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„Le Chalet“ bietet französische Küche mit Anspruch

Französische Küche „Le Chalet“ bietet französische Küche mit Anspruch

Für Freunde der französischen Küche ist das „Le Chalet“ in Vahrenwald die richtige Adresse. Das Team um Jürgen Wißmann serviert Küche mit Anspruch. Doch der wird nicht immer erfüllt.

Isernhagener Straße 21 30161 Hannover 52.38918 9.73781
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Umgesiedeltins "Le Chalet": Chef Jürgen Wißmann.

Vahrenwald. Für Freunde der französischen Kochkunst wird die Luft in Hannover immer dünner. Vor einigen Monaten scheiterte das „Le Monde“ am Friedrichswall, kürzlich verschwand das „Le Chalet“ von der Landkarte. Wobei diese Geschichte ein wenig komplizierter ist: Geschlossen ist genau genommen das „Au Camembert“ in der Lärchenstraße, denn dessen Team um Jürgen Wißmann siedelte um in die Räumlichkeiten des „Chalet“ in der Isernhagener Straße. Dessen tunesischer Betreiber Sami Ben Yaala wiederum will künftig mit Partyservice und Catering sein Geld verdienen.

Wo Chalet dransteht, ist tatsächlich also Camembert drin, und zwar in einem Nachkriegsbau mit durchaus uncharmanter Fassade. Innen hat sich bis auf ein wenig Farbkosmetik wenig geändert. Dunkles Gestühl vor hellen Wänden, dazu eine ebenfalls dunkle Holztheke – da tut der Farbakzent durch wechselnde Bilderausstellungen gut.

Bei unserem ersten Besuch an einem Mittwochabend haben wir das ganze Lokal für uns. Die überaus freundliche Bedienung umsorgt uns aber so aufmerksam, dass das die Leere im Saal fast wettmacht. Während wir die Karte studieren, bekommen wir zunächst sehr schmackhaftes Zwiebel-Speck-Brot und danach als Gruß aus der Küche ein Stückchen Quiche, was geschmacklich dem Brot recht ähnlich ist. Das Carpaccio vom Iberico-Schwein mit gebratenen Kräutersaitlingen (15,50 Euro), das mein Begleiter als Vorspeise verzehrt, ist einwandfrei. Gleiches lässt sich von meinem Spargelsalat mit Nordseekrabben (14,50 Euro) sagen: Die Aromen ergänzen sich sehr schön zu einer frühlingsfrischen Kombination.

Nicht ganz so begeistert bin ich vom Lamm auf Cognacrahm (23,50 Euro). Das Fleisch ist zwar von bester Qualität und auch meisterlich gebraten. Die Soße dazu macht aber einen recht dünnen Eindruck, und auch das Artischocken-Zucchini-Gemüse hätte meiner Ansicht nach etwas mehr Zuwendung gebraucht. Die Mischung aus fast rohen Zucchiniwürfeln und klein geschnittenen Artischockenböden ergibt so nicht viel Sinn. Die US-Beef-Medaillons auf Morchelrahm (26,50 Euro), die mein Mittester gewählt hat, liefern da schon ein stimmigeres Bild. Die feinwürzige Soße passt sowohl zum erstklassigen Fleisch als auch zum gebratenen Spargel, dem die Röstnoten richtig Pep verleihen.

Die „Dessertvariation“ (9,50 Euro) bietet dann ein wenig Mousse, ein wenig Parfait und insgesamt weder Anlass zu Jubel noch zu Kritik. Zur Käseauswahl (9,50 Euro) hingegen passt das Brot mit dem deftigen Speckzwiebel-Geschmack nun wirklich nicht.

Glücklicherweise ist diese Brotsorte beim zweiten Besuch einer mit angenehmer Currynote gewichen. Dieses Mal ist das Lokal etwa zur Hälfte besetzt, allerdings führt nicht die fürsorgliche Dame, sondern ein Kellner von äußerst rustikalem Charme das Regiment. Die aktuellen Angebote der Küche kennt der junge Mann ganz offenbar ebenso wenig wie die Grundregeln der gehobenen Gastronomie (und angesichts des Preisgefüges scheint sich das Chalet/Camembert durchaus diesem Segment zuzurechnen). Wo der Gast mit seinem Mantel bleibt, schert ihn nicht weiter, wo wir Platz nehmen und wie lange wir auf das erste Scheibchen Brot warten müssen, auch nicht. Als Gruß aus der Küche erhalten wir dann ein winziges Stückchen Mozzarella mit einer halben Kirschtomate und einem Tröpfchen Vinaigrette. Ein arg wortkarger Gruß und so bar jeder Raffinesse, dass es schon fast witzig ist.

Weniger witzig finden wir die sanitären Gegebenheiten: Dicht vor der offenen Tür zur Küche zweigt links von einem engen Gang die Tür zur Damentoilette ab. Wer diesen Ort wieder verlässt, läuft quasi ins offene Messer, das auf einer krümeligen Anrichte vom Brotschneiden kündet. Platznot in allen Ehren, aber das müsste auch anders zu regeln sein.

Wir trösten uns mit unserem Château Montlau (29,50 Euro) von Armand Schuster, einer schönen Cuvée aus Merlot und Cabernet Franc. Der Wein hilft auch gegen das arg salzige Aroma der Entenleberterrine (14,50 Euro). Von der Tageskarte wähle ich sodann das Steinbuttfilet mit Lachshaube (26,50 Euro). Hier hätte mehr von der exzellenten Hummersauce gut getan, denn der Fischdoppeldecker ist leider zu lange gegart und dadurch trocken geworden. Das süffige Trüffelrisotto versöhnt aber, genauso wie das feine Spargelgemüse.

Weil der Kellner sich nicht in der Lage sieht, auswendig die verfügbaren Desserts herzusagen, studieren wir erneut die Loseblattsammlung alias Speisekarte und landen wieder bei den „Variationen“. Die Hoffnung, vom Servicebeauftragten zu erfahren, was da im Einzelnen auf dem appetitlich dekorierten Teller liegt, wird erwartungsgemäß enttäuscht. So raten wir: Nougatparfait, Vanilleeis und – tja, Zabaglionemousse? Wer weiß. Sicher sind wir uns jedoch, dass fast zehn Euro dafür ein recht stolzer Preis sind. Unser Rat: Die Tarife deutlich senken oder die Leistung von Küche und Service deutlich erhöhen. Sonst könnten es Freunde französischer Küche bald noch schwerer haben in Hannover.

Das Restaurant "Le Chalet" in Hannover-Vahrenwald im Branchenführer der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

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