Mitte. Die Marienstraße entwickelt sich immer mehr zu einer Schlemmermeile; Restaurants, Cafés, Dönerbuden, aber auch Biofood-Läden und moderne Imbissketten schießen wie Pilze aus dem Boden. Nun gibt es auf dem Abschnitt zwischen der Unfallklinik des Friederikenstifts und der Berliner Allee eine weitere Neuheit: Das „LadenLokal“, dessen Name Programm ist, weil das Restaurant in ein Feinkostgeschäft eingebettet ist. So etwas gibt es zwar schon bei dem einen oder anderen Italiener um die Ecke, aber lange nicht in dieser Größe und mit dieser Auswahl. Die Betreiber Klaus Bunge, Jörg Lange („Lindenkrug“) und Jens Segebrecht (Edeka Schlemmermarkt in der List) machen mit dem „LadenLokal“ gemeinsame Sache – und haben dafür offensichtlich viel Leidenschaft aufgebracht.
Draußen regnet es in Strömen, als wir den Laden/das Lokal betreten. Drinnen empfängt uns ein angenehm warmer, großer und heller Raum, der mit Holztischen an den Fenstern und gestapelten Holzkisten als Warenregale gemütlich gemacht wurde. Das gemischte Südstädter Publikum kommt auch mit Kinderwagen und Rollatoren gut durch. An diesem Sonnabendmittag gibt es überraschenderweise eine Champagnerverkostung, und wir bekommen gleich zwei Gläschen des Klassikers Heidsieck Blue Top aufs Haus. Verkauft werden darf Alkohol bisher nur in Flaschen zum Mitnehmen. Ein Mitarbeiter erklärt uns aber, dass es ab Januar eine Ausschanklizenz für alkoholische Getränke geben wird.
Wer im „LadenLokal“ essen will, muss an der Kasse bestellen und sein Essen auch selbst an den Tisch tragen, eine Bedienung gibt es nicht. Neben einer Vielzahl an Tartines werden wechselnde Mittagsgerichte angeboten, die der Jahreszeit entsprechend derzeit deftig daherkommen. Mein Begleiter wählt Grünkohl mit Bregenwurst und Kartoffeln (5,50 Euro). Den Senf hatten wir erst später an der Theke entdeckt – sogar gleich dreierlei zur Wahl –, aber auch so macht das hausgemachte Gericht zum kleinen Preis eine gute Figur. Der Kohl ist naturbelassen und so eben auch einigermaßen bitter (eine Prise Zucker hätte ihn abgerundet), und auch die Kartoffeln sind ganz ohne Schnickschnack. Das Würstchen schmeckt fein und saftig und verleiht das nötige Aroma. Alles in allem eine ehrliche Portion mit Luft nach oben zur kreativen Verfeinerung, findet der Mittester.
Die beiden älteren Damen, die sich zu uns gesetzt haben, essen den Grünkohl mit Kochwurst und machen ebenfalls zufriedene Gesichter. Ich habe mich für die Flugentenkeule (12,80 Euro) entschieden. Die gibt’s auch eingeschweißt zum Mitnehmen, ebenso wie die Thüringer Klöße. Lediglich den Rotkohl und die GrandMarnier-Soße müsste man dann zu Hause noch selbst zubereiten. Aber heute bekommen wir die Ente nach sieben Minuten fertig angerichtet und knusprig übergrillt. Die Haut dürfte noch ein wenig krosser sein, die leichte Fettschicht darunter hat das Fleisch aber gut vor dem Austrocknen bewahrt. Es zerfällt locker unter der Gabel und ist schön mager. Die Kartoffelklöße kranken leider daran, dass sie außen noch leicht glitschig und innen zu fest sind; von der Soße hingegen dürfte es gerne noch etwas mehr sein.
Ein Geschmackserlebnis sind die selbst gemachten Limonaden („Limo-Kracher“), zum Beispiel aus Ananas und japanischer Minze oder Schattenmorelle mit Sternanis (jeweils 2,50 Euro), die in kleinen Karaffen mit Strohhalm serviert werden. Gut gesättigt gehen wir noch einmal zur Theke, um einen Latte macchiato zu bestellen. Der Gang ist sowieso nötig, um das benutzte Geschirr in die dafür vorgesehenen Körbe einzuordnen. Die Essensreste müssen wir zuvor in einen Mülleimer kratzen – fast ein bisschen zu viel Jugendherbergsflair für unseren Geschmack.
Beim zweiten Besuch hatte ich die Suppenvariante gewählt: Suppe satt für 3,80 Euro inklusive Vollkornbrot. Die erste der drei zur Auswahl stehenden Varianten hat es mir gleich angetan; die vegane Tomaten-Pepperoni-Suppe ist so feurig, dass es mir die Tränen in die Augen treibt, aber gleichzeitig ist sie auch ohne fettige Zusätze so schmackhaft, dass ich den Koch um seinen Tomatenlieferanten beneide. Dreimal nehme ich noch nach. Mein Begleiter probiert die schwäbischen Maultaschen (5,50 Euro), die in einer intensiven Gänsebouillon zubereitet wurden. Dazu gibt es einen erfrischend süßsäuerlichen Rote-Bete-Salat. Der Nachtisch „GÜ“ (1,20 Euro) – eine mächtige Schokoladencreme auf Kuchenteig aus dem Glas – kommt aus England (und dem Kühlregal) und ist wie vieles in den Regalen ein Trendprodukt.
Später schlendern wir mit Einkaufskörben durch den Laden – man könnte ja gleich noch Weihnachtsgeschenke mitnehmen. Das „LadenLokal“ legt wert auf Marken, sämtliche Klassiker der Wein- und Feinkostwelt sind versammelt. Unter der Eigenmarke „LadenLokal“ werden Kräuter, Öle und andere Zutaten verkauft, die, wie uns der Mitarbeiter versichert, allesamt vom Küchenchef kreiert sind. Spannend klingt da etwa die Gewürzmischung Pink-Champagne-Gamba (4,99 Euro) – ohne Gambas, aber dafür mit zwölf (!) Zutaten und im dekorativen Einweckglas. Wandert in den Einkaufskorb. Wir sind gespannt.
Sonja Fröhlich
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