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Meteora

Griechische Küche Meteora

Es scheint, als durchlitten die Griechen gerade eine kollektive Identitätskrise – jedenfalls die Wirte unter ihnen. „Der etwas andere Grieche“, „Der innovative Grieche“, so nennen sie sich seit Kurzem. Und jetzt also auch das „Meteora“, das sich spanisch gibt.

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Griechische Gastlichkeit: Katsanos Panagiotis (links) und Apostolos Batsoulis vom „Meteora“ in Hannover-Mitte.

Quelle: Florian Wallenwein

Das Haus, seit 1973 im Erdgeschoss eines hohen Baus an der Kreuzung von Hamburger Allee und Celler Straße beheimatet, durfte bis vor einigen Wochen noch als Hort der Tradition gelten. Das Modernisierungsvirus hat nun jedoch auch Katsanos Panagiotis infiziert. Der 41-Jährige, der das „Meteora“ in zweiter Generation führt, hat das Haus gründlich renoviert – und dabei die Karte nicht ausgenommen.

Der Einrichtung ist die Erneuerung schon mal gut bekommen: viel dunkles Holz und heller Sandstein, Apoll-Statuen und andere hellenische Romantik sucht man im „Meteora“ glücklicherweise vergeblich. Verzichtet hat Panagiotis aber leider offenbar auch auf einen ausreichend leistungsfähigen Dunstabzug in der Küche – jedenfalls hatten wir nach beiden Besuchen am nächsten Tag noch den Duft der großen weiten griechischen Küche in der Kleidung. Da wir aber beide Male durchaus zufrieden nach Hause spaziert waren, weckte der Geruch bei uns wenigstens keine unguten Erinnerungen.

Die Modernisierung der Karte folgt dem Prinzip „Zurück zu den Wurzeln“ – so zumindest möchte Panagiotis die 60 Vorspeisen verstanden wissen, die nun zur Auswahl stehen. Tatsächlich jedoch gemahnt diese Art, Häppchen zu einer Hauptspeise zu summieren, mehr noch an die iberische als an die griechische Küche, und auch das Bestellen erinnert an die dort übliche Tapas-Lotterie: Es ist jedenfalls nicht ehrenrührig, sich dafür Stift und Zettel reichen zu lassen (wenn man nicht zu Klassikern wie Souflaki und Bifteki greift, die sich auch noch auf der Karte finden).

Als Aperitif bekommen wir etwas, das uns die Kellnerin als „Mädchen-Ouzo“ anbietet: einen mit Wein versetzten Schnaps – vielleicht die unmännliche, aber auch gefälligere Variante zum Einstieg als die in Griechenland ohnehin unübliche pure Version. Was wir dann an „Mezedes“ erhalten, passt nur mit Mühe auf unseren Tisch. Dem Durchschnittshungrigen sei versichert: Mit drei Mezedes ist man meist ausreichend bedient.

Unbedingt empfehlenswert: die hausgemachten frittierten Calamari (5,90 Euro), die so unerreicht zart sind, wie man es angesichts der gebackenen Hartgummiringe in anderen Häusern gar nicht mehr für möglich hielt. Gut gefallen haben uns auch das markant-rauchige Auberginenmus (3,90 Euro), der mit Ziegenkäse gratinierte Zucchinipuffer (3,90 Euro) und der zarte, in Knoblauch und Kräutern marinierte Lammrücken (5,90 Euro). Gewöhnungsbedürftig sind für germanische Gaumen hingegen die als „original griechisch“ gepriesenen Souflaki (3,60 Euro), da „griechisch“ hier vor allem meint: mit ordentlichem Fettrand. An Dosenware erinnern hingegen die mit Käse überbackenen weißen Bohnen (3,60 Euro). Und dass die Rote Bete mit Walnüssen (3,40 Euro) zu großzügig in Knoblauchöl getränkt wurde, merkt Panagiotis bei einem seiner fürsorglichen Blick auf die Teller selbst an.

Überhaupt ist es eine gute Idee, auf den Wirt und seine Empfehlungen zu hören. Möglicherweise hätte uns das vor dem deprimierend flachen Naoussa (0,2 Liter 4,20 Euro) bewahrt und uns gleich zu dem erheblich interessanteren Biowein geführt (Rot und Weiß, jeweils 4,90 Euro), den er als seine Entdeckung preist. Ohnehin ist Panagiotis ein Wirt der freundlich-mitteilsamen Art. So erfährt man von ihm zum Beispiel, dass er persönlich kein Freund des Knoblauchs ist (was man der „Meteora“-Küche aber nicht anmerkt), oder dass es ihn einige Standhaftigkeit kostete, seine Gäste von den Vorzügen seiner nach griechischer Art zubereiteten Kartoffeln zu überzeugen, für die er nach der Renovierung die Backkartoffeln aus dem Beilagenrepertoire strich.

Sein Durchhaltewillen in dieser Angelegenheit ehrt ihn: Diese Kartoffeln – gekocht und mit Essig und Olivenöl aromatisiert – schlagen die ordinäre Backkartoffel um Längen. Wir erhalten sie bei unserem zweiten Besuch zusammen mit Salat vom Büfett und gegrilltem Gemüse zu Lammsteak in Rosmarinsauce (14,90 Euro) und zu Hähnchenbrust in Salbeisauce (12,90 Euro).

Das Lammsteak entpuppt sich als zartes Filet, drei Streifen in einer intensiv gekräuterten, sahnigen Sauce. Vom Salbei ist dagegen in der zweiten Sauce nur eine Spur zu erahnen, einen etwas stärkeren Begleiter hätte die in milden, luftgetrockneten Schinken gewickelte Hähnchenbrust schon vertragen. Dafür gab es jedoch zwei kapitale Stücke, mithin eine üppige Portion – es gibt durchaus einige Dinge, in denen Panagiotis der deutsch-griechischen Restauranttradition treu geblieben ist.

  • Preiskategorie: günstig

Das Restaurant „Meteora“ in Hannover-Mitte im Branchenführer

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