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Mein Soja-Experiment

Exot im heimischen Garten Mein Soja-Experiment

Viel Wasser, Schutz vor Vögeln und kein Unkraut: Mit ein paar Tricks gedeiht die Sojabohne auch hierzulande im heimischen Garten prächtig. Ein paar Tipps für den Anbau ...

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Ich experimentiere gerne und probiere jede Saison neue Gemüsesorten und ungewöhnliche Anbaumethoden aus. Der Aufruf des Tofuherstellers Taifun und der Universität Hohenheim mithilfe von vielen Gärtnerinnen und Gärtnern eine Sojabohne zu finden, die auch in unserem Klima gut wächst, hat daher bei mir offene Türen eingerannt. Auf acht Quadratmetern wachsen in meinem Garten in diesem Jahr also Sojabohnen.

Gesät habe ich sie am ersten schönen Tag im April. Das Gartenbeet wurde dafür wie für jede andere Pflanze vorbereitet. Unerwünschtes Unkraut wurde entfernt, der Boden mit der Grabegabel gelockert und mit dem Rechen ein feinkrümeliges Saatbeet bereitet. Reihenabstand, Saattiefe und Pflanzenabstand unterschieden sich nicht wirklich von denen anderer Bohnensorten. Allerdings mussten die Bohnen vor der Saat mit einem Impfmittel aus speziellen Knöllchenbakterien präpariert werden. Sie versorgen die Pflanze später mit Stickstoff. In der asiatischen Heimat der Sojabohne sind die Knöllchenbakterien bereits im Boden vorhanden. Bei uns müssen sie bei der Aussaat zugefügt werden.

Guter Schutz vor Vögeln

Damit die Ergebnisse später wissenschaftlich ausgewertet werden können, musste ich ganz genau notieren, welche Bohne wo gesät wurde. An jeder Reihe wurde also ein Pflanzschild befestigt und zur Sicherheit das Ganze noch einmal fotografiert, falls sich ein Vogel in eines der Schilder verliebt und es zum Nestbau verwendet. Lieber wären den Vögeln die Bohnen selbst gewesen. Während der Aussaat hatte ich das Gefühl, die Amseln, Elstern und Tauben haben die Reihen schon unter sich aufgeteilt, so lautstark haben sie meine Aktivitäten von den umliegenden Bäumen aus kommentiert. Ich vermute, die Enttäuschung war entsprechend groß, als das ganze Beet mit einem Netz vogelsicher abgedeckt wurde.

Schnecken schmeckt Soja

Nach dem wunderbaren Frühlingsbeginn im April war der Mai bekanntermaßen wettermäßig nicht so der Bringer. Zuerst extrem niedrige Temperaturen und dann massig Regen, Hagel und Gewitter. Es hat ganz schön lange gedauert bis die Sojabohnenkeimlinge überhaupt zu sehen waren. Ich dachte schon, die Mäuse haben sie unbemerkt verspeist. Haben sie nicht. Aber als es dann endlich so weit war, waren die Schnecken überraschend schnell zur Stelle. Ein Teil der zarten Keimlinge ist in ihren Mägen verschwunden. Das hat einigen anderen dafür einen satten Vorsprung verschafft. Ab einer gewissen Größe scheinen die Blätter nicht mehr ganz so interessant für die Schneckenschar zu sein. Außerdem können Sojapflanzen durch ihr hohes Verzweigungspotenzial frühe Fraßschäden gut kompensieren.

Unkrautbekämpfung ist das A und O

Nachdem die ersten richtigen Blätter zu sehen waren, wurden alle Reihen von mir vorschriftsmäßig auf vier Zentimeter Pflanzabstand ausgedünnt und die überzähligen Pflänzchen als Mulch (bzw. Schneckenfutter) zwischen den Reihen liegen gelassen.

Sojapflanzen gehören zu den klassischen Spätstartern im Gemüsegarten. Es dauert, bis sie in die Gänge kommen, an Höhe und Blattmasse zunehmen und Früchte ansetzen. Das gemeine Ackerunkraut kommt wesentlich schneller zur Sache. Bevor so ein zartes Sojapflänzchen sein zweites Blattpaar bildet, spuckt ihm die Ackerdistel schon auf den Kopf. Schon klar, dass das den sensiblen Sojapflanzen nicht gefällt und ich anfangs gut mit der Beseitigung des unerwünschten Beikrauts beschäftigt war. Eine wirkungsvolle Unkrautbekämpfung ist wirklich entscheidend für den Anbauerfolg bei Sojabohnen.

Soja liebt es feucht

Neben der Konkurrenz durch Unkrautbewuchs können Sojapflanzen mit Wassermangel nicht gut klarkommen. Sie haben es gerne feucht. Vor allem Ende Juli und im August. Dann bilden sich die Hülsen und vor allem der Hülseninhalt, die leckeren Sojabohnen.

Geschmack wie Zuckererbsen

Eine Erkenntnis, die mich in diesem doch sehr feuchten Sommer ein wenig mit dem Wetter versöhnte. Wassermangel war bis August wirklich kein Problem. Entsprechend gut sehen die Sojapflanzen inzwischen aus. Sie stehen rund 50 bis 70 Zentimeter hoch, haben sich gut verzweigt und viele Hülsen gebildet. Weder Schnecken, Tauben noch Unkräuter können ihnen jetzt noch etwas anhaben. Ganz deutlich zeichnen sich die Bohnen unter den Hülsen ab. Ich habe mal ausnahmsweise eine probiert. Sie schmecken ein bisschen wie Zuckererbsen.

Bis zur Ernte dauert es noch. Je nach Sorte und Witterung werden die Sojabohnen ab Mitte September erntereif. Dann werden die Bohnen bei allen Teilnehmern gezählt und beurteilt. Die Ergebnisse der Studie werden nach der Auswertung öffentlich zugänglich sein und vielleicht wachsen dann ja zukünftig viel mehr Sojabohnen in Gemüsegärten.

Sojaanbau in Deutschland

Das Veggie-Image der Sojapflanze trügt. Tatsächlich landen die meisten der in Deutschland verbrauchten Sojabohnen in Futtertrögen von Nutztieren. Agrarexperten sind sich einig: Der Anbau muss ausgebaut werden. Sonst fehlt es bald an Futter für Hühner und Schweine.

Nachdem 2012 bundesweit auf rund 5000 Hektar Soja angebaut wurde, stand die Sojabohne 2015 mit 17 000 Hektar auf mehr als dem Dreifachen dieser Fläche. In Form von Sojaschrot fressen vor allem Hühner und Schweine den Großteil der importierten Hülsenfrüchte. Deutschland führt nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) jährlich 3,6 Millionen Tonnen Sojabohnen und bis zu 1,5 Millionen Tonnen Sojaschrot ein. Die größten Lieferantenländer sind Brasilien, die USA und Argentinien. „Deutschland muss mehr Soja anbauen, um die Versorgung der Nutztiere mit Futter zu sichern“, erklärt Sojanetzwerk-Berater Jürgen Unsleber, der Landwirte zum Anbau der Pflanzen informiert. „China kauft den Weltmarkt leer.“ Zwei Drittel des weltweit gehandelten Sojas werden laut LfL nach China geliefert. Bisher habe man sich in Deutschland auf die Importe vom amerikanischen Kontinent verlassen, erklärt Unsleber. Nun merke Europa, dass auch hier mehr Soja angebaut werden muss.

„Wir werden die Eiweißversorgung nie vollständig allein decken können“, sagt der Agrarexperte, „aber wir können einen Beitrag leisten.“ Derzeit liegt der Soja-Selbstversorgungsgrad der EU nach Angaben der LfL bei rund 3 Prozent. Für die deutschen Äcker biete der Anbau von Soja nach Ansicht Unslebers Vorteile: „Die Sojapflanzen sammeln Stickstoff aus der Luft. Zusätzlicher Dünger ist deshalb kaum nötig.“

Lutz Wudtke ist Veterinäringenieur und Experte in Sachen Soja: Er fürchtet, dass die Landwirte eher ein anderes Problem beim Sojaanbau umtreibt – die Weiterverarbeitung: „Die Bohnen müssen erhitzt werden, damit ein für Mensch und Tier unverdauliches Enzym zerstört wird“, so Wudtke. Das sei meist nur in Röst-Großanlagen möglich, zu welchen die Landwirte ihre Ernte anliefern müssten – logistisch sei das zu aufwendig.

Von Anja Klein*
*Autorin Anja Klein liebt ihren Garten. Was dort passiert, beschreibt sie auf dem Blog der-kleine-horror-garten.de .

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