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Chatschapuri! Gesundheit!

Kostprobe in der Trattoria Paganini Chatschapuri! Gesundheit!

Authentisch italienisch, aber jeden Donnerstag geht es nach Georgien: die Trattoria Paganini in der Königstraße überzeugt mit eigensinnigem Einrichtungscharme und gutem Essen.

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Heute italienisch: Chefkoch Luigi Abate (genannt: „Gino“) serviert Wildgulasch mit Pappardelle.

Quelle: Michael Wallmüller

Hannover. Diese Wände! Werfen die Blasen? Wie eine Grotte des schlechten Geschmacks ist die Trattoria Paganini von innen gestaltet. Lauter Knubbel recken sich dem Gast entgegen, fast jede Wand hier ist eine Art Kopfsteinplaster aus Gips. Was einst wohl dazu gedacht war, den Eindruck von Gemütlichkeit zu erzeugen (Kachelofen? Bällebad?), kann auch beunruhigend wirken – hat die Wand Pickel? Und dann diese Speisekarte! Dünn und abgegriffen. Na, das kann ja was werden!

Wurde es dann auch. Aber ganz anders als gedacht. Das fing schon mit dem unerwarteten Gruß aus der Küche an. Zum warmen Brot gab es nicht nur gutes Olivenöl und Salz, sondern auch ein bisschen gebratenes Gemüse und ein paar Salamischeiben. Sehr nett. Dazu passte der angenehm zurückhaltende Lugana (fünf Euro das Glas), der später auch gut mit der Pizza Caprese harmonierte. Zu der gehören neben Sardellen und Kapern auch Oliven, die waren aber – einem überraschenden Gästeansturm in den frühen Abendstunden geschuldet – schon ausgegangen. Die freundliche Bedienung teilte den Olivennotstand unaufgefordert und mit hörbarem Bedauern mit.

Authentisch italienisch, aber jeden Donnerstag geht es nach Georgien: die Trattoria Paganini in der Königstraße in der Kostprobe.

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Die Pizza (sieben Euro) war absolut in Ordnung, schön dünn der Teig, schön braun der Rand. Meine Begleitung vergnügte sich unterdessen mit einem Lachssteak, zu dem es ein paar Nudeln mit Knoblauch gab (14,50 Euro). Auch das: sehr gut. Herausragend aber war der Abschluss unseres ersten Besuchs: hausgemachtes Tiramisu. Das wurde frisch zubereitet und sehr großzügig portioniert. Wir bestellten eine Portion zum Teilen und hatten den Eindruck, mit einer doppelten Portion verwöhnt zu werden. Auf der Rechnung tauchte dann aber doch nur eine Portion auf (und zwar sagenhaft günstig: nur vier Euro).

Das Paganini ist ein bisschen mehr als die typische italienische Trattoria für die Nachbarschaft. Der nette Gruß aus der Küche, der frisch zubereitete Nachtisch und auch die einzelnen Baumwollhandtücher im Bad – hier bekommt der Gast mehr als man es von einer normalen Pizzeria so erwarten kann.

Und einmal in der Woche kann er auch etwas ganz anderes bekommen. Jeden Donnerstagabend nämlich verwandelt sich der Italiener in einen Georgier. Jedenfalls ein bisschen. Die meisten italienischen Gerichte gibt es weiterhin, aber eben auch georgische Küche. Das liegt an der Miranda Kokaia, die das Restaurant vor zwei Jahren übernommen hat. Sie stammt aus Georgien, kocht gern und kredenzt den Gästen jeden Donnerstag ein paar der Gerichte, deren Zubereitung sie von ihrer Mutter („meine Mama“ sagt sie und schaut nach oben) gelernt hat.

Die Vorspeise kommt auf zwei Tellern, einer leicht, der andere schwer. Auf dem leichten liegen hübsch angerichtet gebratene Auberginenstreifen mit Walnusscreme, pürierte Bohnen und Pilze in Knoblauch. Das sieht gut aus und schmeckt auch hervorragend. Begleitet wird der vegetarische Auftakt von einer Art aufgequollenen Käsepizza: ein warmer, vor Fett glänzender Teigbatzen, auf dem würziger Käse verläuft. Das ist etwas für Menschen, die schwere körperliche Arbeit verrichten; ansonsten kann ein Stück schon die Kalorienberechnung eines ganzen Tages zunichte machen. Aber: Es schmeckt toll. Man muss das mächtige Käseding ja auch nicht aufessen. Andererseits ist es aber auch schwer, sich zu beherrschen.
Die charmante Inhaberin verriet uns den Namen des gewaltigen Käsebrots: Chatschapuri. Man muss sich vorstellen, wie ein sehr dicker Mann das ausspricht – ungefähr so satt macht das. Chatschapuri spielt in der georgischen Küche eine wichtige Rolle, ebenso wie Badridschani, die Walnusspaste. Die war im Hauptgericht (das zusammen mit den Vorspeisen 15,50 Euro kostet) allerdings nicht zu finden: Es gab eine Art Rindergulasch, das angenehm scharf, aber nicht weiter spektakulär war.

Als es an die Bestellung des Desserts ging, musste die Chefin passen: Irgendetwas in der Küche war schiefgelaufen, der Kuchen halb verbrannt, die Chefin traurig: „Das kann ich nicht anbieten.“ Wir waren aber neugierig. Und drängelten ein bisschen. Und so wurde uns – begleitet von einem „Meinetwegen“ – doch ein Tellerchen gebracht. Der Kuchen war wirklich misslungen, aber das machte nichts: man fühlt sich hier wie zu Gast bei Freunden – da kann man auch schon mal verbrannten Kuchen probieren.     

Mein Fazit:  Nicht auf die Wände starren, sondern auf die Teller. Da liegt meistens Gutes drauf. Verwöhntrattoria mit Charme.     

Trattoria Paganini
Königstraße 25
30175 Hannover
Telefon: (05 11) 61 38 37 3

www.trattoria-paganini.de

Geöffnet: Dienstag bis Sonntags 12 bis 22 Uhr.
Preiskategorie: moderat     

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