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Alte Frucht mit großer Kraft

Vitamine vom Strauch Alte Frucht mit großer Kraft

Die Schlehe wird gerade von Hobbygärtnern wiederentdeckt – mit gutem Grund: Ihre Früchte sind gesund, und die Pflanzen bieten Platz und Nahrung für Vögel und Insekten.

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Vor dem Frost schmücken die blauen Beeren den Schlehenstrauch. Wer bereits jetzt erntet, muss die Früchte einfrieren.

Quelle: pixabay/byrev

Sie ist die Mutter aller Pflaumen und sieht mit ihren dunkelblauen Früchten auch ein bisschen so aus: die Schlehe, auch als Schlehdorn, Heckendorn oder Schwarzdorn bekannt. So beliebt wie ihre süßen Verwandten war die historische Frucht bei Gartenfreunden aber lange Zeit nicht – im Gegenteil, sie wurde oft als „Giersch der Sträucher“ verschrien. Ausufernder Wurzelwuchs und die spitzen Dornen, die am Ende jedes Astes für Schmerz sorgen können, waren der Grund dafür. Doch der widerspenstige Strauch hat auch Qualitäten – und wird darum gerade wiederentdeckt.

Nahrhaftes Naturheilmittel

Dass die Frucht nahrhaft ist, schien schon der Gletschermensch Ötzi gewusst zu haben. Bei ihm wurden jedenfalls getrocknete Schlehen gefunden. In der alten Volksmedizin galten Schlehen als Naturheilmittel bei Verstopfung, Nierenproblemen, Rheuma sowie zur Entgiftung. Auch bei Erkältungen wird Schlehensaft eingesetzt. Von allen Prunus-Arten, zu denen auch die Pflaume zählt, ist die Schlehe die am weitesten in Europa verbreitete. Sie kann bis zu 40 Jahre alt werden.

Foto: Im Frühling bieten die Blüten Bienennahrung.

Im Frühling bieten die Blüten Bienennahrung.

Quelle: pixabay/LoggaWiggler

Pflegeleicht und winterhart

Neben den medizinischen Vorzügen gibt es auch einen praktischen Grund für die Schlehe als Gartenpflanze: Mit ihrem dichten Wuchs schützt sie als Hecke vor Wind und lästigen Blicken. Darüber freuen sich dann auch Igel, Haselmäuse und viele Vögel. Für sie dient die Hecke als Nahrungsquelle und Unterschlupf. Die Dornen macht sich der Singvogel Neuntöter in besonderer Form zunutze: Er spießt seine Beute (Insekten und kleine Mäuse) daran auf. Sehr genügsam zeigen sich Schlehen in der Anpflanzung. Sie lieben nährstoffreiche, kalkige und steinige Böden sowie sonnige Standorte an Weges- und Waldrändern. In den Alpen wächst Schlehendorn bis zu einer Höhe von 1500 Metern, an der Ostsee oft auf Dünen. Feuchte Gegenden und Heidesandgebiete mögen die Sträucher nicht. Pflegeleicht sind die winterharten Schlehen auch im Anschluss: Gegossen oder gedüngt werden müssen sie kaum.

Schlehe als Sichtschutz

Doch Vorsicht bei der Standortwahl: Schlehen können bis zu zehn Meter lange Wurzeln bilden. Wer sich mühsames Buddeln nach den Flachwurzlern ersparen will, sollte von vornherein eine Wurzelsperre in die Erde einlassen. Eine Alternative ist, immergrüne Pflanzen wie Eibe oder Kirschlorbeer in unmittelbarer Nähe zu pflanzen, damit die Schlehen durch den Schattenwurf ihrer artfremden Nachbarn klein gehalten werden. Generell wachsen Schlehen aber mit 20 Zentimetern im Jahr nicht sehr schnell. Die beste Zeit zum Pflanzen ist der Herbst oder Winter. Um die Sträucher auch oberirdisch zu bändigen, kann man am besten nach der Hauptfrostperiode im Februar / März zur Schere greifen. Als eines der ersten Gehölze im Frühjahr sprießen ab März dann auch die vielen kleinen weißen Blüten, die einen zarten Mandelgeruch verbreiten.

Foto: Die Schlehe kann auch als Sichtschutz dienen.

Die Schlehe kann auch als Sichtschutz dienen.

Quelle: pixabay/gabrielemlink

Frost für die Süße

Die kleinen schwarzblauen Früchte reifen im Herbst. Doch der herzhafte Biss ins Schlehenobst sorgt durch die große Menge an enthaltener Gerbsäure für eine verzogene Miene. Die extrem sauren Früchte werden erst nach dem ersten Frost süßer und damit genießbar. „Leider werden die Schlehen nach Frosteinwirkung auch weicher und platzen beim Pflücken schnell auf. Alternativ kann man die noch festen Früchte vorm ersten Frost pflücken und für einige Tage im Gefrierfach lagern“, rät die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Schlehen sind kleine Vitaminbomben. Sie lassen sich gut zu Kompott und Gelee verarbeiten. Aber auch als Grundlage für Likör und Schnaps sind die Früchte beliebt.

Geduld beim Zubereiten

Schlehensaft selbst herzustellen braucht etwas Geduld. Dazu werden Schlehen mit kochendem Wasser übergossen und 24 Stunden stehen gelassen. Danach wird die Flüssigkeit ohne Schlehen aufgekocht, anschließend wieder über die Früchte gegossen, um dann erneut 24 Stunden zu ruhen. Diese Prozedur wird mindestens viermal wiederholt – bis der Saft dunkel und dick ist.

Vorsicht vor Blausäure in den Kernen

Auf keinen Fall gegessen werden dürfen übrigens die Kerne der Früchte. Sie enthalten das giftige Blausäureglykosid Amygdalin, das im Körper zu Blausäure umgewandelt wird. Für alle, die Angst haben, beim Zubereiten der Früchte eine giftige Mahlzeit zu produzieren, beruhigt die Verbraucherzentrale Sachsen: „Die Blausäure verflüchtigt sich beim Kochen oder Backen. Daher müssen Sie keine Bedenken haben, wenn Sie die Kerne erst nach dem Aufkochen entfernen.“ Gleiches gilt übrigens für den Likör.

Von Gunda Meyer

Die pflegeleichtere Alternative

Süßer, größer und auch vor dem ersten Frost schon genießbar ist die Frucht der Schlehe Reto. Sie ist eine veredelte Neuzüchtung der wilden Schlehe. Grundlage für die Veredelung ist die Pflaume. Das hat zwei große Vorzüge. Zum einen ist die Schlehe Reto schmackhafter, weil sie weniger Gerbstoffe enthält als ihre wilden Verwandten. Sie kann schon im rohen Zustand geerntet und verzehrt werden. Essbar ist diese Schlehe, wenn sich die Schale der Früchte bis zum Stiel kräftig dunkelblau verfärbt hat.

Der zweite Vorteil ist vor allem für alle Gartenfreunde interessant, die die Anpflanzung der Ur-Schlehe wegen ihres ausufernden Wurzelwuchses scheuen: Die Schlehe Reto wächst als kleiner Obstbaum heran und ist damit eine gute Alternative zur widerspenstigen Wildform. Die Neuzüchtung hat keine riesigen Wurzelausläufer und kaum Dornen. Ohne Schnitt erreicht sie eine Höhe von etwa drei Metern. Bedingt durch diesen schlankeren Wuchs, kann man die Schlehe Reto problemlos auch in kleine Gärten integrieren. In Sachen Blütenpracht steht die Schlehe ihren Verwandten in nichts nach.

Die Schlehe Reto hat Vorzüge, fordert dafür aber bei der Standortwahl mehr als der genügsame Schlehdorn. Sie mag es warm und ausreichend feucht. Genügend Nährstoffe und Kalksubstrat dürfen ebenfalls nicht fehlen. Besonders prächtig gedeiht sie auf sandig-steinigen Lehmböden.

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