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Hippe Kartoffeln aus dem eigenen Garten

Gemüseanbau Hippe Kartoffeln aus dem eigenen Garten

Die uralte Nahrungspflanze Süßkartoffel liegt im Trend – seit Neuestem auch bei Gärtnern. Kein Wunder: Die Pflanze sieht hübsch aus und kann leckeres, gesundes Essen aus dem heimischen Beet liefern.

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Gesunder Spätzünder: Die Süßkartoffel kriegt erst im Sommer ihren Wachstumsschub.

Quelle: Fotolia

Die Süßkartoffel darf auf den Speisekarten von hippen Streetfood-Läden nicht mehr fehlen. Und Gärtner setzen sie schon seit einigen Jahren in der sommerlichen Topfbepflanzung ein. Aber jetzt erst schaffen es die Süßkartoffeln auch zum Trendsetter in den Gemüsegarten – denn sie sind erst seit Kurzem als Gemüsesorten für den Endverbraucher im Handel. Aber was macht die Pflanze eigentlich aus?

Vielseitige Knolle

Bataten, wie die Süßkartoffeln auch genannt werden, gehören nach Kartoffeln und Maniok zu den wichtigsten Knollengewächsen für die Ernährung. „Ursprünglich stammt die Süßkartoffel aus Mittelamerika, genauer gesagt wächst sie in Mittelamerika bis Kolumbien“, sagt Marianne Scheu-Helgert, Gartenbau-Ingenieurin an der Bayerischen Gartenakademie. Die Batate kam von dort aus nach Afrika, verbreitete sich stark. Aber das bedeutendste Anbauland ist heute China. Die Knollen der Süßkartoffel sind nährstoffreich und enthalten viele Vitamine sowie Mineralstoffe.

Foto: Von hellgrün bis schwarz: Die Batate-Blätter sind farblich vielseitig.

Von hellgrün bis schwarz: Die Batate-Blätter sind farblich vielseitig.

Quelle: Fotolia

Von der Zierpflanze zum Trendgemüse

Zunächst wurden vor einigen Jahren die Pflanzen mit den dekorativen Blättern als Zierpflanze für den Hobbygärtner selektiert. „Dabei hat man auf Eigenschaften, die für die Knollenproduktion wichtig sind, nicht geachtet“, erklärt Beate Kollatz, Referentin der Sächsischen Landesanstalt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Bei diesen Pflanzen ging es in erster Linie um alles, was hübsch aussieht – um die Blattfarbe und -form sowie um die Wuchseigenschaften.

„Das Laub ist herzförmig oder verschieden gelappt“, beschreibt Kollatz. Die Blätter haben ein Farbspektrum von hellgrün über grünpanaschiert bis hin zu dunkelviolett und fast schwarz. Dank Züchtung haben die Ziersorten mittlerweile einen recht kompakten Wuchs, dabei ist die Batate eigentlich ein sogenanntes Windengewächs. Die älteren Sorten haben bis zu einen Meter lange Ranken.

Gärtnerische Geduld gefragt

Alle Süßkartoffeln brauchen warmes Klima für ein gleichmäßiges und kräftiges Wachstum. „Süßkartoffeln wachsen nach dem zu frühen Auspflanzen in der Jugend oftmals erst gar nicht so recht vom Fleck“, sagt Scheu-Helgert. Sie werden also nicht groß – eine typische Reaktion der Pflanzen auf die kühlere Witterung zu Beginn der Pflanzsaison. Erst im Sommer legen sie richtig los.

Pflanzen kann man Süßkartoffeln schon mit dem Ende der Winterruhe, also ab April oder Mai. Ihre Knollen setzen sie allerdings erst nach der Sommersonnenwende an, wenn die Tage wieder kürzer werden. Dies geschieht bis etwa im September. Zuvor schon bilden die Windengewächse ihre langen Triebe und dort, wo diese das Erdreich berühren, wachsen Wurzeln. Das fördert die Knollenbildung. Der Reihenabstand zwischen den Pflanzen sollte etwa 60 Zentimeter betragen, zwischen den Pflanzen in einer Reihe 40 Zentimeter. Bei lockeren Böden ist die Kultur im ebenen Beet möglich. Bei schweren Böden empfiehlt Scheu-Helgert: „Man baut die Bataten auf Dämmen an, ähnlich wie Kartoffeln.“ Vor der Pflanzung bietet sich eine Grundversorgung mit drei Litern Komposterde pro Quadratmeter sowie 100 Gramm Hornmehl an, das eingearbeitet wird. Da sich die Süßkartoffeln anfangs zögerlich entwickeln, kann man die Lücken zunächst mit Pflücksalat bepflanzen. Er wird nach und nach abgeerntet, und zeitgleich, im Laufe des Sommers, bilden sich die langen Triebe der Bataten – und die Fläche wird komplett geschlossen.

Ernte bis zum ersten Frost

Das Wachstum hält bis zum ersten Frost an. Dann sollte man sich sputen und ernten. „Wir haben vergangenes Jahr nach dem ersten leichten Raureif, bei dem die Blätter erfroren sind, geerntet“, berichtet Scheu-Helgert. „Keinesfalls dürfen die Knollen Frost bekommen.“ Als Sorten werden von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau die gelbfleischigen „Beauregard“, „Evangeline“ und „Orleans“,  „Bonita“ und „Murasaki“ empfohlen. Die Zierformen der Batate bieten sich für Balkonkästen, Kübel und Ampeln an. Allerdings sollten sie genügend Platz im Gefäß haben. „Anderenfalls werden die Pflanzen aus dem Gefäß nach oben gedrückt“, sagt Kollatz. Die Zierbataten könnten aber auch als Bodendecker ins Gartenbeet kommen. Auch Scheu-Helgert rät zu großen Gefäßen. „Wir haben zwei Pflanzen in einem 60 Liter fassenden Topf angebaut.“

Auf die richtige Sorte achten

Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie hat mittlerweile diverse Sorten getestet. Als Ziersorten, die dazu noch eine sehr gute Knollenbildung haben, empfehlen die Experten „Marguerite“, „Rot“, „Blacky“ und „Black Tone“. Wer aber die Knollen aus dem Balkonkasten tatsächlich ernten will, sollte ausschließlich biologischen Pflanzenschutz betreiben, da sonst Rückstände im Knollenfleisch den Genuss, zum Beispiel von Süßkartoffel-Pommes, beeinträchtigen können.

Partnersuche für die Knolle

Als Partner für eine Zierbepflanzung empfiehlt Kollatz ähnlich wüchsige Arten – etwa Petunien, Pelargonien und Zauberglückchen. „Hübsch sehen die Süßkartoffeln auch als Unterpflanzung für Hochstämmchen und Kübelpflanzen aus.“ Wichtig ist, zu wissen, dass Sorten mit hellgrünem Laub wie „Marguerite“, „Gelb“ und „Sweet Heart Light Green“ verbrennen, wenn die Jungpflanzen an einem allzu sonnigen Standort stehen. „Es muss sich erst eine kräftige Schutzschicht, die Epidermis, bilden, damit sich die Pflanzen an das Licht gewöhnen.

Zubereiten und Lagern

Entgegen dem Namen ist die Süßkartoffel weder mit der heimischen Kartoffel noch mit der Topinambur verwandt. Das macht sich auch bei der Zubereitung und Lagerung bemerkbar.

Zubereitung: Im Gegensatz zur heimischen Kartoffel, bei der die Blätter giftig sind und zu Übelkeit und Bauchschmerzen führen können, können die Blätter der Batate wie Spinat zubereitet werden.

Lagerung: Ab September, wenn die Pflanze gelb ist, sind Süßkartoffeln erntereif. Je dicker die Abdeckung mit Stroh oder Mulch ist, desto mehr kann die Erntezeit verlängert werden. Allerdings sind Bataten nur bedingt tauglich, um gelagert zu werden. In einem kühlen und trockenen Raum ist es möglich, sie für wenige Wochen aufzubewahren. Dann beginnen die Knollen zu faulen. Auch das unterscheidet sie von der hiesigen Kartoffel. 

Von Dorothée Waechter

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