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Warum das Vapiano im Bahnhof ein Reinfall war

Kostprobe Warum das Vapiano im Bahnhof ein Reinfall war

Auch in den Filialen der Vapiano-Kette hat Restauranttester Hannes Finkbeiner bereits festgestellt: Systemgastronomie kann durchaus gut sein. Im neuen Vapiano im Hauptbahnhof Hannover ist das aber leider nicht der Fall.

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Systemrelevant: Schichtmanager Omar Rbiti mit Gamberetti e Spinaci vor dem neuen Vapiano-Restaurant.

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Wir waren schon öfter bei Vapiano. Nicht in Hannover, aber in anderen Städten. Und wir waren immer zufrieden. Deswegen hüpfen wir am Abend eines sonnigen Tages die Treppen zur neuen Filiale im südöstlichen Flügel des Hauptbahnhofs nach oben und sind uns sicher, heute sieben, vielleicht sogar acht Punkte verteilen zu dürfen. Gibt es eine schönere Währung?

Im Grunde geht es auch wieder gut los. Vom Filialleiter werden wir nett begrüßt, bekommen unsere Karten, auf die alle Gerichte gebucht werden, die wir an der Küchenzeile bestellen. Unsere erste Wahl fällt auf Vitello Tonnato. Doch schon beim Anrichten wird deutlich, dass die Vorspeise Kritik verdient. Die Köchin arrangiert Rucola-Salat auf einem Teller und nimmt danach acht blassgraue, trockene Kalbfleischscheiben aus einer Tupperdose. Von „rosa gegart“ oder „zart“ (wie in der Karte beschrieben) kann keine Rede sein. Danach verteilt sie 39 Kapern auf dem Fleisch – nachgezählt.

HAZ-Restauranttester Hannes Finkbeiner war in der neuen Vapiano-Filiale im Hauptbahnhof Hannover zu Gast, um dort das Essen zu testen.

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Das Gericht schmeckt bestenfalls wegen der Thunfischcreme mit frisch-fruchtiger Note. Doch dann stechen wir zu tief in den Rucola-Salat und fördern einige Bröckchen (Avocado, Champignons und Sellerie?) zutage, die nicht hineingehören. Da sind mit Sicherheit zu viele Hände über den offenen Kücheneinsatz mit Rucola gewandert, und hin und wieder ist etwas abgefallen. Das ist so unappetitlich.

Bröckchen im Rucola

Wir wenden uns der Bruschetta zu. Auch hier wird schon beim Anblick das Problem deutlich: Das Ciabatta ist zu dick. Wir kommen aus dem Zählen und Vermessen gar nicht mehr raus – gute vier Zentimeter misst die Brotscheibe. Da interessiert es kaum, dass die gehäuteten Tomatenwürfel mit intensivem Knoblauchanteil ganz passabel schmecken. Besser fällt die Pizza Verdure mit Grillgemüse, Champignons und Mozzarella aus, wenngleich der Boden etwas zu viel Farbe abbekommen hat. Es ist ein kurzer Lichtblick.

Was bei den Nudeln mit Garnelen, Lauch, Kirschtomaten in Tomatensoße falsch gelaufen ist, können wir ziemlich genau benennen. Wir stehen schließlich dabei, als sie zubereitet werden. Die Garnelen brät der Mann zu lange bei zu hoher Hitze an. Es bildet sich in der Wok-Pfanne viel schwarzer Bratensatz, eine Röstnote, die sich bei dunklen Soßen oder Schmorgerichten gut macht. In eine Tomatensoße nistet sie sich aber leicht wie ein penetrantes Gewürz ein. Danach kommen Knoblauchöl, Chili und viel zu grobe Stücke Lauchzwiebeln hinzu, die der Koch nur wenige Sekunden in der Tomatensoße mitgart. So geben sie keinen Geschmack ab und bleiben roh. Zu alledem wird das Gericht nicht ordentlich gesalzen und auch nicht kurz eingekocht, damit sich die Aromen verbinden. Das Resultat ist, dass die Nudeln leicht angebrannt schmecken, nach säuerlichen Tomaten, mit leichter Schärfe von Chili. Das ist so fad, dass wir nach drei Bissen die Lust verlieren. Der Teller ist zudem kalt und nicht vorgewärmt.

Fragen Sie nach Herrn S.

Das Problem ist sicher nicht bei den Mitarbeitern zu suchen, die in Küche und Service bisher ambitioniert und höflich agieren. Wenn solche elementaren Fehler begangen werden, wurden die Angestellten wahrscheinlich mangelhaft geschult.

Als wir am Ausgang bezahlen und von der Kassiererin gefragt werden, ob wir heute zufrieden waren, können wir nicht an uns halten und beschweren uns über die Qualität. Bringt ja nichts, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Der Filialleiter wird hinzugezogen und wir zählen ein paar Punkte exemplarisch auf. Der Mann ist nett, wirkt aber auch nicht sonderlich betroffen. Er entschuldigt sich und bittet uns, dem Betrieb nochmals eine Chance zu geben. Das versprechen wir ihm zum Abschied und kommen zwei Tage später erneut. 

Bei der Vorspeise, zarte Mousse vom weißen Spargel mit grünem Spargel und Salat, erreicht die Misere allerdings einen weiteren Höhepunkt. Der Koch klatscht die Zutaten auf den Teller, als wäre der Löffel eine Maurerkelle. Gut schmeckt zwar der Spinatsalat mit Radieschen und Kirschtomaten in ganz ordentlicher Balsamico-Dressing, allerdings ist der grüne Spargel im Kern noch roh und hat eine zu dicke Schale (schälen!). Die Krönung ist jedoch die Mousse, die eine Konsistenz wie Grießbrei hat.

Bei Herrn S. lassen wir uns zum Abschluss noch ein Risotto mit Rinderfilet, Gemüsen, Rotwein und Sahne zubereiten. Wir können zwar nicht hinter die Abdeckung sehen, aber die Handgriffe wirken routiniert – und wir bekommen ein formidables Gericht überreicht. Der Reis hat Biss und Schmelz, die Soße ist würzig. Die Gemüse (Karotte, Champignons, Zucchini) sind topp gegart. Das Fleisch ist medium – wie gewünscht. Am Ende hüpfen wir die Treppen hinunter und sind glücklich, dass wir das Restaurant mit wenigstens einer guten Nachricht verlassen können: Risotto bei Herrn S. bestellt – dann geht nichts schief.

Fazit

Systematischer Genuss bleibt hier noch dem Zufall überlassen.

Gesamtnote: 4/10
(Küche 2, Service 6, Ambiente 7)

Vapiano Hannover 2
Ernst-August-Platz 1

Telefon: (05 11) 35 39 59 88
E-Mail: hannover2@vapiano.de
Internet: www.vapiano.com

Öffnungszeiten:
sonntags bis donnerstags 11 bis 23 Uhr,
freitags und sonnabends 11 bis 24 Uhr

Von Hannes Finkbeiner

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