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Dorfgaststätte - neu gedacht

Kostprobe Dorfgaststätte - neu gedacht

An der Fassade der Dorfgaststätte konnten die Kaspareks nicht viel verändern, aber im Inneren haben sie alles umgekrempelt. Jetzt ist die Atmosphäre im Restaurant ländlich-gemütlich, aber alles andere als altbacken. Finja und Daniel Kasparek haben in Bennigsen die richtige Mischung gefunden.

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"Dorfkinder": Die Besitzer Finja und Daniel Kasparek.

Quelle: Michael Wallmueller

Bennigsen. Warum kauft ein Koch, der die gehobene Küche liebt, mit seiner Frau eine alte Dorfgaststätte im Springer Ortsteil Bennigsen? „Wir sind hier aufgewachsen“, sagt Finja Kasparek und fügt hinzu: „Wir sind Dorfkinder.“ Ihr Mann Daniel Kasparek steht für frische, abwechslungsreiche Gerichte auf hohem Niveau. Für „Daniel’s Speisenwirtschaft“ hat das Ehepaar deshalb ein Konzept entworfen, das die Freunde guten Essens anspricht, aber gleichzeitig einfache Küche bietet. Wer will, bekommt auch ein Schnitzel oder Currywurst mit Pommes serviert.

An der Fassade der Dorfgaststätte konnten die Kaspareks nicht viel verändern, aber im Inneren haben sie alles umgekrempelt. Die alten Holzeckbänke und der Tresen wurden aufgearbeitet, die Stühle neu bezogen. Jetzt ist die Atmosphäre im Restaurant ländlich-gemütlich, aber alles andere als altbacken.

Bei unserem ersten Besuch setzen wir uns in den Biergarten. Als Gruß aus der Küche bekommen wir frisch gebackenes Brot mit Kräuterbutter. Das lässt meine Begleitung, einen Brot-Fan, schwärmen. Mein Rindercarpaccio in Kräutermantel mit gebratenen Champignons und gehobeltem Parmesan (10,80 Euro) ist mit kross gebratenem Speck als Vorspeise eine herrliche Leckerei. Der Hauptgang, das Kalbsfilet mit Pfifferling-Schalotten-Kompott und Kartoffeln La Ratte (32,50 Euro) ist wunderbar zart und mit den Schalotten eine gute Kombination. Die kleinen La-Ratte-Kartoffeln sind für meinen Geschmack ein wenig zu bissfest geraten, aber das tritt angesichts der dunklen Soße, die zum Fleisch serviert wird, in den Hintergrund. Ihr intensiver, reichhaltiger Geschmack ist einfach zum Niederknien.

Kostprobe: Daniels Speisenwirtschaft in Bennigsen

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Auch mein Begleiter ist mit seiner Wahl zufrieden. Die Medaillons vom Schwein mit Rahm-Pfifferlingen, Buttergemüse und gebratenen Kartoffeln (15,80 Euro) sind erwartet zart und gut gewürzt. Kohlrabi und Möhren werden bissfest serviert, „genau richtig“, wie er sagt. Beim Wein hat mir die freundliche Bedienung den Hauswein empfohlen, einen Le Ciel blanc (3,80 Euro/Glas). Er wird kühl serviert, schmeckt fruchtig und passt zu diesem Abend. Mein Begleiter bleibt beim Spezi (2,40 Euro). Mit einem Espresso (1,90 Euro) beenden wir den Besuch.

Der 33-Jährige Kasparek hat seine Ausbildung vor gut 15 Jahren in der ­Vorstandsküche der Nord/LB absolviert, danach Erfahrungen gesammelt - unter anderem auch die, dass es ihm Spaß macht, die Speisekarte alle paar Wochen neu zu sortieren. „Ich will nicht in einen Trott kommen“, sagt er. Und frisch muss alles sein. „Die einzigen Convenience-Produkte sind Pommes und Kroketten.“ Sein Sinn für das Unerwartete spiegelt sich auch im Überraschungsmenü mit drei (28 Euro) beziehungsweise vier Gängen (35 Euro) wider, das nach den Wünschen des Gastes individuell zusammengestellt wird.

Bei unserem zweiten Besuch nehmen wir an einem ansprechend eingedeckten Tisch im Restaurant Platz. Ich erfahre, dass der Kleine Flammkuchen mit Ziegenkäse und Preiselbeeren (5,80 Euro) leider „aus“ ist. Der als Ersatz angebotene Zwiebelkuchen ist lecker, aber ich bedauere, dass ich nicht die Gelegenheit bekomme, die Flammkuchen-Kombination zu probieren. Doch der kleine Wermutstropfen ist angesichts des „Wild(en) Schnitzels“ (18,50 Euro) vergessen. Das zarte Damwild aus dem Deister ist mit der Nusspanade und der leichten Süße der Aprikosen-Semmelknödel ein Genuss. Das Waldpilz-Ragout passt bestens dazu. Gleiches gilt für den Hauswein Le Ciel rouge (3,80 Euro/Glas). Und wie serviert ein Koch der gehobenen Küche ein Gericht wie Currywurst mit Pommes und Majo (5,80 Euro)? Mit der gleichen Aufmerksamkeit. „Die Currywurst schmeckt genau so, wie sie sein soll“, urteilt mein Begleiter. Das gelte auch für die Pommes Frites „außen kross, innen schön kartoffelig“.

Statt Pochierten Weißweinbirnen mit Zwetschgen-Sorbet (6,80 Euro) bekomme ich die Holunder-Variante serviert. Das Sorbet ist grandios, eine Hommage an den Holunder.

Der stammt übrigens aus dem Garten von Kaspareks Oma Anni. Genauso wie die Birnen. Denn hinter „Daniel’s Speisenwirtschaft“ steht die ganze Familie. Die Großeltern sammeln die Pilze im Deister, Ulrike Lehmann, die Mutter von Finja Kasparek, steht morgens in der Küche und backt das Brot, während ihr Lebensgefährte Hartmut Köneke den handwerklichen Bereich abdeckt.

Dorfgaststättensterben? Finja und Daniel Kasparek haben für Bennigsen die richtige Mischung gefunden, damit das nicht passiert. Das hat sich herumgesprochen. Wer sich für einen Besuch entscheidet, sollte vorher reservieren.

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