findet man seinen Namen auf einer kleinen Kreidetafel wieder, die auf dem Tisch steht. Das mag datenschutzrechlich etwas bedenklich sein, hat aber doch einen gewissen Charme.

Den hat auch die Creme vom Staudensellerie mit Parmesanklößchen (für 4,90 Euro). Die Parmesanklößchen (die Küchenchefin Yill Wegener ganz schlicht aus Semmelbrösel, Ei und Parmesan fertigt) sind eher Parmesanklöße, lassen sich aber leicht mit dem Löffel teilen und korrespondieren aufs Angenehmste mit der leichten Bitterschärfe des Selleries. Ein gelungener Start. Die geschmorte Poularde in Nahe-Rotwein mit Steinchampignons und Perlzwiebeln mit Rösti und Salat (13,80 Euro) schwamm in einem beachtlichen Soßensee. Für die Rösti war das Übermaß an Soße zwar nicht so gut, aber die Soße selbst war von angenehmer Konsistenz, gekonnt abgeschmeckt und reich an Entdeckungsmöglichkeiten: Möhrenstücke, Zwiebelchen, ja, auch Nüsschen wurden mitgekocht.

Suppe und Huhn finden sich auf der Sonderkarte für die Weinwanderung an der Nahe. Leider wurden die korrespondierenden Weine (von den Weingütern Korell und Hexamer) nicht in 0,1-Gläsern angeboten. Aus unerfindlichen Gründen liegt die Mindestabgabemenge für jede Station dieser Weinreise bei 0,2-Litern pro Glas. Eine genussvolle Entdeckungsreise ist so eigentlich nicht möglich. Eine Entdeckung immerhin war drin: ein Spätburgunder vom Weingut Hexamer aus dem Jahr 2015. Erstaunlicherweise kam hier kein Rot-, sondern ein Weißwein auf den Tisch. Es handelt sich um einen Blanc de Noir, einen Weißwein, der aus Rotweinsorten gekeltert wird. Interessant. Und von der freundlichen Bedienung nett erklärt. Zum Abschluss gab’s eine gigantische und wunderbare Crème brûlée (für 4,50 Euro). Die Skepsis bei der Bestellung (Crème brûlée mit Kokos, ist das nicht ein Sakrileg?) wich schon beim ersten Löffel. Es war nur, als hätte die Crème gerade mal von einer Kokospalme geträumt. Und dieser Hauch von Kokos harmonierte hervorragend mit der Süße und dem zarten Vanillearoma der Créme.

Wie der Wein lehrt auch die Créme: Ausprobieren lohnt sich. Und der Wildhäger hat hier einiges im Angebot.     

Das Fazit

Wirtshaus ist auch nur ein Name. Freundlicher Service. Richtig gute Gerichte für wenig Geld.     

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