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Ein ganz besonderer Saft

Frisch gepresst Ein ganz besonderer Saft

Die Ernte fällt in diesem Jahr sehr gut aus – doch wohin mit all den Äpfeln? Manche Mostereien bieten die Möglichkeit, Saft aus eigenen Früchten pressen zu lassen – mehr „bio“ geht nicht.

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Was tun mit dem vielen Obst aus dem eigenen Garten? Ab zur Mosterei.

Quelle: Krus

Goldpermäne oder Holsteiner Cox sind bereits geerntet, in den nächsten Wochen werden Sorten wie Boskop oder Gloster reif: Wer einen Apfelbaum besitzt, hat derzeit reichlich zu tun, denn die Ernte fällt gut aus. Doch anders als die Kriegs- und Nachkriegsgeneration, die genau wusste, welcher Apfel wie gelagert oder verwertet werden kann, stehen Gartenbesitzer und Kleingärtner heute häufig vor der Frage: Wohin mit dem ganzen Obst? Gläserweise Apfelmus oder Gelee kochen? Dazu fehlen Zeit und Muße. Eine sinnvolle Alternative ist eigener Saft. Denn in Mostereien können Äpfel auch zentnerweise verwertet werden. Mittlerweile gibt es einige Mostereien, die sich darauf spezialisiert haben, dass Kunden garantiert nur den Saft aus ihren eigenen Früchten mit nach Hause nehmen.

Zu viel Obst? Mach Saft draus

Die Mosterei im Salzhemmendorfer Ortsteil Ockensen ist eine von ihnen. Derzeit herrscht Hochbetrieb.  Es riecht intensiv nach Äpfeln, laute Maschinengeräusche sind zu hören. Ohne Pause werden immer wieder säckeweise Früchte angekarrt, die dann polternd in der Maschine verschwinden. Dort werden sie zunächst gründlich gewaschen und zerkleinert. Danach wird die Apfelmaische in Nylontücher eingeschlagen, in sieben Lagen in eine Packpresse geschichtet und mit starkem Druck von oben ausgepresst. Heraus fließt goldgelber, naturtrüber Apfelsaft, der bei 82 bis 90 Grad pasteurisiert und anschließend in fünf oder zehn Liter fassende Vakuumbeutel mit Zapfhahn gefüllt wird. Die Beutel wandern wiederum in Pappkartons. Zwei Jahre hält sich der Saft in dieser Verpackung, wenn sie nicht angebrochen wird. Einmal geöffnet, ist der Apfelsaft immerhin zwei Monate lang trinkbar, ohne dass er in den Kühlschrank muss. Der übrig gebliebene Trester wird als Viehfutter verwendet.

Foto: Olaf Seifert betreibt die Mosterei in Ockensen seit 2001.

Olaf Seifert betreibt die Mosterei in Ockensen seit 2001.

Quelle: Krus

Jede Sorte lässt sich mosten

Saft aus selbst geernteten Äpfeln, ohne jeden Zusatz – mehr „bio“ geht nicht. Mostereichef Olaf Seifert nennt noch einen weiteren Vorteil: „Jeder Saft schmeckt anders.“ Sorte, Wetter, Apfelgröße und -festigkeit – all dies seien Faktoren, die immer wieder zu neuen Geschmacksrichtungen führten. So ein Produkt passt in die Zeit. Jüngere Generationen entdecken die Natur erneut für sich. Was früher auf dem Land zur alltäglichen, selbstverständlichen Selbstversorgung gehörte – eigener Honig, Eier von eigenen Hühnern und Gemüse aus dem eigenen Garten – wird heutzutage als Hobby ausprobiert oder ausgelebt. Und so kommen neben Rentnern aus der Region auch viele junge Familien nach Ockensen.  Kinder bestaunen die Maschine und probieren auch gerne mal etwas von der Maische oder einen ersten Schluck vom eigenen Saft.

„Es gibt keine Sorte, die sich nicht mosten lässt“, betont Seifert. Auch Äpfel mit Birnen zu mischen, sei kein Problem. Faule Äpfel landeten nicht in der Maschine, das müsse er nicht nachkontrollieren. „Die Leute wollen den Saft ja schließlich selbst trinken.“ Beratung müsse dennoch manchmal sein. Manche Kunden ernteten Äpfel und Birnen nämlich zu früh, andere wiederum zu spät. Birnen sollten stets zwei bis drei Wochen vor der eigentlichen Pflückreife geerntet werden, denn sie können nur sehr hart weiterverarbeitet werden.

Foto: Die Kunden bringen Äpfel in Säcken oder in großen Körben.

Die Kunden bringen Äpfel in Säcken oder in großen Körben.

Quelle: Krus

Die Erntemenge ist wichtig

Bereits ab einer Menge von 50 Kilogramm, also einem Zentner, können Äpfel und Birnen in Ockensen abgegeben werden. Andere Mostereien halten es ebenso. Es gibt aber auch Obstverarbeiter, bei denen die Mindestmenge bei 100 Kilo liegt. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, sich mit Nachbarn oder Freunden zusammenzutun. Ein Anruf vorab ist ohnehin immer notwendig, um der jeweiligen Mosterei zu sagen, wie viele Äpfel man ungefähr vorbeibringen wird. Die Zeitpläne geraten dennoch immer wieder durcheinander, weil viele Hobbygärtner die Menge ihrer Ernte falsch schätzen. Auch in Ockensen ist das nicht anders, obwohl es die Mosterei bereits seit 15 Jahren gibt und viele Kunden Stammkunden sind.

Eine ungefähre Faustformel lautet: In den Kofferraum eines Kombis passen gut sechs Zentner. Diese Äpfel zu verarbeiten dauert rund eine Dreiviertelstunde. Ein Zentner Äpfel ergibt übrigens 30 bis 35 Liter Saft. Über die Preise sollte man sich vorab erkundigen. In Ockensen kostet das Mosten pro Liter 1,02 Euro, ab 150 Liter reduziert sich der Preis um 0,10 Euro pro Liter. Wer sich in der Obstweinherstellung üben will, kann sich den Saft auch gegen ein geringeres Entgelt unpasteurisiert mitnehmen und ihn anschließend zu Hause gären lassen.

„Die Natur gibt es so viel, was die Menschen nicht zu schätzen wissen.“

Angst vor einer allzu mühevollen Ernte brauchen Hobbygärtner übrigens nicht zu haben. Olaf Seifert sagt: „Äpfel, die gemostet werden sollen, können einfach vom Baum geschüttelt werden. Sie liegen ja nicht lange auf dem Boden.“ Tipps wie diese gibt Seifert, der als junger Mann noch als Banker gearbeitet hatte, geduldig und immer wieder. Ihn ärgert es einfach zu sehr, dass es Obstbäume gibt, die nicht mehr abgeerntet werden. „In der Natur gibt es so viel, was die Menschen nicht zu schätzen wissen.“ 

Foto: Hochbetrieb in Ockensen: Helfer füllen die Maische aus zerkleinerten Äpfeln ins Tuch (großes Bild). Zuvor waren die Äpfel in die Maschine gefüllt worden. Später läuft der Saft aus der Presse, danach wird er pasteurisiert und abgefüllt.

Hochbetrieb in Ockensen: Helfer füllen die Maische aus zerkleinerten Äpfeln ins Tuch (großes Bild). Zuvor waren die Äpfel in die Maschine gefüllt worden. Später läuft der Saft aus der Presse, danach wird er pasteurisiert und abgefüllt.

Quelle: Krus (3)

Übersicht

Eine Übersicht über Mostereien in Niedersachsen gibt  es im Internet auf der Seite https://www.nabu.de/natur-und-landschaft

Von Christiane Eickmann

Nachgefragt ...

... bei Dankwart Seipp, Vorsitzender beim Verein zur Förderung der Gartenkultur.

Quelle: Privat

„Alte Sorten  sind robust“

Nicht jeder hat bereits einen Apfelbaum in seinem Garten stehen und möchte darum einen anpfla​​​​​​​​​​​​​​nzen. Wann ist dafür der beste Zeitpunkt?
Ein Apfelbaum sollte möglichst in der Zeit zwischen November und März gepflanzt werden. Auch im Winter kann dies geschehen – jedenfalls solange es frostfrei ist. Ich empfehle, stets wurzelnackte Bäume in die Erde zu bringen. Containerbäume wurzeln nämlich sehr viel schlechter.

Wie muss der Boden beschaffen sein, damit der Baum gut wächst und gedeiht?
Ein gesunder Apfelbaum kommt mit fast jedem Boden zurecht. Ein normal humoser Gartenboden reicht also aus. Wer die Bodenbeschaffenheit verbessern möchte, kann etwas Kompost auf die Pflanzscheibe rund um den Stamm aufbringen. Wichtig ist, dass der Baum genug Platz hat.

Welche Sorten empfehlen Sie Hobbygärtnern?
Ältere Sorten, die sich über Jahrhunderte erhalten haben, sind die robustesten, also zum Beispiel resistenter gegen Pilze, Mehltau und Schorf. Für die frühe Reifezeit sind das zum Beispiel Jamba, James Grieve oder Gravensteiner. Als mittel- und spätreifende Äpfel sind etwa Schöner von Herrnhut, Danziger Kantapfel, Altländer Pfannkuchenapfel, Weißer Winterglockenapfel oder Finkenwerder Herbstapfel zu empfehlen. Wer diese Sorten anpflanzt, tut außerdem ganz nebenbei auch noch etwas für den Erhalt alter Apfelsorten.

... die aus den Supermärkten mehr und mehr verschwunden sind.
Ja. Moderne Sorten sind vor allem nach Geschmack und Lagerfähigkeit für den großen Erwerbsanbau gezüchtet worden. Manche Hobbygärtner pflanzen  Rubinette oder Elstar, weil sie die Äpfel vom Wochenmarkt oder aus dem Supermarkt kennen. Doch das geht häufig schief, die Früchte verschorfen. Ich würde nicht dazu raten, die Sorte Elstar im eigenen Garten anzupflanzen.  

Sind denn alte Apfelbaumsorten ohne Probleme überall erhältlich?
Reine Obstbaumschulen gibt es zwar nur wenige, in besseren Gartencentern oder größeren Gärtnereien werden alte Sorten aber ebenfalls angeboten. Wer jemanden mit einem alten Apfelbaum kennt, kann sich auch im Veredeln, also in der Nachzucht, versuchen. Dafür muss man keineswegs ein Fachmann sein.

Nach wie vielen Jahren kann ich mit Ertrag rechnen, wenn ich einen Apfelbaum neu pflanze?
Das kommt darauf an. Wenn ich den Apfelbaum als Hochstamm oder Halbstamm pflanze, muss ich ihn in den ersten Jahren intensiv beschneiden, damit er erst mal eine richtige Krone entwickelt. So wird der Ertrag verzögert, aber nach dem fünften bis achten Jahr geht es rasch bergauf. Bei einem Spindelbusch kann ich möglicherweise schon im zweiten Jahr ernten. 

Interview: Christiane Eickmann

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