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Radieschenklause
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Deutsche Küche Radieschenklause

Einst Vereinsheim der Kolonie „Dornröschen”, heute Gaststätte mit deutscher Hausmannskost. Für die Grünkohl-Einkehr nach der Wanderung ist die „Radieschenklause” einen Abstecher wert.

In der Steintormasch 47 30167 Hannover 52.3818 9.69853
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Inhaber Michael Schulze präsentiert in seinem Restaurant Radieschenklause in Herrenhausen den Grünkohlteller.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Nordstadt. Wenn die Namen der Wege Gäste locken könnten, dann wäre der „Radieschenklause“ schon allein deshalb der größte Zulauf sicher. Wer vom Wilhelm-Busch-Museum kommt, der geht am besten durch den Blumenweg, kreuzt den Aprikosenweg und schreitet voran – bis zum Fliederweg. Jawohl, die „Radieschenklause“ war ein Vereins- oder eher: Kolonieheim. Und sie sieht auch noch aus wie ein Vereinsheim, auch nach der Renovierung der neuen Besitzer in diesem Jahr. Ein flacher schlichter Bau mit Terrasse, umgeben von Kleingärten. Innen gibt es Kupferlampen, eine Ecke für Pokale und eine Fahne für den Stammtisch. „1958: Das Kolonieheim der Kolonie Dornröschen wurde im Mai eingeweiht. Zu Ehren des Kolonieleiters Erich Thielemann wurde das Kolonieheim der Kolonie Dornröschen ,Erich’s – Ruh‘ benannt“, so zitiert die Speisekarte die stolze Chronik. Die Tradition ist hier zu spüren. Und wer auf die Reizworte Kleingärten und Vereinsheim allergisch reagiert, der wird hier sein Wohl nicht finden.

Was die „Radieschenklause“ dennoch interessant macht, sind zwei Dinge. Zum einen die Lage zwischen Ihme, Großem Garten und Georgengarten, zum anderen ist es der jüngste Eintrag in der Chronik: „2010: Neueröffnung der ,Radieschenklause‘ durch Michael Schulze und Pawel Wenske“. Die beiden bemühen sich, das frühere „Erich’s Ruh“ mit den neuen Zeiten zu versöhnen, ohne die Wurzeln zu kappen – und das mit Erfolg, wie wir bei unseren Besuchen feststellten.

Wenske und Schulze erweitern die Karte mit einer ganzen Reihe von Aktionen und Angebotstagen, vom Adventsmenü bis zum Gänseessen, die den bürgerlich-bodenständigen Charakter der Karte auch mal sprengen können: Donnerstag und Freitag zum Beispiel gibt es Scampi in der dann aber doch wieder bodenständigen „Satt“-Variante mit Wein für 14,50 Euro.

Wir kamen an einem Montagabend, einem Tag ohne Angebote, und blieben so auf die normale Karte angewiesen, was uns aber nicht grämte. Da findet sich zum Beispiel der „Prager Krustenbraten an Braunbiersauce mit Apfelrotkohl und Petersilienkartoffeln“ (9,50 Euro). Die Sauce war angenehm vom Malz des Biers geprägt, der Kohl von Lorbeer und Wacholder (mehr als vom Apfel). Das Knusprige allerdings wollte dem Koch an diesem Tag nicht gelingen: Der Krustenbraten trug seinen Namen daher zu Unrecht – und auch die zusätzlich georderten Bratkartoffeln waren nur schwach geröstet. Aus den nach Größe sortierten Grünkohlgerichten wählten wir die kleinste Version, die zu Recht immer noch den Zusatz „L“ trägt: Eine üppige Portion würzigen Grünkohls mit einer mild geräucherten Bregenwurst und Petersilienkartoffeln (8,50 Euro).

Bei unserem zweiten Besuch wählt mein Begleiter das Mittwochsangebot, das Braumeister-Essen (8,50 Euro): Eine Schweinshaxe mit Röstkartoffeln und Sauerkraut, die ihn absolut zufrieden stellt. Im Preis enthalten ist sogar noch ein halber Liter Bier, auf den er wegen der Mittagszeit aber – wirklich! – verzichtet hat. Ich entscheide mich für ein Gericht von der Tageskarte, die Kutterscholle mit Kartoffelgratin (11,90 Euro), bei der der üppige Öl-Einsatz meine Freude an dem treffend gegarten Fisch etwas dämpft. Dafür sind neben dem Speck auch ein paar Trauben mitgebraten – eine hübsche Idee. Das Dessert, Eisstollen auf Hagebuttenmark (4,20 Euro), ist Fertigware, aber immerhin von der originelleren und besseren Art.

Es ist kein leichter Standort, den sich Pawel Wenske und Michael Schulze ausgesucht haben: Einerseits nah an Spazier- und Radfahrrouten, andererseits doch abseits der Aufmerksamkeit, inmitten der Kleingärten. Bei unseren beiden Besuchen war die Zahl der übrigen Gäste äußerst überschaubar. An den Wochenenden sei mehr los, dann ist auch der Saal mit den Holzbalken geöffnet, versichern die Betreiber. Der Vorbesitzer hatte zuletzt nur noch selten geöffnet und im Winter ganz geschlossen. Auch wenn man kein ausgemachter Fan des Kleingartenwesens ist, wünscht man Pawel Wenske und Michael Schulze, dass sie mit der „Radieschenklause“ gut durch die Zeiten kommen. Ein wenig kulinarische Ergänzung kann das Angebot bei den Herrenhäuser Gärten noch gut vertragen.

Preiskategorien: günstig

Die „Radieschenklause” in der Nordstadt im Branchenführer

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HAZ-Redakteur/in Thorsten Fuchs

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