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Höchste Zeit für den Obstbaumschnitt

Gartenpflege Höchste Zeit für den Obstbaumschnitt

Es ist an der Zeit: Wer im Sommer Obst von seinen Bäumen ernten will, muss jetzt Äste absägen und Zweige kappen – aber das ist für Hobbygärtner gar nicht so einfach.

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Eine gute Schere braucht jeder Gärtner – sie ist zum Kürzen dünner Äste und Zweige zunächst einmal ausreichend.

Quelle: Fotolia

In unserem Garten stehen mehrere große Obstbäume. An ihren Ästen haben sich schon so einige Baumschnittprofis oder Möchtegern-Profis versucht. Obwohl ich seit Jahren immer wieder Anleitungen zum Obstbaumschnitt studiere, ist mir der Baum, wenn ich vor ihm stehe, immer noch ein Rätsel. Das Lustige daran: Wenn ich Fotos von dem Baum mache, kann ich gut sehen, was weg muss und was nicht. Aber sobald ich auf der Leiter stehe, verliere ich den Überblick. Während des Baumschnitts immer wieder Handyfotos zu machen, hat sich leider als undurchführbar erwiesen und mir zudem viele seltsame Spaziergänger-Blicke eingebracht.

Wer ernten will, müss kürzen

In wenigen Wochen werden die Bäume in einigen Bundesländern wieder austreiben – wenn sie es nicht schon an milden Wintertagen getan haben. Höchste Zeit also, dem Baum mit Baumsäge und Schere eine neue Frisur zu verpassen. Obstbäume müssen geschnitten werden, bevor sie voll im Saft stehen. Der Schnittzeitpunkt hat eine direkte Auswirkung auf das Wachstum und die Früchte des Baumes. Kurz nach der Ernte wird das Wachstum durch einen Schnitt gebremst. Im Winter fördert ein Schnitt die Bildung neuer Triebe. Im Frühjahr oder späten Winter, kurz vor dem Austrieb der Blätter, erfolgt meist wachstumsneutraler Schnitt.

Verjüngungsschnitt für alte Bäume

Vielleicht sollte ich wirklich mal einen Baumschnitt-Kurs besuchen und mir am Objekt erklären lassen, wie es geht. In diesem Jahr ist es dafür leider zu spät. Also versuche ich es mit Hilfe von Büchern auf die autodidaktische Art.

Obwohl mir unser alter Birnbaum ganz gut gefällt, müssen alle steil nach oben wachsenden Triebe, die sogenannten Wasserschosse, entfernt werden. Der Baum ist jetzt schon so hoch, dass wir seine Früchte kaum ernten können. Außer den Wasserschossen haben wir deshalb, um das Höhenwachstum zu begrenzen, auch einen der armdicken Äste bis zu einer tieferen Verzweigung eingekürzt. Derart massive Einschnitte muss man auf ein paar Jahre verteilen. Sie gefallen dem Baum nicht besonders, er bestraft sie mit Obstverweigerung und wir wollen ja auch in diesem Jahr gerne leckere Birnen ernten.

Als Ersatz für die Einkürzungen in der Baumkrone habe ich einen der tief wachsenden Steiltriebe mit Hilfe eines Steins in einen 45-Grad-Winkel zum Stamm gebracht. Wenn ich das richtig gemacht habe, kann er in ein paar Jahren einen der dicken und sehr alten Äste ersetzen. Mein Ziel ist es, den Baum zu verjüngen, damit er noch viele Jahre Birnen trägt. So wie er aussieht, hat er schon 50 bis 60 Jahre auf dem Buckel. Einige seiner Äste sind mit wunderbar weichem Moos bewachsen und dort, wo der Stamm sich teilt, gibt es eine kleine Baumhöhle mit wechselnden Bewohnern. Bei guter Pflege hat er aber noch ein paar Jährchen vor sich, bis zu 300 Jahre sind für einen Birnbaum kein Problem.

Schnittwissen – Theorie und Praxis

Aber zurück zum Baumschnitt. Leider hat bei unserem ersten Versuch das Wetter nicht allzu lange mitgespielt. Nach einer Stunde wurde es empfindlich kalt und wir hatten immer noch nicht alle Wasserschosse entfernt, geschweige denn mit dem Apfelbaum begonnen. Wir mussten also abbrechen und die restlichen Schnittarbeiten auf einen wärmeren Tag verschieben.

Foto: Wer sich unsicher ist, wo und wie ein Baum zu bescheiden ist, sollte sich rechtzeitig darüber informieren. Bücher und Kurse können dabei helfen.

Wer sich unsicher ist, wo und wie ein Baum zu bescheiden ist, sollte sich rechtzeitig darüber informieren. Bücher und Kurse können dabei helfen.

Quelle: dpa

Ich nutze die Zeit, um mich noch einmal in meine Bücher zum Thema Obstbaumschnitt zu vertiefen. Am nächsten sonnigen Tag werden wir wieder die Leiter aufstellen und den Restschnitt erledigen. Wir werden dann also auch alle nach innen und unten wachsenden Jungtriebe entfernen, zu dicht nebeneinander stehende und sich überkreuzende Triebe rausschneiden und die Krone stark auslichten. Birnbäume bedanken sich für eine lichte Krone zur Erntezeit mit besonders großen und aromatischen Früchten. Zum Schluss werden wir dann noch ältere Äste, horizontal oder schräg nach oben und unten wachsende Äste um ein Drittel kürzen und bis auf einen jüngeren Seitenzweig zurückschneiden. So steht es jedenfalls in der Anleitung zum Obstbaumschnitt.

Mal sehen, wie sich das live am Baum umsetzen lässt. Und als Nächstes ist dann unser Apfelbaum dran!

Das richtige Werkzeug

Auf die Pflege kommt es an: Ganz egal, welche Sägen und Scheren für die Baumpflege verwendet werden – sie sollten scharf, sauber und rostfrei sein.
Als Grundausstattung reicht eine vernünftige Schere und eine leichtgängige Säge. Damit können Obstbäume und alle Sträucher problemlos bearbeitet werden. Der allgemeine Standard war bis vor einigen Jahren unangefochten die klassische Baumsäge mit Holzgriff (Preis: 25-40 Euro). In letzter Zeit wurde sie zunehmend verdrängt von leichten, kurzen, meist klappbaren Universalsägen (20-50 Euro).

Von Anja Klein

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