Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Aroma aus Austria

Tomatensorten Aroma aus Austria

Sie heißen Rote Birne, Weißer Pfirsich oder Black Cherry. Wer probieren möchte, muss keine Obstbäume erklimmen. Es handelt sich schließlich um Tomaten. Und die wachsen nicht in den Himmel, holen ihn aber geschmacklich in greifbare Nähe.

Voriger Artikel
So werden Kräuter richtig geerntet
Nächster Artikel
Eine bunte Tüte, bitte!

Man nennt ihn auch „Tomatenpapst“: Erich Stekovics. Foto: dpa

Quelle: Barbara Neveu

Im Supermarkt wird man vergeblich nach diesen Delikatessen suchen. Sie überzeugen im Aroma, sind aber völlig ungeeignet für die Massenproduktion. Die erfordert hohe Erträge, makelloses Aussehen und gute Haltbarkeit. Statt in der Erde stecken die Wurzeln moderner Hybridsorten in einer perfekt auf die Bedürfnisse des Marktes abgestimmten Nährlösung. Schade, dass bei dieser Form des Anbaus das Aroma zuweilen buchstäblich verwässert wird. Doch die Zeiten ändern sich, die Nachfrage nach traditionellen Tomatensorten steigt. Und die müssen weder groß noch rot sein.

Tomaten statt Theologie

Die Suche nach dem verloren gegangenen Geschmack treibt viele Menschen um. Jedes Jahr finden ihn rund 2000 Menschen bei Erich Stekovics. So viele Besucher führt er im Durchschnitt pro Jahr über seine Tomatenfelder. Sein in Frauenkirchen, nahe der ungarischen Grenze, gelegener Gartenbaubetrieb hat sich längst zum Wallfahrtsort für Tomatenfreunde entwickelt. Dort, im Burgenland, nennt man die Tomate wie in ganz Österreich „Paradeiser“, was zumindest für jene himmlisch schmeckenden Sorten, die hier gedeihen, eine treffende Bezeichnung ist.

Erich Stekovics, der Theologie studierte und ursprünglich Pfarrer werden wollte, übernahm 1999 den Gemüseanbaubetrieb seines Vaters und missioniert heute in Sachen Aroma. Mit großem Erfolg - er nennt sein Unternehmen „Paradies der Paradeis“ und baut im Tomatenhimmel auf Erden mittlerweile rekordverdächtige 3200 Sorten an. Rund 130 davon kann man bei ihm als Setzlinge kaufen.

Und welche schafften den Sprung ins Sortiment? Erich Stekovics gibt sich basisdemokratisch: „Das entscheiden meine Besucher. Nach jeder Führung entscheiden sie sich für einen Favoriten. Am Ende der Saison werden die Stimmen ausgezählt.“ Den Wählern dürfte die Entscheidung nicht leicht fallen. Schließlich haben sie nach einer drei- bis vierstündigen Führung durch die Tomatenfelder zahllose Sorten genascht.

Geschmack in jeder Größe

Im vergangenen Jahr landete mit Ananas Noire eine große, rot und grün gestreifte Fleischtomate bei den Besuchern ganz vorne. Erich Stekovics‘ ganz persönlicher Favorit, die Gelbe Johannisbeere, ist allerdings bedeutend kleiner und trägt nur murmelgroße, leicht nussig schmeckende Tomaten: „Diese Pflanze verkaufe ich am meisten und sie ist zugleich meine große Liebe unter den Paradeisern. Ich habe sie als erste Sorte angebaut. Für mich hat sie quasi das Tor zur Paradeiser-Vielfalt geöffnet.“ Und auch wenn die Früchte winzig sind: Bei bis zu 6000 Perlen an einer einzigen Pflanze lohnt sich der Anbau im Garten. Zumal sie zu jenen Sorten gehört, die auch ohne Gewächshaus bestens gedeihen und wenig Pflege brauchen, ganz im Sinne von Erich Stekovics.

Geizen mit dem Gießen

Er ist fest davon überzeugt, dass auch seine ganz persönliche Art der Tomatenkultur für den guten Geschmack sorgt. Er greift nicht zum Gartenschlauch: „Gießen ist das Schlimmste, was Sie Paradeisern antun können. Es verwässert das Aroma und verhindert, dass die Pflanzen tiefe Wurzeln bilden.“ Eine der vielen Sorten, die auf diese Weise bestens gedeihen ist Broad Ripple Yellow Currant. Die kerngesunde Cocktailtomate mit dem schwer zu merkenden Namen liefert ihre kleinen gelben Früchte bis zum Frost. Einfach so, ohne Ausgeizen, ohne Gewächshaus, ohne eine Extraportion Wasser und das in Hannover ebenso wie im sonnenverwöhnten Burgenland.

Einziger Haken: Um Setzlinge dieser und anderer Raritäten muss man sich bemühen. Erich Stekovics verkauft seine Schützlinge nicht per Versand, sondern nur vor Ort in Frauenkirchen. Kein Wunder, dass sich Tomatensetzlinge dort zu einem begehrten Urlaubssouvenir entwickelt haben.

Mehr Informationen gibt es unter www.stekovics.at. Bücher von Erich Stekovics sind im Ulmer Verlag erschienen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Garten & Balkon

Was sollten Sie jetzt im Garten tun? Was macht in diesem Monat besonders Spaß? Und was sollten Sie jetzt nicht vergessen? Tipps für Garten und Balkon jeden Monat neu.

Wie kann ich meinen Garten winterfest machen? Und was muss man beim Rosenschnitt beachten? Zum Thema Grün gibt es unzählige Fragen. Ab sofort können Sie uns Ihre Fragen rund um das Thema Garten und Balkon schicken. Die HAZ-Redaktion wird sie ausgewählten Experten stellen. Eine Auswahl der Antworten veröffentlichen wir regelmäßig auf Ihrer Ratgeberseite „Im Grünen“. Natürlich ist dieser Service für Sie kostenlos.

Das lässt sich jetzt ziehen

Radieschen, Zucchini und Salat – das lässt sich jetzt schon für den Garten ziehen.

Informieren Sie sich über neue medizinische Studien und lesen Tipps, wie Sie mit wenig Aufwand gesund leben.