Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
So muss Kneipe!

Kostprobe im "Leisewitzstübchen" So muss Kneipe!

Korkboden, Buntglasfenster, Messingleuchten, Holzstühle mit gedrechselten Lehnen und ein Raucherkabuff mit schlecht schließender Tür - so muss Kneipe! Und genau so ist das Leisewitzstübchen im Zooviertel.

Voriger Artikel
Der Geist des Tropeano
Nächster Artikel
Im Exil zu Hause
Quelle: Michael Thomas

Früher hießen hier alle Gänse Erna. Jedes Mal, wenn wir zum traditionellen spätherbstlichen Gänseessen im Leisewitzstübchen waren, kam Pit Seidel, der Wirt, der hier in der Wirtschaft schaffte, an den Tisch, um den Vogel kunstvoll zu tranchieren. Bevor er aber das Messer ansetzte, erzählte er stets etwas über das Tier. In welch guten, artgerechten Verhältnissen es aufgewachsen war, und wie es hieß. Unsere Gans hieß Erna. Und zwar jedes Jahr. Und immer war sie ein Gedicht.

Das Leisewitzstübchen im Zooviertel ist eine richtige Kneipe und bietet das an, was eine Gastwirtschaft anbieten muss.

Zur Bildergalerie

Im Januar hat Pit Seidel seine Wirtschaft in andere Hände gegeben. Dirk Wroblewski führt jetzt die Geschäfte der Traditionsgaststätte im Zooviertel, und er hat sich sehr bemüht, den urigen Charakter der Wirtschaft zu erhalten. Wroblewski, früher Direktor des Congress Hotels am Stadtpark, hat nur vorsichtig modernisiert. Alles wirkt wie gehabt ein bisschen bieder, sehr funktional und dabei doch gemütlich. Das Leisewitzstübchen positioniert sich weiter angenehm fern aller urbanen Trendigkeit. Korkboden, Buntglasfenster, Messingleuchten, Holzstühle mit gedrechselten Lehnen und ein Raucherkabuff mit schlecht schließender Tür - so muss Kneipe! Das Konzept Gastwirtschaft hat sich aus der Vergangenheit in die Gegenwart gerettet.

Aber wird es auch in Zukunft funktionieren? Eine wichtige Einnahmequelle sprudelt jedenfalls immer weniger: Männer, die nach Feierabend zwanglos an der Theke ein, zwei, drei, vier Bierchen zischen. Stammtische gibt es hier im Zooviertel zwar noch, aber mit ihnen allein kann kein Betrieb überleben. Nostalgie allein reicht nicht. Auch eine Traditionsgaststätte muss heute mehr bieten als schummriges Licht und sorgsam gezapfte Biere.

Und das Leisewitzstübchen hat das erkannt. Seit Mai bietet man einen wöchentlich wechselnden Mittagstisch an. Die Speisekarte gibt’s bei Facebook, und wer will, kann sich in den Mailverteiler aufnehmen und sich die Menüliste zuschicken lassen. Bei unserem ersten Besuch gab es angenehm fleischige Spaghetti Bolognese (6,50 Euro) mit ordentlich fleischiger Sauce und Cevapcici (6,50 Euro), die vielleicht noch eine Spur würziger hätten ausfallen können. An den Nachbartischen sitzen Immobilienmakler und Anwälte aus dem Zooviertel. Erstaunlich viele Gäste genehmigen sich hier schon am Mittag ein Bier.

Das kommt für uns erst beim Abendbesuch in Frage. In der Wirtschaft Leisewitzstübchen (so der korrekte Titel) wird Härke ausgeschenkt. Wir genehmigen uns das klassische Pils, einen halben Liter im schlanken Glas - kühl und gut. Es geht aber noch gediegener: Meine Begleitung entscheidet sich für das Amber-Ale, eine neue Bierspezialität aus dem Hause Härke. Das ist entscheiden raffinierter als das normale Härke-Pils. Es schmeckt fruchtiger, hopfiger, malziger und tiefgründiger - eine schöne Entdeckung.

Kann man die auch auf der Speisekarte machen? Oh ja: ofenwarmer Hessischer Grüner Kuchen mit Tomatensalat“ wird da für 6,40 Euro (die kleine Portion, die große kostet 9,50 Euro) angeboten. Es handelt sich dabei um eine Art Speckkuchen mit Lauch. Von außen war er schön braun (nicht grün) und innen allerdings eher matschig. Und der Tomatensalat muss eine intensive Beziehung mit einer Essigflasche gehabt haben. Diese herzhaft-sauer-fruchtige Kombination ist nicht jedermanns Sache.

Es gibt ein paar Gerichte, die eine Gastwirtschaft wie das Leisewitzstübchen anbieten muss: Currywurst mit Pommes frites und Schnitzel „Wiener Art“ mit Kartoffelsalat dürfen nicht fehlen. Und das kommt hier ganz solide und anständig portioniert auf den Tisch. Die Pommes zur Currywurst (7,80 Euro) sind reichlich und schön kross, die Wurst ist knackig, die Soße fruchtig.

Auch das Schweineschnitzel „Wiener Art“ (14,50 Euro) mit Kartoffel-Gurken-Salat ist so, wie es sein muss, das Fleisch sehr dünn und sehr heiß und die Panade sehr trocken. Zitronenachtel sind eigentlich immer besser zu handhaben als die Zitronenscheiben, die es hier gibt, aber was soll’s. Der Kartoffel-Gurkensalat, den es dazu gibt, hat Biss und schmeckt angenehm säuerlich. Das passt alles hervorragend zum Bier.

Die drei Männer an der Theke reden über Reiseportale im Internet. Einer zückt sein Smartphone und zeigt, wo man billig buchen kann, alle schauen aufs Display. Sie werden nicht mehr lange hier sein.

Leisewitzstübchen

Leisewitzstraße 33, 30175 Hannover, Telefon: (05 11) 5 44 33 00, leisewitzstuebchen.de 
Öffnungszeiten: 
Montag bis Donnerstag 12 bis 14.30 und 17 bis 23 Uhr 
Freitag und Sonnabend 16 bis 23 Uhr 
Sonntag Ruhetag

Preiskategorie: moderat (Hauptgerichte bis 15 Euro)

Fazit:  Klassische Wirtschaft mit guten Gerichten. Eine Stärke: Härke.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Restauranttests

Lust auf ein gutes Restaurant in Ihrer Nähe, aber noch keine Idee welches es sein soll? Lassen Sie sich inspirieren: Hier finden Sie die HAZ-Restauranttests übersichtlich auf einer Karte.

Kostprobe im 11A

Das 11A am Küchengartenplatz in Linden kombiniert moderne Hausmannskost und Feinschmeckerküche. 

Eine Auswahl der schönsten Biergärten in der Region Hannover – mit Foto, Öffnungszeiten und Preisen.

Wann finden in Hannover die Wochenmärkte statt? Eine Übersicht mit allen Märkten in den Stadtteilen.