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Gemüschen, wechsle dich

Gemüseanbau Gemüschen, wechsle dich

Neue Hierarchie im Gemüsebeet: Wer als Hobbygärtner gute Erträge bei der Ernte im eigenen Garten erzielen möchte, sollte bereits bei der Saat die Fruchtfolge und den Fruchtwechsel beachten. 

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Ordnung muss sein: Wer Gemüse anbaut, sollte nicht nur auf die richtigen Beetnachbarn achten.

Quelle: Fotolia

Reiche Ernte im heimischen Gemüsegarten – was sich jeder Hobbygärtner wünscht, ist nicht nur eine Frage von Standort und Pflege. „Gartenbau ist nicht einfach Anpflanzen und Sonne draufscheinen lassen“, sagt Christine Lessmann von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Auch die richtige Planung beim Anlegen der Beete kann entscheidend sein für einen guten Ertrag. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Landwirtschaftskammer empfehlen deshalb auf zwei wichtige Komponenten zu achten.

Das Anlegen der Beete ist entscheidend

Foto: Abwechslung im Beet verspricht höhere Ernteerträge.

Abwechslung im Beet verspricht höhere Ernteerträge.

Quelle: dpa

Zum einen sollten – wie in der Landwirtschaft auf großen Feldern – im heimischen Beet die Gemüsesorten wechseln. Wer zu oft die gleiche Pflanzenart in ein und dasselbe Beet setzt, der entzieht dem Boden einseitig Nährstoffe. Das führt nicht nur zu geringerem Ertrag bei der Ernte, sondern begünstigt auch Krankheiten oder Schädlinge. Der Fruchtwechsel von Saison zu Saison ist deshalb ein entscheidender Faktor für gute Bodenauslastung. Zum anderen sollten – ebenfalls im Hinblick auf ausreichende Nährstoffverteilung im Boden – nicht dauerhaft Gemüsesorten gleicher Familien auf demselben Platz angepflanzt werden.

Dass kein Boden unendlich lange eine einzige Gemüse- oder Getreideart ernähren kann, wussten schon die Römer. Sie führten die Zweifelderwirtschaft ein und wechselten beim Anbau das Land. Im Mittelalter teilten Bauern ihre Felder sogar in drei Teile. Zwei davon wurden bebaut, eines lag brach, damit sich der Boden erholen konnte. Das Prinzip kann für den Gemüseanbau im heimischen Garten übernommen werden, unterscheidet sich allerdings ein wenig.

Der frühe Gärtner wird belohnt

Bereits im Frühjahr sollten Gärtner mit einer eingehenden Anbauplanung beginnen. Dazu gehört als erstes die Überlegung, welche Gemüsesorten überhaupt angepflanzt werden sollen – immerhin möchte nicht jeder Radieschen, Blumenkohl oder Salat ernten. Im zweiten Schritt werden die Pflanzen dann unterteilt. „Wir unterscheiden Stark-, Mittel- und Schwachzehrer“, sagt Lessmann. Die Unterscheidung richtet sich danach, wie viele Nährstoffe das Gemüse aus dem Boden verbraucht. Zu den Starkzehrern gehören Gurken, Kartoffeln, Kohlpflanzen, Kürbis, Porree, Sellerie, Tomaten und Zucchini. Endivien, Fenchel, Knoblauch, Kohlrabi, Mangold, Möhren, Paprika, Porree, Radieschen, Rettich, Rote Bete, Salat, Spinat und Zwiebeln dagegen gehören zu den Mittelzehrern, sie benötigen weniger Nährstoffe. Zu den Schwachzehrern, also Gemüsearten, die am wenigsten Nährstoffe verbrauchen, gehören Bohnen, Erbsen, Feldsalat, Kräuter und Kresse.

Foto: Gar nicht so schwer: So funktioniert der Fruchtwechsel im Garten.

Gar nicht so schwer: So funktioniert der Fruchtwechsel im Garten.

Quelle: Fotolia

Auf die Reihenfolge kommt es an

„Beim Anbau ist es wichtig, die Reihenfolge von stark zu schwach einzuhalten“, so Lessmann. Gärtner beginnen im ersten Jahr mit Starkzehrern. Der Boden wird hier mit etwa fünf Kilogramm Kompost pro Quadratmeter gedüngt. Im Folgejahr können Mittelzehrer eingesetzt werden. Die Düngungsmenge liegt hier bei etwa zwei bis drei Kilogramm Kompost pro Quadratmeter. Ohne Düngung kommen die Schwachzehrer aus, die im dritten Jahr in das Beet gepflanzt werden. Im Anschlussjahr beginnt die Reihenfolge von vorn. Um den Überblick zu behalten, wann wo welche Pflanzen gestanden haben, sollten sich Gärtner auch während der Saison Notizen machen, empfiehlt Lessmann. „Man glaubt gar nicht, wie schnell man das alles vergessen hat.“

Erholung für den Boden

Wer besonders schonend vorgehen möchte, kann, statt nach dem dritten Pflanzjahr von vorn zu beginnen, eine sogenannte Gründüngung einlegen – das Beet also ähnlich wie in der Landwirtschaft brach liegen lassen. „Dadurch bekommt der Boden regelmäßig die Gelegenheit, sich zu erholen“, sagt Lessmann. Dabei sollte die Fläche niemals unbedeckt gelassen werden, sondern ebenfalls bepflanzt werden. Besonders eignen sich laut Lessmann Wasserblattgewächse wie die Bienenweide. Sie gehören zu keiner der großen Pflanzenfamilien, sodass nicht so sehr darauf geachtet werden muss, anschließend keine verwandte Gemüseart einzupflanzen.

Wachstumszeiten und Standorte beachten

Foto: Nicht zu sonnig, nicht zu schattig: Auch der Standort spielt eine wichtige Rolle, wenn es um Ernteerfolge geht.

Nicht zu sonnig, nicht zu schattig: Auch der Standort spielt eine wichtige Rolle, wenn es um Ernteerfolge geht.

Quelle: dpa

Wer nicht nur einmal pro Jahr ernten will, der sollte im Anpflanzplan auch die Wachstumszeiten der einzelnen Gemüsesorten beachten. Hauptkulturen wie Kartoffeln, Möhren oder Mais zeichnen sich durch lange Wachstumszeiten aus. Sie können mit je einer Vor- oder Nachkultur kombiniert und innerhalb einer Saison zeitlich versetzt im selben Beet angebaut werden. Zu den Kulturen mit kürzerer Wachstumszeit gehören etwa Feldsalat, Radieschen oder Kohlrabi. Hobbygärtner können beispielsweise zunächst Zwiebeln in ihr Beet pflanzen, danach wird meist als Nachkultur kälteunempfindlicher Feldsalat gesät. Spinat dagegen kann als erstes im Frühjahr ins Beet gesetzt werden, danach werden als Hauptkultur Möhren gesät.

Und noch einen Tipp hat Lessmann: Denn auch der Standort spielt eine wichtige Rolle, wenn es um Ernteerfolge geht. „Ein sonniger Standort ist immer zu bevorzugen“, sagt sie. Im Schatten könne Feuchtigkeit zu Problemen führen und Befall etwa mit Grauschimmel begünstigen. Wer die Möglichkeit hat, sollte auch auf den Wind achten. „Sind die Reihen in Windrichtung angelegt, trocknen die Pflanzen besser ab.“

Gemischt wächst besser

Nicht nur der Wechsel der Gemüsesorten in einem Beet von Jahr zu Jahr ist entscheidend, auch die richtigen Partner können im heimischen Garten über Erfolg oder Misserfolg bei der Ernte entscheiden. Verzichten sollten Hobbygärtner vor allem darauf, verwandte Arten miteinander in ein Beet zu setzen. Das gilt vor allem für Gemüsearten, die lange Wachstumszeiten über Wochen oder gar Monate haben. Die Pflanzen entziehen sich gegenseitig die Nährstoffe. Dadurch fällt nicht nur das Wachstum geringer aus, auch Schädlinge und Krankheiten gedeihen. Einige Gemüsearten dagegen halten Krankheiten von ihren Beetpartnern fern.

So wehrt nach Angaben des BUND beispielsweise Kamille Möhrenfliegen ab, Knoblauch und Zwiebeln schützen Erdbeeren vor Pilzbefall, Meerrettich fördert die Gesundheit von Kartoffeln. Er wehrt ebenso wie Kapuzinerkresse Läuse, Raupen und Mäuse ab. Einen genauen Überblick darüber, wer mit wem in die Gemüse-WG ziehen sollte und wer lieber ein Einzelbeet bekommt, bieten Hobbygärtnern sogenannte Mischkulturtabellen. Sie sind im Internet kostenfrei abrufbar.

Von Sabine Gurol

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