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Nordsee trifft Mittelmeer im Berggasthaus

Kostprobe Nordsee trifft Mittelmeer im Berggasthaus

Draußen Fachwerk und hohe Bäume, drinnen Kerzenlicht und ein flackernder Kamin: Cordula und Oliver Gerasch haben das Berggasthaus Niedersachsen übernommen und servieren gehobene Küche - etwa Rehrücken mit Wirsing. Eine Restaurantkritik von Ralf Heußinger.

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Das Berggasthaus Niedersachsen in Gehrden.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Gehrden. Wer in diesen besinnlichen Tagen einen romantischen Flecken für ein festliches Essen sucht, der kann ja mal die paar Meter zum Gehrdener Berg hochfahren. Ein Geheimnis ist es zwar nicht, dass man im Berggasthaus Niedersachsen in bezauberndem Ambiente ebenso bezaubernd speisen kann - und doch hat sich in diesem Herbst etwas verändert.

Nach 28 Jahren gab Dorothee Petersen-Jurke, die das Haus zu überregionaler Bekanntheit geführt hat, das Restaurant ab. Den Neuanfang wagten Oliver und Cordula Gerasch. Anfang November haben sie übernommen und damit eine heikle Aufgabe angetreten. Nachfolger in einem erfolgreichen Restaurant mit besonderem Charme muss man sich erst mal zutrauen. Doch die Geraschs hatten zuvor in Beckmanns Weinhaus in der Calenberger Neustadt schon gezeigt, dass sie es können. Dort hatten sie von Familie Beckmann übernommen, die jetzt übrigens selbst wieder in der Verantwortung steht.

Cordula und Oliver Gerasch haben das Berggasthaus Niedersachsen übernommen.

Cordula und Oliver Gerasch haben das Berggasthaus Niedersachsen übernommen.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Im Berggasthaus Niedersachsen wagen die Neuen keine radikalen Veränderungen - warum auch? Am gediegen-klassischen Ambiente mit weißen Tischdecken, Kerzenleuchtern und Kaminfeuer hat sich nichts verändert. Und beim Essen verschiebt Küchenchef Oliver Gerasch allenfalls behutsam die Akzente. Die italienischen Einflüsse sind etwas auffälliger, und bei der perfekt weich geschmorten Ochsenbacke „Tangerine“ (14,50 Euro) wird es sogar asiatisch - mit Sesam, Frühlingszwiebeln und der recht auffälligen Citrusfrische der Tangerine, einer Schwester der Mandarine.

Doch internationale Küche? Das wäre auch wieder falsch, vielmehr integriert Gerasch die verschiedenen Einflüsse. Pulpo, Bohnen und Speck (14,50 Euro) ist gewissermaßen eine mediterrane Version des norddeutschen Klassikers Birnen, Bohnen und Speck. Der Krake ist sehr zart und liegt auf weißen und roten Bohnen, die allerdings ziemlich puristisch daherkommen. Letztere werden bewusst lauwarm serviert, genauso übrigens wie die Balsamicolinsen zur Kalbszunge (14,50 Euro). Wir hätten’s trotzdem gern heiß gehabt.

Berggasthaus
 Niedersachsen
Köthnerberg 4,
30989 Gehrden

Telefon: (0 51 08) 31 01



Geöffnet: Mittwoch bis 
Freitag von 15 bis 24 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 12 bis 24 Uhr.



Preiskategorie: gehoben     

Die Gerichte leben von der durchweg erstklassigen Qualität der Zutaten, die Zubereitung dagegen ist zurückhaltend. Feenstaub und Goldrand gehören nicht zum Konzept im Berggasthaus Niedersachsen. Das beginnt schon beim wirklich guten Brot: Dazu reichen Butter und Fleur de Sel - so kommt man erst mal hervorragend über die Runden. Lange dauert es aber gar nicht, bis die Küche einen kleinen Gruß schickt: Rote Bete, Pumpernickelkrümel, Schmand, ein Hauch von Thymian. Perfekt. Auch die Kürbiscremesuppe (8,50 Euro), die derzeit auf der Saisonkarte steht, war ohne Makel.

Etwas verspielter wird es bei den Hauptgerichten, bei den beiden zartrosa gegarten Rehrückenmedaillons (28 Euro) zum Beispiel, die noch von einer Wirsingroulade begleitet werden, dazu Preiselbeeren und auf Wunsch Semmelknödel. Ausgesprochen klassisch ist die Gans mit Rotkohl (28 Euro). Brust und Keule sind zart, die Haut knusprig, aber auch ein bisschen salzig. Das Kartoffelpüree, das wir dazu bestellt haben, hätten wir uns dagegen etwas kräftiger gewünscht, und auch der Rotkohl ist sehr zurückhaltend abgeschmeckt.

Voller Ideen ist der Weinkeller: Anders als sonst oft sind die Weine nicht bei jedem Großhändler der Region zu finden. Beispiel? Der Barbera d’Alba Conca del Grillo (0,2 Liter/10,50 Euro) hat zwar seinen Preis, ist aber ein besonders aufregender Tropfen. Die Kreativität des Hauses ist auch bei der Pasta auffällig. Die Pecorinoravioli mit Paprikastückchen (16,50 Euro) sind absolut zu empfehlen: zarter Käsegeschmack, kräftige Paprika, bissfeste Nudeln. Auch die mit Gambastückchen gefüllten Tortellini, die zum gebratenen Kabeljau serviert werden, sind köstlich. Der Fisch übrigens auch, innen glasig, außen knusprig, dazu gibt es Miesmuscheln in einer Art Bouillabaisse: Nordsee trifft Mittelmeer.

Mein Fazit:  Einfach gutes Essen,
ohne Chichi.     

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