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Ein Hoch auf das Hochbeet

Gemüse im Garten Ein Hoch auf das Hochbeet

Wer viel ernten möchte, sollte seinen Pflanzen Wärme, Kompost und gute Erde gönnen – eingefasst in Holzwände. So ein Hochbeet ist grandios.

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Geschafft: Auf die dunkle Muttererde kommt nur noch eine dünne Schicht Kompost – dann wächst das Gemüse.

Quelle: dpa

Man kann darin rückenschonend Gemüse anbauen, riesige Ernten einfahren, es mit Abdeckung als Frühbeet benutzen und – das finde ich besonders gut – wenn es höher als 30 Zentimeter ist, möhrenfliegenfreie Möhren anbauen. Diese Insekten können nämlich maximal 30 Zentimeter hoch fliegen. Mir gefällt der Gedanke, wie sie – angelockt vom leckeren Möhrenduft – in voller Fluggeschwindigkeit an die unüberwindbare Hochbeetwand prallen und mit verwirrtem Gesichtsausdruck daran herunterrutschen.

Ein Hochbeet zu bauen ist nicht schwer. Bei der Wahl des Baumaterials entscheiden in erster Linie persönlicher Geschmack und gewünschte Haltbarkeit. Fünf Jahre sollte ein großes Hochbeet schon halten, denn so lange hält auch die Düngewirkung durch die Abbauprozesse in der Hochbeetfüllung an. Gedüngt werden muss im Hochbeet in den ersten Jahren praktisch nicht. Die Nährstoffe liefern sich zersetzende Pflanzenreste aus dem Füllmaterial. Einzig Stickstoff sollte ab und zu ergänzt werden.

Beste Temperaturen für Gurken

Die Erde im Hochbeet ist im Schnitt fünf bis acht Grad wärmer als die Erde in einem normalen Gartenbeet. Das schätzen vor allem wärmeliebende Pflanzen wie Paprika, Kürbis, Zucchini und Gurken. Unsere Hochbeet-Gurkenernte im vorletzten Jahr war wirklich spektakulär. Im Frühling kann das Beet vier bis sechs Wochen früher bepflanzt werden, im Herbst kann man länger ernten. Insgesamt bringt so ein Hochbeet einen bis zu dreimal höheren Ertrag als ein vergleichbares Gartenbeet. Nicht schlecht, oder? Aber das ist noch nicht alles. Für Schädlinge ist der Weg ins Beet weit, man selbst muss sich dagegen nicht so tief bücken. Außerdem lässt sich so ein Beet auch auf ungünstigen, stark verdichteten oder kontaminierten Böden errichten.

Geeignetes Baumaterial

Hochbeete lassen sich gut aus Holzresten und Paletten bauen. Allerdings sollte man sich zumindest ein paar Gedanken zur Unbedenklichkeit der verwendeten Materialien machen. Schließlich will man das Gemüse, das darin wächst, auch ohne Bedenken essen. Auf der sicheren Seite ist man bei der Verwendung von Europaletten, die nach den ISPM-15-Richtlinien gekennzeichnet sind. Gedacht für den Transport von Lebensmitteln sind sie lediglich hitzebehandelt und garantiert chemiefrei. Im Zweifel würde ich lieber Holz und Erde mit einer dafür geeigneten Folie aus dem Gartenmarkt trennen. Das hat den zusätzlichen Vorteil, dass das Holz nicht ständig in Kontakt mit der feuchten Erde kommt und dadurch länger hält.

Ich habe für unsere Hochbeete Siebdruckplatten verwendet. Die kann man beim Schreiner bestellen und zuschneiden lassen. Das Material ist sehr wetterbeständig und lässt sich gut verarbeiten. Lediglich die Schnittkanten sollten behandelt werden, damit keine Feuchtigkeit eindringen kann. Für die Ecken braucht man vier quadratische Holzpfosten. Die gibt’s fertig imprägniert und angespitzt in jedem Gartencenter.

Gartenabfälle als Füllung

Gefüllt wird das Beet mit Baum- und Heckenschnitt, Laub, Gartenabfällen und Rasensoden. Davon fällt von Herbst bis Frühling reichlich an. Oben drauf kommt halbverrotteter Kompost und eine Deckschicht aus fertigem Kompost und guter Gartenerde. Je nach Größe des Beetes braucht man einen ziemlich großen Berg Material. Um ehrlich zu sein, hatte ich beim Bau unseres ersten Hochbeetes den Eindruck, dass ich beim Befüllen die ganze Bückarbeit, die sonst in fünf Jahren normaler Beetbearbeitung angefallen wäre, an einem Tag geleistet habe. Aber bisher hat sich die Mühe durchaus gelohnt. Deshalb haben wir inzwischen auch noch zwei weitere Hochbeete angelegt. Wenn nicht irgendwo im Garten ein großer Berg mit guter Muttererde für die Deckschicht herumliegt, empfiehlt es sich zunächst, die Fläche des Hochbeetes spatentief auszustechen. Wenn genügend Erde vorhanden ist, kann man sich diesen schweißtreibenden Schritt natürlich sparen und das Beet direkt ebenerdig bauen.

Draht schützt vor Wühlmäusen

Geschichtet wird von grob nach fein. Ganz unten rein kommt das gröbste Material. Wenn Baum-, Heckenschnitt, Gartenabfälle und Laub aufgebraucht sind, werden, falls vorhanden, Rasensoden mit der Rasenseite nach unten eingefüllt. Darauf kommt zunächst der halbverrottete Kompost und zum Schluss eine 20 bis 30 Zentimeter dicke Schicht aus fertigem Kompost und Gartenerde. Das Beet darf ruhig randvoll sein. Bis zum Frühjahr setzt sich das Material noch und es kann gut sein, dass Sie dann noch einmal Erde auffüllen müssen. Ich muss meine Hochbeete in jedem Frühjahr wieder etwas auffüllen. Geeignet ist fein gesiebter Kompost oder torffreie Erde aus dem Gartenmarkt. Die hat vor allem den Vorteil, dass erst einmal kein Unkraut im Beet wächst.

Von Wühlmäusen geplagte Gärtner sollten das Beet auf jeden Fall von unten mit einem verzinkten Hasendraht mit einer Maschenweite von einem Zentimeter schützen. Gut überlappen lassen und außen an den Wänden ein wenig hochziehen. Sorgfalt zahlt sich hier wirklich aus, denn so ein Hochbeet ist eine traumhafte Unterkunft für hungrige Wühlmausfamilien. Und einmal eingezogen lassen sie sich nur schwer zum Auszug bewegen.

Von Anja Klein

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