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Mit der Zweiten riecht man besser

Zum Einstieg Mit der Zweiten riecht man besser

Wer sich als Einsteiger in die Weinwelt begibt, benötigt Zeit zum Entdecken, Mut zum Erproben – und eine gute Nase.

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Fruchtig, erdig oder holzig? Der Geruchstest lässt die Komplexität des Weinbuketts erahnen.

Quelle: Ralf Decker

Wein ist ein Fruchtsaft für Erwachsene, sagen manche Weintrinker. Also fröhlich eingeschenkt – wenn es nur so einfach wäre! Wer jemals im Supermarkt vor dem Weinregal stand, also dort, wo 80 Prozent der Deutschen ihren Wein kaufen, der kennt die ratlose Verzweiflung: Welche Flasche soll’s denn sein?

Hunderte Rebsorten und die buntesten Etiketten warten auf den Käufer – ein Nichtkenner ist da heillos verloren. „Der Weinhandel ist unüberschaubar“, sagt Janine Weiß, Weinakademikerin aus Hannover. Auch die Beschreibungen auf vielen Etiketten helfen nicht: zu ähnlich, zu ungenau. Die 30-jährige Sommelière rät zum Gang ins Fachgeschäft; nur dort erfährt der Neuling eine kompetente Beratung und kann seinen Geschmack vortragen – und ebenso das geplante Menü, mit dem der Wein ja harmonieren soll.

Mit dem Entkorken beginnt die Erlebnisreise durch die Weinwelt. „Man kann nicht alles wissen“, tröstet Weiß. Seminare, Literatur und Verkostungen helfen Unerfahrenen weiter, auch Weiß bietet Schulungen an ( www.chenin-blanc.org). Basiswissen lässt sich nur mit Training aufbauen, und die Teilnehmer lernen anhand einer Checkliste, mit welchen Begriffen sich der Wein beschreiben lässt: Farbe, Farbtiefe, Klarheit, Duft, Geschmack – dieses Gefüge lässt Kenner auf die Qualität schließen. Einsteigern empfiehlt die Weinakademikerin, den Wein zu personifizieren: Da man vom Körper sprechen, „kann man ihn unterscheiden in dünn, vollschlank, voluminös“. Schnell gebe sich so der gute Kumpel oder der zurückhaltende Fremdling zu erkennen.

Einige Grundregeln verrät die Expertin: keinen Wein unter fünf Euro kaufen. „Der beste Genuss liegt im Einzelhandel zwischen sieben und 20 Euro. Gibt man mehr aus, muss es etwas Spezielles sein.“ Zweiter Grundsatz: sich Zeit nehmen, den Wein zu entdecken. Und: jedem Wein eine zweite Chance geben, denn ein neuer Geschmack erschließt sich auch bei wachen Sinnen nicht sofort.

Apropos: Während die Zunge nur vier Geschmacksempfindungen kennt (süß, salzig, sauer, bitter), übernimmt die Nase die Hauptrolle beim Weintrinken – sie vermittelt Vielfalt und Feinheiten. Das Glas füllt man deshalb nur zu einem Drittel und schnuppert zunächst („erste Nase“), dann schwenkt man es und riecht ausführlich („zweite Nase“). „Durch den Sauerstoff werden die Aromamoleküle des Weins besser über die Nasenschleimhaut aufgenommen“, sagt Weiß.

Riecht der Wein fruchtig, erdig oder holzig? Bis zu tausend Nuancen kann er in sich tragen – die Beschreibung „beerig“ wäre zu pauschal: Sind es rote oder schwarze Beeren, ist es Kernobst oder eine tropische Frucht? Je mehr Aromen sich vereinen, desto komplexer ist das Weinbukett; aber jede Rebsorte hat auch ihre charakteristische Aromatik. Im Cabernet Sauvignon etwa dominiert die schwarze Johannisbeere – und entwickelt sich doch unterschiedlich. Wer Cabernet aus Frankreich und Chile vergleicht, erkennt die Differenz nicht erst, wenn alle Geschmacksnerven im Mund damit ausgefüllt sind. „Es gibt viele Faktoren, die auf Geschmack und Geruch einwirken: Sonne, Boden, Wasser, Hangneigung, Flussnähe …“, sagt Weiß.

Deshalb sollten Weinfreunde nicht pauschalisieren und nur eine bestimmte Rebsorte bevorzugen. „Viele Einsteiger sagen, dass sie Merlot mögen, weil er so fruchtig ist“, erzählt die Sommelière. Doch es gebe viele Varianten dieser Rebsorte, den unterschiedlichsten An- und Ausbau. Wer aber Qualitäts- vom Massenwein unterscheiden will, sollte auf dem Etikett zumindest die Rebsorte, den Jahrgang und die Qualitätsbezeichnung finden. Bei deutschen Weinen ist dies Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein.

Ein weiterer Tipp für Einsteiger: Freunde treffen, jeden eine verhüllte Flasche mitbringen lassen – und gemeinsam schlürfend (vergessen Sie kurz Ihre Erziehung) verkosten: Wie riecht der Wein, wie schmeckt er? „Es ist spannend, herauszufinden, welchen Wein man selber mitgebracht hat“, sagt Weiß. Zu kalte Temperaturen verdecken dabei die Aromen; ein leichter Weißwein ist bei 6 bis 8 Grad richtig serviert, die Tannine eines Rotweins entfalten sich bei 18 Grad besser.

Fehlt noch Mut. Nur wer neue Weine ausprobiert, erweitert seinen Erfahrungsschatz. Denn das Schöne am Wein ist: Es gibt kein richtig oder falsch, es gibt nur den persönlichen Geschmack. Und der entwickelt sich am besten in der Praxis.

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