Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Essen aus dem Stadtpark

Genießbare Wildnis Essen aus dem Stadtpark

Löwenzahn, Gänseblünchen, Giersch und Co. sind nicht nur schön anzusehen, sondern auch lecker! Doch nicht jede Pflanze im Stadtpark eignet sich zum Verzehr. Wildkräuterführungen sind daher im Trend, denn die Menschen wollen die Stadt als essbaren Raum erobern. Das sollten sie dabei beachten ...

Voriger Artikel
Im Kindergarten
Nächster Artikel
So bringen Sie Schärfe in Ihren Garten

Gänseblümchen auf Beton: Auch die Stadt bietet Pflanzenvielfalt, die bei Führungen entdeckt werden kann.

Quelle: Fotolia

Um geringe Teilnehmerzahlen in ihren Kursen muss sich Regine Ebert aus Frankfurt am Main derzeit nicht sorgen. Die Phytotherapeutin und Wildkräuterexpertin bietet im Rhein-Main-Gebiet Führungen und Seminare rund um das Thema Wildkräuter und Heilpflanzen an. „In Frankfurt ist die Nachfrage riesig“, sagt Ebert. „Es gibt ein großes Bedürfnis bei Städtern, die Natur in ihrem Umfeld zu entdecken und auch zu nutzen.“

Schmackhaftes Stadtgrün

In Frankfurt führt Ebert regelmäßig Gruppen über den Hauptfriedhof, der mit seinen rund 70 Hektar Fläche eine der größten grünen Inseln der Stadt ist. Auch das ehemalige Gelände der Bundesgartenschau, Stadtparks, wilde Gärten und Stadtrandgebiete gehören zu den Exkursionspfaden der Expertin. Zu entdecken gibt es einiges: Über 1800 wildwachsende Pflanzenarten sind allein für den Frankfurter Stadtraum nachgewiesen.

Foto: Außen stachelig, innen vitaminreich: die Brennnessel.

Außen stachelig, innen vitaminreich: die Brennnessel.

Quelle: Wikipedia

Gänseblümchen fürs Butterbrot

Am einfachsten zu finden: Brennnesseln, Löwenzahn und Giersch. „Das sind Pflanzen, die überall wachsen und leicht zu erkennen sind.“ Allein mit der Brennnessel ist einiges anzufangen: Sie ist besonders reich an Vitamin C und Eisen, schmeckt gedünstet, in der Suppe oder im Smoothie. „Löwenzahnblätter, vor allem die jungen, schmecken gut im Salat, mit Giersch kann man ein Risotto oder Pesto machen, Gänseblümchen schmecken pur auf Brot“, nennt Ebert weitere Möglichkeiten.

Foto: Pesto lässt sich auch mit Giersch vom Wegesrand zubereiten.

Pesto lässt sich auch mit Giersch vom Wegesrand zubereiten.

Quelle: Wikipedia

Grüne Apotheke

Nicht nur für den Gaumen sind manche Wildkräuter eine Bereicherung, auch gesundheitlich können sie gezielt eingesetzt werden. Brennnesseltee etwa wirkt entwässernd, Gundermann-Sud soll entzündungshemmend bei Hauterkrankungen sein, Gänseblümchen-Öl hilft gegen blaue Flecken und ein Sirup aus Spitzwegerich lindert Husten. „Die Vielfalt der Wildkräuter ist wirklich beeindruckend“, sagt auch Gesa Maschkowski, Diplom-Ökotrophologin beim aid infodienst in Bonn.

Vorsicht, Verwechslungsgefahr

Einfach drauflos pflücken sollte aber niemand: „Man muss schon wissen, wie die Pflanzen aussehen, sonst droht Verwechslungsgefahr!“ Sammler würden zum Beispiel immer wieder Bärlauch mit Maiglöckchen verwechseln. Die Blätter der Frühjahrsblume enthalten herzwirksame Glykoside, die die Schlagkraft des Herzens verringern und Herzrhythmusstörungen verursachen können. Auch Doldenblütler wie die Wilde Möhre oder Kerbel seien leicht mit giftigen Verwandten wie der Hundspetersilie oder Schierling zu verwechseln. Ebenso Rainfarn und Beifuß mit Ambrosie oder Kreuzkraut oder Gemeiner Wacholder mit dem giftigen Sadebaum. Maschkowski empfiehlt Anfängern deshalb den Besuch einer Wildkräuterführung oder den Blick in ein Kräuterlexikon.

Foto: Aufpassen beim Sammeln: Der genießbare Bärlauch und die giftigen Maiglöckchen ähneln sich.

Aufpassen beim Sammeln: Der genießbare Bärlauch und die giftigen Maiglöckchen ähneln sich.

Quelle: Wikipedia

Regine Ebert rät Einsteigern, erst einmal nur zwei bis drei gut bekannte Kräuter zu sammeln und jede Neuentdeckung gründlich zu prüfen. „Hier helfen auch Bücher und das Internet bei der Bestimmung.“ Im Zweifel gilt eine einfache Grundregel: Gegessen wird nur, was sich eindeutig bestimmen lässt. „Alles, was zudem extrem bitter oder brennend-scharf schmeckt, ist nicht gesund.“

Den geeigneten Sammelort suchen

Auch wenn Städte eine große Pflanzenvielfalt bieten, überall ernten sollten Sammler nicht. So haben Untersuchungen am Institut für Ökologie der TU Berlin gezeigt, dass Obst und Gemüse aus innerstädtischem Anbau zum Teil erheblich mit Schadstoffen belastet ist. „Diese Ergebnisse können auch auf Wildkräuter übertragen werden“, sagt Maschkowski. „Vor allem Pflanzen, die in der Nähe von verkehrsreichen Straßen wachsen, sollten deshalb besser nicht gepflückt werden.“ Mindestens sieben, besser zehn Meter Abstand sollten eingehalten werden, im Idealfall wird erst hinter einer schützenden Hecke gesammelt. Auch in Stadtrandlagen hätten Wildkräuter in Feldnähe oft schon eine Giftdusche durch Spritzmittel hinter sich. „Perfekt sind natürlich biologisch-bewirtschaftete Felder, wilde Gärten oder Obstbaumwiesen“, sagt Ebert, die ihren Kursteilnehmern rät, ganz viel spazieren zu gehen, um die Stadt und ihre Nischen zu entdecken.

Foto: Kerbel ist eines der ersten Kräuter, die im Frühjahr austreiben.

Kerbel ist eines der ersten Kräuter, die im Frühjahr austreiben.

Quelle: pixabay

Großräumig umgehen sollte man dabei vielfrequentierte Plätze und Hundewiesen. „Hier sind die Kräuter häufig durch Müll und Hundekot verunreinigt“, sagt Ebert. Letzterer kann Überträger für den Fuchs- und Hundebandwurm sein. Das Risiko für eine solche Echinokokkose-Infektion ist aber sehr gering. Das Robert-Koch-Institut zählte 2014 in Deutschland 35 Fälle.

Foto: Bei manchen Menschen sorgt Beifuß für Niesreiz. Als Lebensmittel fördert die Pflanze die Fettverdauung.

Bei manchen Menschen sorgt Beifuß für Niesreiz. Als Lebensmittel fördert die Pflanze die Fettverdauung.

Quelle: Wikipedia

„Vor dem Verzehr sollten die gesammelten Kräuter aber trotzdem gut gewaschen werden“, sagt Ebert. Wer auf Entdeckungstour geht, braucht dafür keine große Ausrüstung. Die meisten Pflanzen lassen sich mit der Hand pflücken und in einem einfachen Baumwollbeutel transportieren. „Nur für härtere Stiele, wie zum Beispiel bei der Schafgarbe, braucht man ein Messer.“ Wer seine Kräuter frisch halten will, kann sie in einer mit feuchtem Krepppapier ausgelegten Tupperdose transportieren. Wildwuchernde Pflanzen wie Löwenzahn oder Brennnesseln können großzügig geerntet werden. Bei allen anderen gilt Schonung, sagt Ebert: „Damit auch andere Sammler noch fündig werden, sollte nie der ganze Bestand einer Wildpflanze geerntet werden.“

Von Bettina Levecke

Grüne Städte

Schon in den Siebzigerjahren zeigten Studien, dass die Pflanzenvielfalt in der Stadt oft höher ist als auf dem Land. Erklärungen dafür gibt es einige: Die Stadt hat viele geschützte Nischen, bietet vielseitige Lebensräume und bekommt durch das hohe Verkehrsaufkommen immer neue gebietsfremde Arten eingeschleust. In ländlichen Gebieten erschweren Monokulturen und der hohe Einsatz von Spritzmitteln das Wachstum von Wildkräutern.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Garten & Balkon

Was sollten Sie jetzt im Garten tun? Was macht in diesem Monat besonders Spaß? Und was sollten Sie jetzt nicht vergessen? Tipps für Garten und Balkon jeden Monat neu.

Wie kann ich meinen Garten winterfest machen? Und was muss man beim Rosenschnitt beachten? Zum Thema Grün gibt es unzählige Fragen. Ab sofort können Sie uns Ihre Fragen rund um das Thema Garten und Balkon schicken. Die HAZ-Redaktion wird sie ausgewählten Experten stellen. Eine Auswahl der Antworten veröffentlichen wir regelmäßig auf Ihrer Ratgeberseite „Im Grünen“. Natürlich ist dieser Service für Sie kostenlos.

Das lässt sich jetzt ziehen

Radieschen, Zucchini und Salat – das lässt sich jetzt schon für den Garten ziehen.

Informieren Sie sich über neue medizinische Studien und lesen Tipps, wie Sie mit wenig Aufwand gesund leben.