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Deutscher Wein ist wieder da

Hoch hinaus

Nicht immer, aber immer öfter: Der deutsche Wein meldet sich mit Spitzenqualität zurück – dabei war er nie weg.
Deutscher Wein ist wieder da.

Deutscher Wein meldet sich mit Spitzenqualität zurück.

© Rainer Dröse

Alles wird gut. Auch die Weinernte 2008, die in einigen Anbaugebieten gerade erst zu Ende ging, hat erfreuliche Ergebnisse gebracht. Toni Jost vom Mittelrhein urteilt: „2008 ist ein guter Jahrgang. Lediglich die edelsüßen Spitzen fehlen.“

Allerdings meint die Vereinigung Deutscher Prädikatsweingüter (VDP), Winzer und Kellermeister hätten „viel Fingerspitzengefühl und vor allem Nerven aus Stahl“ gebraucht. Auch das ist eine erfreuliche Entwicklung: Es gibt in Deutschland eigentlich keine schlechten Jahrgänge mehr (es sei denn, Frost oder Hagel vernichten Triebe und Reben), sondern nur Winzer, die falsch reagieren (und zwar auf dem Weinberg, nicht im Weinkeller). Doch die werden, gottlob für die Weinfreunde, immer seltener.

Der deutsche Wein ist wieder da. Aber er war eigentlich nie weg. Nur etwas im Schatten der großen Nachbarn und der Emporkömmlinge aus der Neuen Welt. In den Hintergrund gedrückt von Winzern, die mit ihrer Weinflut an Massenware den Geschmack der handwerklich sorgfältigen bis hochkarätigen Weine verwässerten. Übersehen von identitätsschwachen Deutschen, die alles, was von draußen kommt, erst einmal für besser halten. Und nicht verraten, aber doch verkauft von Exporteuren, die mit ihrer „Blue Nun“ oder ihrer „Liebfrauenmilch“ zwar gutes Geld verdienen, aber das Image des deutschen Weins im Ausland gehörig ramponierten. Wer vor Jahren selbst bei „Harrods“ in London in der Weinabteilung des Edelkaufhauses ins deutsche Eck schaute, konnte schamrot werden. Vorbei, verweht, nie wieder.

Nicht erst seit die „New York Times“ ein Loblied auf den deutschen Riesling sang, bekennen sich auch polyglotte Weinfreunde wieder zum Guten aus der Heimat. Dass die USA im Vorjahr der größte Importeur deutscher Weine war, muss uns dabei weniger freuen als die Tatsache, dass jenseits des großen Teichs immerhin 3,43 Euro pro Liter investiert wurde, während sich die Briten (als zweitwichtigster Kunde) mit Weinen für 1,52 Euro zufriedengaben. Den höchsten Durchschnittspreis für deutsche Weine zahlten die Schweizer (6,37 Euro) – gefolgt von Taiwan, Singapur und China!

Wobei Zahlen alleine noch nicht viel sagen. Auch wenn es deprimierend erscheint, dass der deutsche Privatverbraucher beim Discounter gerade mal 2,17 Euro pro Liter Wein ausgibt. Irgendwo muss die Massen(über)produktion ja hin. Manchmal findet man tatsächlich Schnäppchen, aber viel öfter Weine, die zum Weinen sind. Warum sollte der Unsinn der Agrarsubventionen, der Vernichtung von Überschüssen die Weingärtner übersehen? Es gibt nach wie vor zu viel Wein, den die Welt nicht braucht. Schön aber ist, dass es gleichzeitig immer mehr Wein gibt, auf den die Welt sich freut. Auch in und aus Deutschland.

Dafür gibt es viele Gründe. Beispielsweise den, dass der deutsche Verbraucher bereit ist, beim Winzer oder bei der Winzergenossenschaft einen Durchschnittspreis von 4,90 Euro zu entrichten. Wenn man weiß, dass seriöse Winzer im Lande den fairen Mindestpreis für ihr Produkt (je nach Anbaugebiet) mindestens bei rund 4 Euro sehen, dann stehen die Anzeichen gut, dass Qualität sich wieder lohnt.

Denn nach oben ist die Skala durchaus offen. Nicht nur edelsüße Beeren- und Trockenbeerenauslesen können bei Spitzenwinzern dreistellige Beträge kosten. Auch die seit einiger Zeit erfolgreich lancierten „Ersten Gewächse“ oder „Großen Gewächse“, mit denen man französischen Grand Crus etwas Ebenbürtiges zur Seite stellen will, kommen bei Genießern gut an und erzielen meist Preise zwischen 20 und 25 Euro für einen trockenen Weißwein der Sonderklasse. Edlere deutsche Rote können schnell das Doppelte kosten. Aber das Schöne ist, dass auch und gerade die einfacheren Qualitäten zumindest beim Winzer Ihres Vertrauens konstant gut sind.

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  • Ein Schlückchen in Ehren... Rainer Wagner – 11.11.10
    Hallo Herr Wagner,
    ihr Artikel war in ganz meinem Sinne.
    Übrigens soll es schon mehrere Restaurants geben, in denen nicht der Gast den bestellten Wein probiert,sondern der Sommelier.

    Das sollte eigentlich überall so sein, denn die lachhafte Sitte, dem Gast den ersten Schluck des Weines zu geben ist ebenso lästig wie peinlich.
    Letzlich ist doch wohl der Weinkellner dafür verantwortlich, ob der Wein in Ordnung ist oder nicht.
    Falls er einen Fehler feststellt, wird er diskret eine neue Flasche holen und nicht mit dem Gast darüber diskutieren.

    Mit besten Grüßen
    Jürgen Behrens
  • Wein Trinker – 19.07.10
    Was wird hier eigentlich für ein Gedöns um Wein gemacht? Gibt es eigentlich wirklich diese Leute, die vornehm am Weinglas riechen und so tun, als würden sie irgendwelche "Aromen" (Leder (!), Beeren,Petroleum (!!) pp.) wahrnehmen? Hauptsache, das Zeug schmeckt.... Ist doch eigentlich egal, wonach - oder? Bin gespannt auf die Stellungnahmen der Mitleser....

    (P.S.: Ironischerweise lautet gerade der Code für die Abgabe des Kommentars "Piwo" - Tscheschisch/Russisch für "Bier"....)
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