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Wein als Geldanlage Zocken am flüssigen Objekt

Wein ist nicht immer eine sichere Wertanlage – mit der Reife steigt das Risiko.

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So manch eine Weinsammlung ist wahrlich eine flüssige Geldanlage.

Quelle: Frank Wilde

Der Weinkeller als Tresor, der flüssige Schatz als Geldanlage, der sich mit Gewinn verflüssigen lässt – davon träumt mancher Weinfreund. Aber wer auf Gewinn spekuliert, kann auch einen Kater erleiden, ohne einen einzigen Tropfen getrunken zu haben.

Immer wieder hört und liest man von spektakulären Preissteigerungen, von Rekorden bei Auktionen. Wein als Geldanlage bleibt allerdings ein riskantes Geschäft: Gerade wenn es um sensationelle Rekordpreise bei Versteigerungen insbesondere in den USA geht, sollte der Weinfreund genau hinsehen, ob es nicht eine „Charity“-Aktion war, bei der man für einen guten Zweck besinnungslos spendet (da könnte man auch die Socken von Brad Pitt versteigern). Aber auch stolze Preise für renommierte Weine können relativ sein, solange man nicht weiß, wie einst die Grundinvestition war und wie sich dieser Betrag anderweitig verzinst hätte.

Marktgängig sind nur wenige Spitzenweingüter, allen voran die großen fünf aus dem Bordelais, dazu Château Pétrus und Romanée-Conti im Burgund sowie „Super Tuscanys“, aber auch bei Top-Toskanern bröckeln schon mal die Preise. Natürlich gibt es Glücksfälle auch für Spekulanten. Die großen Bordeaux-Weine etwa werden als Subskription angeboten: Es gibt ein erstes Angebot, der Kunde zeichnet und zahlt (und wartet dann noch zwei Jahre auf die Lieferung). Wenn diese erste Tranche verkauft ist, folgt eine zweite und gelegentlich auch eine dritte mit jeweils erhöhtem Preis; die Weingüter testen so, was der Markt hergibt. Wer da einen Spitzen-Bordeaux des Superjahrgangs 2005 in der ersten Tranche gezeichnet hatte, konnte sich getrost zurücklehnen, zusehen, wie die Preise steil anstiegen – und vom Zugewinn jenen Teil refinanzieren, den er selbst behalten wollte. Damals hatte man mit Preisen um 120 bis 150 Euro gerechnet, am Ende waren es 500 Euro und mehr. Eine Flasche Château Pétrus kostet mittlerweile gar 3200 Euro. Aber selten rentiert sich eine Investition so schnell; meist wird der Mehrwert durch Warten erzeugt. Aber damit steigt das Risiko: Während Gold nicht schimmelt, auch wenn es im finstersten Keller liegt, ist Wein ein lebendes Produkt mit allen Risiken. Selbst optimal gelagerte Flaschen reifen nicht nur, sie altern auch – vor allem der Korken.

Nun bieten große Weingüter die Chance, seine Schätze überprüfen zu lassen. Das geschieht meist vor Ort und kostet Geld. Eine Ausnahme ist das australische Nobel-Weinhaus Penfold’s, das mit seiner „Recorking Clinic“ den Notarzt auf Rädern gibt. 90 000 Flaschen hat man in den vergangenen 17 Jahren untersucht, kürzlich auch – zum ersten Mal – in Deutschland: Insgesamt 20 Weinfreunde waren nach Süddeutschland gekommen, um dort 247 Flaschen zur Prüfung vorzustellen. Das waren Sammler, aber auch Sommeliers großer Hotels in Hamburg oder Wien.

Chef-Weinmacher Peter Gago und sein Team konnten drei Flaschen ungeöffnet für gut befinden, Füllstand und Kork waren perfekt. Alle anderen Flaschen wurden geprüft – Schluck für Schluck: 197 wurden für sehr gut befunden, mit dem aktuellen Jahrgang desselben Weins aufgefüllt, neu verkorkt und mit einem Siegel versehen. 44 der verkosteten Flaschen waren nicht in Bestform, aber für den baldigen Genuss noch geeignet. Bei drei Flaschen allerdings war nichts mehr zu retten: Sie wurden weder aufgefüllt noch neu verkorkt. Darunter auch ein 1955er Grange, der bis dahin rund 1800 Euro wert war – zumindest auf dem Papier.

Hier beginnt die Zockerei: Lässt man die Flasche ungeöffnet und ungeprüft, hat sie einen, wenn auch nur virtuellen Wert. Will man aber gute Chancen haben, sie zu diesem Preis bei einem der großen Auktionshäuser einzureichen, dann ist ein TÜV-Siegel des zuständigen Weinguts dabei nicht nur behilflich, es steigert den zu erzielenden Preis. Und selbst wenn alle Bedingungen erfüllt sind, muss es auch auf dem Lebenskunstmarkt Käufer geben. Noch gibt es genügend Neureiche nicht nur im Fernen Osten, die sich zumindest um die Renommierweine streiten – aber wie lange noch? Und für welche Weine?
Wer Wein als Wertobjekt betrachtet, dem sollte der private Lustgewinn beim Austrinken wichtiger sein als der mögliche Buchgewinn. Sicher sind die Prozente nämlich nur, wenn es um den Alkoholgehalt geht. Und selbst da können Zahlen (in Maßen) lügen.

von Rainer Wagner

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