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Wenn das Gemüse neben dem Teller wächst

Garten-Start-ups Wenn das Gemüse neben dem Teller wächst

Nicht nur Kleingarten: Garten-Start-ups experimentieren, wie unser Gemüse in Zukunft in der Nachbarschaft und in den Städten wachsen könnte. Davon profitieren einerseits Supermärkte, andererseits Verbraucher, die keine Zeit haben, selbst Gemüse anzubauen.

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Der IPGarten in Warnau (Sachsen-Anhalt) ist komplett ferngesteuert. Über Masten können Kleingärtner in Berlin ihre Parzellen pflegen.

Quelle: IPGarten

Hannover. Im dünn besiedelten Nirgendwo der deutschen Provinz liegt der merkwürdigste Kleingarten der Welt: der IPGarten. Ausgerechnet in Warnau in Sachsen-Anhalt liegt einer der ersten komplett ferngesteuerten Kleingärten.  16 grün-braune Rohre ragen dazwischen hinauf, an denen zu allen Seiten Kameras, Lichter und Bewässerungsventile montiert sind. Über die Masten können Kleingärtner in Berlin ihre Parzellen pflegen. „Wir geben den Menschen in Ballungsräumen die Möglichkeit, sich mit Lebensmitteln selbst zu versorgen. Vollkommen transparent“, sagt Gründer Martin Kruszka. Eine 16 Quadratmeter große Parzelle im IPGarten wird standardmäßig bepflanzt mit drei Kartoffelsorten, Knoblauch, Zwiebeln, Kohl, Blumen und Kräutern. Die Hälfte der Fläche darf individuell bepflanzt werden. Wenn Kartoffeln und Möhren reif sind, erntet das Team sie und bringt sie nach Berlin. 395 Euro kostet eine Parzelle im Jahr. Im Urlaub kann ein Autopilot zugebucht werden.

Gärtnern ohne Garten

Das verspricht der platzsparende Kleingarten des Start-ups „ Geco-Gardens“. Die Biofarm passt auf jeden Balkon. Denn die Pflanzkästen für die verschiedenen Gemüse sind vertikal aufgebaut wie ein Regal. Das Stuttgarter Unternehmen wurde von Agrarwissenschaftler Bastian Winkler gegründet, dem die Idee in seinem Studium kam. Auf einer Forschungsreise sah er in Südafrika den Anbau auf Terrassen, die von Fischen gedüngt werden. Doch es sind mehr als nur übereinander angeordnete Gemüsebeete. Im unten integrierten Wurmkompost werden Pflanzennährstoffe aus den eigenen, organischen Abfällen rückgewonnen. Eine automatische Wasserpumpe leitet das Wasser durch den Kompost und dann, mit Nährstoffen angereichert, zu den Pflanzen. Den benötigten Strom liefert das eingebaute Solarmodul. Ganz billig ist der Balkongarten nicht. Ein System mit fünf Wannen gibt es ab 890 Euro.

Salat zwischen Einkaufswagen

„Wir sind die neuen Farmer, und die Stadt ist unser Bauernhof“, schreibt das Start-up Infarm aus Berlin. Das Unternehmen stellt Mini-Gewächshäuser in der Stadt und in Supermärkten auf. Dank Hydrokultur kann Gemüse dort gezüchtet werden, wo es eingekauft wird. Die zwei Gründer sind für die Umsetzung ihrer Idee aus Israel nach Berlin gezogen. Das Unternehmen Infarm baut Gewächshäuser, in denen der Salat direkt im Supermarkt heranwächst. In einem Supermarkt in Berlin–Friedrichshain steht schon eines der halbtransparenten Gewächswürfel. Dort wachsen Kräuter und Salate für die Einkäufer, das Licht der Pflanzen kommt von LED-Lichtern.

Aus dem Beet auf den Teller

Im gerade eröffneten Restaurant „ Good Bank“ wächst der Salat vor den Augen der Kunden heran. Dabei liegt es in der Mitte Berlins an der Rosa-Luxemburg-Straße. Die Einrichtung ist so futuristisch wie das Versprechen: „Wir sind das erste originale Vertical-farm-to-table-restaurant europaweit“, werben die Gründer. Hinter dem sperrigen Begriff steht eine einfache Idee: In ultraviolett bestrahlten Kisten wachsen Salat, Gemüse und Kräuter. Davor steht die Bar, an der gekocht wird. Die Köche ernten, bereiten zu, alles vor den Augen der Gäste. Frischer geht es kaum.

Supergewächshaus am Supermarkt

Das US-Start-up Brightfarms glaubt an hyperlokale Versorgung – und baut Gewächshäuser direkt hinter Supermärkte in amerikanischen Städten. „Wir hatten den Wunsch, Gemüse frischer, leckerer und umweltverträglicher zu produzieren“, sagen die Gründer. Um Wasser zu sparen, setzen sie auf Hydroponik, denselben Ansatz, den Geco-Gardens im Kleinen nachbildet. Der weite Transport des Gemüses mit Lastwagen entfällt. Die Gewächshäuser sind so groß genug, um den gesamten Salatbedarf eines Supermarktes zu bedienen. Angebaut werden bisher Salate und Tomaten. Weil US-amerikanische Supermärkte anders als deutsche vor den Städten auf der grünen Wiese liegen, ist dort oft auch genug Platz. Mit der Idee konnte Chef Paul Lightfoot gerade mehrere Investoren überzeugen, 30 Millionen US-Dollar in das Unternehmen zu investieren.

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