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Der „New German Style“ wurde bislang in Fachkreisen diskutiert. Nun findet er seinen Weg in die Privatgärten. Doch was verbirgt sich hinter diesem Trend?

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Eine Staude wie die Fetthenne wird im Winter von Raureif überzogen oder trägt eine Haube aus Schnee. Sie gilt als ideale Zutat für den „New German Style“.

Quelle: Getty Images/iStockphoto

Hannover. Wer in der Gartenszene etwas auf sich hält und den Trends auf der Spur sein möchte, blickt meist nach England in das vielgepriesene Mutterland der Gartenkultur. Doch auch die umgekehrte Perspektive, von der Insel auf den Kontinent, ist keine Seltenheit mehr. Denn jene erfrischend natürlich wirkenden Gartenbilder, wie sie in immer mehr deutschen Gärten gepflanzt werden, gefallen den Briten so gut, dass sie einen eigenen Begriff dafür erfunden haben, den „New German Style“.

Nah an der Natur

Wer den „New German Style“ verstehen möchte, wird ihn ins Deutsche übersetzen und mit einem „neuen deutschen Stil“ dennoch nichts anfangen können. Welche Philosophie steckt also dahinter? Die standortgerechte Auswahl der Pflanzen ist eines der wichtigsten Prinzipien. Neu ist das natürlich nicht. Schon der 1970 verstorbene Züchter und Gärtner Karl Foerster pflanzte die Stauden entsprechend ihren natürlichen Standortbedürfnissen. Sein Schüler Richard Hansen teilte die Stauden nach Lebensbereichen ein und erleichterte die Kombination zueinander passender Pflanzen erheblich. Einheimisch müssen die Stauden im „New German Style“, anders als in der Naturgartenbewegung, übrigens nicht sein: Die ursprünglich aus Amerika stammende Sonnenbraut darf also durchaus verwendet werden.

Die „neuen“ Gärten zeigen unterschiedliche Gesichter, doch die meisten Anlagen beeindrucken ihre Besucher schon von Weitem. Ihre gute Fernwirkung verdanken die Beete dem Prinzip, Pflanzen in großen Stückzahlen und langen Bändern zu pflanzen. Das Ergebnis sind dichte Pflanzenteppiche. Lücken im Beet, die regelmäßig gejätet werden müssten, sollen gar nicht erst entstehen. Wer sich ein Bild vom „New German Style“ machen möchte, sieht sich am besten einen entsprechenden Garten an. Und welchen? Der Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim wird oft in einem Atemzug mit dem „New German Style“ genannt. Dort findet man jene großzügig komponierten Gartenbilder, die wie ein zufällig auf die Erde gefallenes Stück Natur wirken: Im Sommer wiegen sich Blütenstauden neben großen Gräsertuffs im Wind. Wer den Garten im Herbst und Winter besucht, wird dort von Raureif überzuckerte Samenstände und Stängel sehen. Denn neben der standortgerechten Verwendung von Pflanzen ist auch deren Aussehen im Herbst und Winter wichtig. Eine Staude, wie die Fetthenne, die im Winter auf ihren Blütenständen mit Würde eine Haube aus Schnee trägt, ist deshalb ebenfalls ideale Zutat für diesen Gartenstil. Doch gerade hinter natürlich wirkenden Beeten steckt ein kluger Kopf: Im Hermannshof ist das seit 1998 Cassian Schmidt. Heute ist der Weinheimer Garten ein Aushängeschild, der Besucher aus vielen Ländern anzieht. Einer von ihnen ist Piet Oudolf. Der bekannte niederländische Gartengestalter hat auch in Deutschland seine Spuren hinterlassen.

Der Piet-Oudolf-Garten im Gräflichen Park Bad Driburg könnte optisch auch als Garten im „New German Style“ durchgehen. Die zu allen Jahreszeiten sehenswerten Pflanzungen des Niederländers passen bestens zum Konzept des „New German Style“ und werden in Fachkreisen „New Wave Planting“ genannt. Führende Landschaftsarchitekten und Gärtner tauschen ihre Erfahrungen schließlich über Ländergrenzen hinweg aus.

Typisch deutsch?

Für Profis ist es nicht unbedingt deutsch, sondern notwendig, Beete sorgfältig zu komponieren. Nur wenn die gewählten Pflanzen zum Standort passen und sich nicht gegenseitig im Wuchs behindern, entstehen dauerhafte Bilder, die nicht viel Arbeit machen. Dass diese Pflanzungen das Etikett „deutsch“ bekamen, verdanken wir den Engländern: Der „New German Style“ tauchte vermutlich erstmals 2002 in Großbritannien auf. Als Überschrift in einem Artikel des britischen Fachjournalisten Stephen Lacey für das Magazin „Horticulture“. In seinem Text zeigte er sich beeindruckt von den großflächigen Pflanzungen im Münchner Westpark, im Staudengarten Weihenstephan und im Hermannshof.

Die sorgfältige Komposition der Pflanzen in diesen Anlagen erfordert Fachwissen, zahlt sich aber in einem geringen Pflegeaufwand aus. Alles also sehr vernünftig und insofern vielleicht doch ein wenig deutsch. Wobei sich in diesem Fall Vernunft und Schönheit glücklicherweise nicht ausschließen. Denn die an natürliche Vorbilder erinnernden Pflanzungen strahlen zuweilen eine anrührende Poesie aus. Es ist also durchaus möglich, um nicht zu sagen wahrscheinlich, dass auch Sie ein Liebhaber des „New German Style“ sind. Auch wenn Sie von diesem Begriff womöglich noch nie gehört hatten.

Kahle Stauden im Frühjahr teilen

Werden Stauden immer breiter und im Inneren kahl, sollten Gärtner sie teilen. Sonst werden Pflanzen wie Aster, Mädchenauge, Rittersporn und Margerite auch krankheitsanfälliger, schwächer und blühfauler. Der richtige Zeitpunkt für das Teilen ist im Frühjahr, wenn der Boden abgetrocknet ist.

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