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Verschlusssache Wein

Korken oder Drehstopfen Verschlusssache Wein

Kork und Konsorten: Bei vielen Winzern sind Glas- und Drehstopfen längst nicht mehr verpönt.

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Traditionalisten halten Naturkorken für den optimalen Verschluss einer Weinflasche.

Quelle: Ralf Decker

Natürlich gibt es noch Menschen, die einen Naturkorken für den optimalen Verschluss einer Weinflasche halten: Traditionalisten, Winzer, die sich keine neue Abfüllanlage leisten können oder wollen – und natürlich Korkeichenbesitzer. Unter Weinfreunden kann man noch immer hitzige Diskussionen über das Pro und Kontra des Korken führen, vorzugsweise bei einem schönen Glas Wein. Doch die Profis sind längst überzeugt, dass der Kork nicht mehr automatisch oben schwimmt, wenn es um die Verschlusssache Wein geht.

Der Grund dafür ist schnell benannt: Korkschäden. Der chilenische Edelwinzer Eduardo Chadwick hat es auf den Punkt gebracht: „Kein anderer Produzent würde riskieren, dass bis zu fünf Prozent seiner Produktion durch die Verpackung ruiniert wird.“ Und die Marge von fünf Prozent umschreibt nur die offensichtlichen Fehler, die meist durch den Kohlenwasserstoff 2,4,6-Trichloranisol (kurz: TCA) hervorgerufen werden. In der Branche hört man, dass bis zu 15 Prozent aller verkorkten Weine nicht so sind, wie sie sein sollten. Dass im Zweifelsfalle die eine Flasche anders schmeckt als die zweite, ist kaum im Sinne des Erzeugers.

Aber garantiert nicht der Kork, dass der Wein „atmen“ kann? Das ist ein gerne gehörtes, aber sinnfreies Argument. Gute Korken verschließen eine Flasche luftdicht, das ist der Sinn der Sache. Und die Luft zum Nachreifen findet sich in jenem Zentimeter zwischen Kork und Wein oder ist in der Flüssigkeit gelöst. Beste Qualitäten werden gewiss weiterhin die Topqualitäten verschließen, aber das ist nicht zuletzt ein Image- und Marketingphänomen. Ansonsten dürfte die Zukunft des Weinkorkens so bröckelig sein wie mancher schlechte Kork.

Die zweitschlechteste Lösung ist der Plastikkork. Nur ist der Synthetikpfropf oft nicht ganz luftdicht, weshalb so verschlossene Weine oft schneller altern als verkorkte. Obendrein sind viele Plastikkorken nur mit Mühe zu entfernen und mit noch mehr Mühe wieder einzuführen.Wer sich vom Kork abwendet, hat vor allem zwei Alternativen im Blick: den Glasverschluss und den Drehverschluss. Der „Vino Lok“-Glasstopfen sieht nicht nur gut aus, er ist auch praktikabel, weil er die Flasche wieder dicht schließt – dafür sorgt ein kleiner Kunststoffring am Ende des Zapfens. Der allerdings macht Theoretikern und notorischen Skeptikern zu schaffen, weshalb über Alternativen nachgedacht wird. Aber mittlerweile verschließen deutsche Weingüter wie Schloss Vollrads selbst Trockenbeerenauslesen mit dem „Vino Lok“-Verschluss. So soll das Image des Verschlusses vom Image des Weins profitieren.Womit die deutschen Winzer einen Fehler vermeiden würden, der ihnen beim Drehverschluss unterlaufen ist. Wer zunächst die schlichten Weine mit schlechten Drehverschlüssen versieht, muss sich nicht wundern, wenn der Verbraucher auch dann skeptisch bleibt, wenn mittlerweile elegante und funktionale Drehverschlüsse wie der Stelvin auch beste Qualitäten versorgt. Der Drehverschluss ist praktisch – und deshalb nicht nur bei deutschen Winzern beliebt, die mit Glasstopfen vor allem in den haftungsneurotischen USA Absatzprobleme haben.

Zumindest genauso praktisch ist ein Verschluss, der nur ein Nischendasein pflegt: die „Stainless Cap“. Dahinter verbirgt sich der gute, alte Kronkorken. Immerhin wird auch Champagner bei der Flaschengärung mit Kronkorken verschlossen. Das kleinere Problem dabei: Die Flasche lässt sich kaum wieder dicht verschließen. Das größere Problem: Es gibt immer wieder Lieferprobleme bei den nötigen Spezialflaschen. Bleiben noch Verpackungen, die auf Glas verzichten. Noch werden in Dosen vorzugsweise „Schickimicki-Prosecco“ und Billig-Neue-Welt-Weine abgefüllt, und die Plastik-PET-Flaschen sind vor allem für Fluggesellschaften interessant, die Gewicht einsparen wollen.

Dann gibt es den Schlauch solo, den Schlauch im Karton und den Karton solo – auch Tetrapack genannt. In Deutschland finden sich derzeit nur Schlicht-Qualitäten im Tetrapack, in Spanien, Frankreich oder Argentinien ist der Pappquader im Vormarsch. Kulturkritiker mögen sich trösten, dass nicht ganz schlecht sein kann, was auch für Milch taugt. Der Weinschlauch, auch „Pauchpack“ genannt, ist eher unpraktisch, weil man mit der einen Hand den Schlauch hochhalten und mit der anderen unten den Verschluss aufdrücken muss. Dagegen hat der Schlauch im Karton (BIB alias „Bag in Box“) den Vorzug, mit einer Hand bedient zu werden. Weil der Wein im Schlauch luftdicht verpackt ist, hält er wesentlich länger, weshalb diese Kartons bei Langsamtrinkern besonders beliebt sind. Und bei den meisten BIB-Weinen lohnt es sich sogar, auch einen zweiten oder dritten Schluck zu nehmen.

von Rainer Wagner

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