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So gut schmeckt es im Gutshof Rethmar

HAZ-Restaurantkritik So gut schmeckt es im Gutshof Rethmar

Der Gutshof Rethmar will sich auch als Brauerei etablieren. Künftig sollen rund 40.000 Liter Bier im Jahr produziert werden. Handfest speisen kann man natürlich nach wie vor.  Ein Besuch.

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Begeisterte Brauer: Christoph (links) und Stephan Digwa bieten nicht alltägliche Biere aus eigener Herstellung an.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Ja, wo ist es denn nun? Die Speisekarte im Gutshof Rethmar ist umfangreich, auch das Getränkeangebot hat von allem etwas. Nur eines fehlt: Vom hauseigenen Bier ist darin nichts zu finden. Stattdessen Pils, Weizen, Dunkles überregional bekannter Marken, für die sich der Besuch in dem historischen Hof-Ensemble in Rethmar bei Sehnde nicht gelohnt hätte. Reichen die Kapazitäten der neu eingerichteten Brauerei etwa nicht aus? Gehen die Betreiber deshalb lieber nicht hausieren mit dem Haustrunk? Die Antwort ist viel einfacher: Die neuen Speisekarten sind schlicht noch nicht fertig. „Bald wird unser Bier den Mittelpunkt der Karte einnehmen“, kündigt Stephan Digwa an, der zusammen mit seinem Bruder Christoph die Brauerei in dem Gutshof eingerichtet hat.

Gutshof Rethmar

Gutsstraße 16,
31319 Sehnde-Rethmar
Telefon: (0 51 38) 60 69 13
www.gutshof-rethmar.de
Geöffnet: Mittwoch bis
Sonntag ab 12 Uhr,
Montag und Dienstag
geschlossen
Preiskategorie: moderat

Nach Jahren des Experimentierens mit kleinen Mengen haben die Brüder vor einem Vierteljahr den neuen 200-Liter-Braukessel in Betrieb genommen. Künftig sollen rund 40 000 Liter Bier im Jahr produziert werden - vornehmlich für den Ausschank im eigenen Haus. Nach Springe (Robens) und Hannover (Mashsee) hat nun also auch Sehnde seine Craft-Beer-Brauerei - so nennt man die meist jungen, innovativen Bierproduzenten, die auf handwerkliche Herstellung im kleinen Maßstab setzen. Der Gutshof Rethmar hat den Vorteil, dass man dort auch noch verköstigt wird - ein echter Brauereigasthof eben.

Auf dem Gutshof Rethmar gibt es neben zahlreichen Speisen jetzt auch selbstgebrautes Bier.

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Den früheren Bauernhof des Ritterguts Rethmar betreibt die Familie Digwa seit 2002 als Gaststätte und Veranstaltungszentrum, als Restaurant, Kneipe, Theater, Bowlingbahn. Rustikale Backsteinwände und schwere Holzbalken sorgen für urigen Charme in der früheren Schmiede, in der die Kneipe untergebracht ist. Dort sind Zigaretten erlaubt, der Nebenraum, der als Restaurant firmiert, ist dagegen rauchfrei, aber auch nicht ganz so gemütlich. Dennoch nehmen wir dort Platz - und müssen die Erfahrung machen, dass wir damit offenbar komplett aus dem Fokus des Serviceteams geraten sind. Kleines Anlaufproblem, danach klappt‘s besser, zügig und ausgesprochen freundlich.

Auch das hauseigene Bier wird uns ans Herz gelegt. Derzeit im Ausschank: ein ungefiltertes Pils, ein Hefeweizen, das dunkle Black M, ein 6,4 Prozent starkes Bockbier sowie das sogenannte Bikerbier mit nur 2,9 Prozent Alkohol. Gutshofbrauerei Das Freie - unter diesem Titel verkaufen die Digwas ihr Gebrautes. Der Name verweist auf das Privileg der Menschen der einst freien Siedlung, selbst brauen zu dürfen. Wir sind so frei und bestellen uns erst mal klassisch ein Kleines Freies - ein 0,3-Liter-Pilsner (2,75 Euro). Es ist süffig, bitter auf der Zunge und überrascht durch eine deutliche Hefenote - die Braumeister verzichten auf die meist übliche Filtrierung. Ein Bier mit Charakter.

Eine gute Idee sind die sogenannten Biertapas - Kleinigkeiten, die sich zum Getränk gut naschen lassen. Fünf sind im Angebot, wir nehmen drei zum Pauschalpreis von 10 Euro. Das gegrillte Gemüse im italienischen Stil - Zucchini, Pilze, Paprika, Auberginen mit Rosmarin aromatisiert - schmeckt fein. Der Harzer Käse mit Zwiebeln und Mixed Pickles ist rustikal, die Currywurst klassisch.

Die Spargelzeit hat in Rethmar ebenfalls schon begonnen. Die Stangen (mit Schnitzel 16,90 Euro) sind frisch, die Portion ausgesprochen üppig, nur beim Schälen war die Küche offenbar etwas schlampig. Und beim Schnitzel stellt sich uns die Frage, ob es sich um ein solches gehandelt hat. Zwei panierte Stücke Schweinefleisch lagen auf dem Teller, eines erinnerte eher an Kotelett, das andere hätte auch ein Braten werden können.

Inzwischen steht die nächste Runde an: Diesmal gibt es den Rotbock (0,3 Liter/3,85 Euro) - ein kräftiges, malziges Bier, das trotz des erhöhten Alkohols gut trinkbar ist. Wer es noch ausgefallener mag, greift zum Black M (0,3 Liter/3,85 Euro), einem Porter, tiefschwarz, bitter und fruchtig zugleich. Inzwischen würde fast ausschließlich das eigene Bier verkauft, sagt Digwa. Wer dennoch ohne Radeberger oder Herrenhäuser nicht kann, muss sich nicht sorgen - die sollen trotzdem im Angebot bleiben.

Mein Fazit: Frisch gebraut ist halb gewonnen.

Preiskategorien: günstig (Hauptgerichte bis 10 Euro),  moderat (bis 15 Euro), gehoben (um 20 Euro)

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