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Weinbar Gegenüber

Internationale Küche Weinbar Gegenüber

Für Liebhaber guter Weine, auch aus Deutschland lohnt sich der Weg in die „Weinbar Gegenüber“ in Hannover-Mitte.

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Zum Wohl: Sasa Milosevec aus der „Weinbar Gegenüber“ in Hannover-Mitte schenkt ein.

Quelle: Florian Wallenwein

Ein schönes Gegenüber kann manchen Abend verzaubern. Wir reden nicht über Voyeure, die in Nachbarhäuser lungern, sondern über Tischnachbarn, mit denen wir gerne anstoßen. Nur Altmännerwitzemacher kommen jetzt mit dem Spruch, dass man sich sein Gegenüber auch schönsaufen könne.

Nein, wir sitzen in einer Weinbar mit dem Namen „gegenüber“ – und fragen als Erstes: gegenüber wovon? Die etwas euphorische Version heißt: gegenüber der Markthalle (was ja irgendwie zum Genießerstandort passen würde). Aber wenn wir ehrlich sind, ist das Gegenüber vom „gegenüber“ ein wenig stimmungsvoller Parkplatz. Vor der Tür steht auch noch ein Zelt für die Raucher. Und ein paar Sessel draußen erinnern an Zeiten, in denen der Klimawandel noch mediterranes Klima versprach.

Wir sitzen derweil drinnen, wärmen uns am virtuellen Kaminfeuer auf dem Flachbildschirm und lassen uns von einer respektablen Weinkarte befeuern. Im Innern dominiert dunkles Holz. Hohe Stühle können als Ersatz für Alkoholtests dienen (wer hier fällt, sollte nicht mehr fahren), die Sitzgruppe ist mit einer Farbe bezogen, die Modeschöpfer derzeit gerne Kupfer nennen. Und an den Wänden erinnern Steinschichtungen an Weinbergterrassenmauern.

Das passt, denn um Wein dreht sich hier alles. Auch wenn es Kaffee (mit selbstgebackenem Kuchen) gibt, Biere, Cocktails und härtere Sachen. Aber das „gegenüber“ nennt sich Weinbar. Und eine Weinbar ist in Hannover-Mitte dringend nötig, seit Dieter und Marlis Biesler im Ruhestand sind und so manchen Stammgast der „Weinstube Biesler“ heimatlos zurückgelassen haben.

Na gut, es gibt das türkisch-griechische „Aresto“ am Leineufer, das staunenswert die Fahne vor allem der deutschen Weine hoch hält (aber das muss man wissen). Im „Mövenpick“ am Kröpcke bietet eine Weinbar auch leckere Tropfen, aber ein Platz, wo man gemütlich in Ruhe sitzen und den einen oder anderen Schoppen schlürfen kann, der fehlt dann doch. Mit den Schoppen (früher: ein Viertelliter) ist das auch im „gegenüber“ so eine Sache, es gibt die Weine als Zehntel oder als 0,2 Liter, aber das ist gar nicht so dumm, denn hier kann und will man Verschiedenes versuchen.

Da gibt es beispielsweise eine kleine Weinprobe für 9,90 Euro. Man kann drei Weine selbst wählen, aber wir sind neugierig, was man uns empfiehlt. Unser Ratgeber, Barchef Sasa Milosevec, ist familiär vorbelastet ist: Der eine Onkel ist Winzer in Jugoslawien, der andere brennt Schnäpse. Milosevic serviert als Erstes einen Bacchus aus Franken, blumig, fruchtig, nicht unbedingt jedermanns Sache, aber schön. Danach hätte ich mir einen Sauvignon Blanc ausgesucht – und genau den hatte unser Weinbarkeeper im Visier. Und kam mit einem Grauburgunder auch elegant aus der fruchtigen Ecke.

Dazu serviert man erst ein paar Nüsschen, während wir darauf warten, dass das Weißbrot aufgebacken wird. Die Nüsschen gibt es übrigens mit einem Löffelchen im Glas, weil seit Ben Stillers Filmkomödie „und dann kam Polly“ wir alle wissen, wie das mit der Hygiene und den Grabschnüsschen auf dem Bartresen ist. Das Brot ist dann gut, die Oliven und der knoblauchgesättigte „Dip“ sind eher durchschnittlich. Also haken wir das Thema Essen schnell ab. Es gibt eine kleine Karte und ab 18 Uhr auch „innovative Küche“. Was ein großes Wort ist für eine Karte, deren Highlights das Übliche nennen: Penne all'arrabiata (6,50 Euro) etwa, die immerhin leidlich scharf, aber nicht sehr raffiniert sind. Und die Spaghetti mit Putenbruststreifen und Pesto (7,50 Euro) lassen die alte Frage offen, was eigentlich an Putenfleisch interessant sein könnte. All das gibt es nur bis 22 Uhr. Als wir nach einer Theaterpremiere gegen halb elf abends eintreffen, kann man uns nur mit den Nüsschen weiterhelfen. Nicht einmal der auf der Karte annoncierte Käseteller ist verfügbar. Das aber ist eine Schwäche. Es sei denn, man setzt hier auf das alte Motto „Das bisschen, was ich esse, trinke ich lieber“.

Die Versuchung allerdings ist groß. Mehr als 100 Weine offeriert die etwas unhandliche Weinkarte, gut 40 davon werden glasweise ausgeschenkt. Die Karte hat zu jedem Wein eine kleine Beschreibung: Alkoholgehalt und Restsüße werden genannt.

Eine erfreulich große Rolle spielen die deutschen Weine. Namen wie Hammel, Schneider, Dreissigacker oder Brennfleck machen Appetit. Der ernst zu nehmende „Seigner“-Rosé von Schneider ist ebenso wie dessen „Ursprung“ eine Trinkfreude, der Sauvignon Blanc von Hammel mundet ebenso wie dessen Cuvée Marriage aus Chardonnay und Weißburgunder. Oder der Silvaner von Brennfleck und der Chardonnay von Pfaffmann.

Das Zehntel kostet meist um drei Euro, und in der Regel wird nicht ganz so pingelig eingeschenkt. Die Flaschenpreise sind sehr fair kalkuliert. Und wenn es irgendwann mal nach Theaterpremieren noch eine Kleinigkeit zu essen gibt, dann versuche ich auch die Flasche Pinot Noir vom neuseeländischen Edelweingut Cloudy Bay, die mich auf der Weinkarte verführerisch anlacht.

  • Hinweis für Gehbehinderte: Zum Lokal führt eine Stufe, eine kleine Stufe führt zu den Toiletten
  • Preiskategorie: günstig

Das „Weinbar Gegenüber“ Gegenüber in Hannover-Mitte im Branchenführer

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