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Brennnesseljauche fürs Gemüsebeet

Dünger selbst herstellen Brennnesseljauche fürs Gemüsebeet

Ohne zusätzliche Nährstoffe bleibt die Ernte im Nutzgarten mickrig: Guten Dünger können Hobbygärtner sogar selbst herstellen

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Lästig auf der Haut, gut für die Ernte: Brennnesseln sind ideale Nährstofflieferanten.

Quelle: dpa

Wer im Gemüsegarten eine anständige Ernte einfahren will, muss seine Zöglinge schon beim  Pflanzen und je nach Sorte auch zwischendurch mit den richtigen Nährstoffen versorgen. Schnell und einfach geht das mit mineralischen Fertigdüngern aus dem Gartenmarkt. Im Biogarten haben die allerdings nichts zu suchen. Bereits bei der Produktion verbrauchen Kunstdünger, jede Menge wertvolle Ressourcen und die darin enthaltenen Nährstoffe entschwinden meist viel zu schnell  ins Grundwasser. Wenn es schon praktisch und ohne großen Aufwand sein muss, sind organische Biodünger auf jeden Fall die bessere Wahl.
Aber es geht auch anders: Ich versorge den Boden in meinen Gemüsebeeten bereits im Herbst großflächig mit Hornspänen. Bis zum Beginn der nächsten Saison sind sie so weit abgebaut, dass ihre Nährstoffe gut von den Jungpflanzen aufgenommen werden können. Starkzehrer wie Tomaten und Kohl bekommen noch eine Handvoll davon ins Pflanzloch, und für alle gibt es im Frühjahr eine Portion reifen Kompost zur Verbesserung und Belebung des Bodens. Für die ersten Wochen sind die Gemüsepflanzen damit bestens versorgt.

Zutaten aus dem Garten

Aber bald schon wollen die gefräßigen unter ihnen zusätzlich Nährstoffe haben. Was nun? Ich empfehle Jauche: Gut möglich, dass Ihr Garten schon alles dafür zu bieten hat, was Ihr Gemüse jetzt braucht. Und wenn nicht, ist es einfach, sich die Zutaten auf einer nahe gelegenen Wiese oder am Waldrand zu beschaffen. Bei mir dürfen direkt neben dem Kompost auf rund zwei Quadratmetern Brennnesseln kontrolliert wachsen. Die jungen Triebe benutze ich als Mulch oder verarbeite sie zu Jauche. Brennnesseln enthalten reichlich Stickstoff – und den brauchen Gemüsepflanzen für ein zügiges Wachstum: In der Jauche ist er in schnell verfügbarer Form enthalten, und beim Mulchen steht er den Pflanzen langfristig zur Verfügung.
In einem schmalen Seitenstreifen an der Grenze zum Nachbargarten stehen einige Beinwellpflanzen, auch bekannt unter dem Namen Comfrey. Gerade blühen sie lila und ziehen jede Menge Insekten an. Das ist aber nicht der Grund, warum sie so viel Platz einnehmen dürfen. Sie enthalten jede Menge Kalium – wichtig für Aroma und Blattfarbe – und ergänzen damit meine selbst gemachte Düngermischung perfekt.
Eine Jauche anzusetzen ist wirklich nicht schwierig. Einfach eine alte Regentonne zur Hälfte mit grob zerkleinerten Brennnesseln und Beinwellblättern füllen, Wasser zugeben, einmal am Tag mit einem langen Stock umrühren und wenn es zu stark riecht, mit Urgesteinsmehl bestäuben. Nach rund zwei Wochen, wenn es aufhört zu schäumen, ist die Jauche fertig. Mir reicht ein Fass für den ganzen Sommer. Die Jauche verwende ich 1 : 10 verdünnt alle sieben Tage zum gießen. 

Im Herbst Gründünger einsäen

Zwischen August und Oktober säe ich auf den abgeernteten Beeten Pflanzen aus, die ich als Gründünger verwende: Lupine, Phacelia oder Senf bilden schnell Blattmasse. Dass sie auch schön blühen und nützliche Insekten anlocken, kommt meinem Garten zusätzlich zugute. Ihre Aufgabe ist aber vor allem die Versorgung der Beete mit Stickstoff und die Anregung des Bodenlebens. Mit ihren Wurzeln lockern sie die Erde tiefgründig auf. Die abgestorbene Blattmasse wird über Winter von Bodenlebewesen zersetzt und stellt der nächsten Gemüsegeneration im Frühjahr neue Nährstoffe zur Verfügung. Ein wunderbarer Kreislauf, der für einen gesunden Gartenboden sorgt.
Ich liebe Tomaten. Deshalb bekommen sie auch immer eine Sonderbehandlung und sitzen als VIP-Gemüse quasi in der ersten Klasse. In diesem Jahr habe ich dafür tief in Omas Trickkiste gegriffen. Meine Maßnahme klingt etwas skurril, funktioniert aber und lässt sich sogar wissenschaftlich erklären. Neben der normalen Versorgung mit Hornspänen hat jede Pflanze zusätzlich ein
Extraschmankerl bekommen. Dazu habe ich das Loch ein wenig tiefer als sonst ausgehoben und Fischabfälle vom Fischhändler darin versenkt. Die werden etwa 10 Zentimeter hoch mit Erde bedeckt, bevor die Tomate gepflanzt wird. Bis ihre Wurzeln den Fisch erreichen, wird er von Bodenlebewesen in appetitliche Häppchen zerlegt. Dabei gibt er reichlich Kalium und Phosphor frei – was das Aroma, die Blattentwicklung und den Fruchtansatz hervorragend unterstützt.

Brennnesseljauche für Tomaten

Während der Saison bekommen meine Tomaten außerdem jede Woche einen Guss 1 : 10 verdünnte Brennnesseljauche.Und wenn ich Material habe, gibt es zudem eine Mulchdecke aus Brennnesseln, Beinwell und Tomatenblättern. Außerdem überbrause ich die Erde vor dem Pflanzen mit Schachtelhalmbrühe (kaufe ich als Konzentrat). Auch die Blätter kriegen an warmen, trockenen Tagen ab und an eine Dusche damit. Das festigt die Blattstruktur und wirkt vorbeugend gegen die berüchtigten Pilzkrankheiten, zu denen auch die unangenehme Braunfäule gehört: Nun kann die Ernte kommen.

Von Anja Klein

Wichtige Pflanzennährstoffe

Stickstoff (N): Lässt Ihre Pflanzen wachsen. Bei Stickstoffmangel bleiben die Pflanzen klein und schwach.
Kalium (K): Wichtig für das Aroma der Früchte und die Farbe der Blätter.
Phosphor (P): Sorgt für einen guten Blüten- und Fruchtansatz. Wichtig für Wurzelwachstum. Ist oft schon ausreichend im Boden vorhanden.

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