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Schneiden tut weh

Hecke im Sommer stutzen Schneiden tut weh

Bis zu 50.000 Euro Bußgeld drohen Gärtnern, die ihre Hecke jetzt zu stark stutzen. Ein leichter Sommerschnitt ist aber erlaubt.

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In manchen Kleingartenkolonien kann die Hecke nicht akkurat genug gestaltet sein. Doch nicht jeder weiß, wie das geht.

Quelle: Fotolia

Der Hobbygärtner darf in seinem Garten nicht walten, wie er möchte. Er muss sich unter anderem an das Bundesnaturschutzgesetz halten. Und das verbietet ihm den ganzen Sommer über einen starken Schnitt seiner Hecke. Doch was genau bedeutet das? Zwischen dem 1. März und dem 30. September dürfen Hecken, aber auch Gebüsche sowie Röhricht- und Schilfbestände in der freien Landschaft und in Siedlungsbereichen nicht zerstört oder stark geschnitten werden. Das bedeutet auch: Feldwege dürfen nicht gerodet werden. Wer das Verbot missachtet, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Es droht ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro. Damit sollen Tiere und ihr Lebensraum geschützt werden, Vögel brüten unter anderem in den Gehölzen.

Formen und Pflegen ist erlaubt

Doch was passiert, wenn die Hecke schon vorher zu ausladend wird? Die gute Nachricht: Hobbygärtner dürfen laut Gesetz immerhin die Zuwächse stutzen und damit ihre Hecke und Sträucher formen und pflegen. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen rät dazu im Sommer. Ein zweiter Schnitt folgt, wenn nötig, Ende August oder im Winter. Nadelgehölze brauchen nur einen Schnitt im Juli. Davor sollte der Hobbygärtner sich aber jeweils vergewissern, dass keine Vögel mehr in der Pflanze nisten.

Heckenbewohner wecken

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) empfiehlt grundsätzlich, abschnittsweise vorzugehen – so können Heckenbewohner noch fliehen. Der Nabu Hamburg rät sogar von den Pflegemaßnahmen ab. Denn Elterntiere können sich davon so gestört fühlen, dass sie das Nest aufgeben und die Brut verhungert. Außerdem entdecken Feinde in einer lichten Hecke ohne schützende Zweige eher den Nachwuchs.
Die Naturschützer sind aber kompromissbereit: Sie empfehlen, mit dem Pflegeschnitt immerhin bis Ende Juli zu warten. Der spätere Zeitpunkt habe auch Vorteile für die Pflanzen und den Hobbygärtner: Sie befinden sich bis dahin noch in einem zweiten Wachstumsschub. Wer die Hecke also früh stutzt, muss in der Regel ein zweites Mal ran. Der BUND rät grundsätzlich zu einem Schnitt im Oktober oder November. Dann sind nicht nur die Jungvögel flügge geworden, sondern die Gehölze befinden sich auch in der Ruhephase. 

Schnitt am späten Nachmittag

Auch beim Schnitt ist einiges zu beachten. Hecken haben am besten eine breite Basis, die nach oben hin schmaler wird, erklärt die Landwirtschaftskammer. Die Hecke wirkt in der Seitenansicht wie ein Trapez. So kommt auch an den unteren Bereich genügend Licht. Da Sonnenstrahlen die Schnittstellen austrocknen, rät der BUND, die Gehölze am späten Nachmittag zu schneiden, wenn die Sonne tiefer steht. Und wer den Vögeln etwas Gutes tun will, sollte Astquirlen immer stehen lassen. Das sind Verästelungen, in die sich Nester besonders gut setzen lassen.

Von Simone Andrea Mayer

Zuhause für Tiere

Hobbygärtner können Vögel, Igel, Eidechsen und viele Insekten im Garten unterstützen – mit einer sogenannten Benjeshecke als Behausung für die Tiere. Auf einer Länge von mindestens vier Metern werden abgeschnittene Äste und Zweige – etwa die Reste vom Hecken- und Gehölzschnitt – einen Meter hoch aufgeschichtet, erklärt der BUND. Und zwar so, dass das Ganze wie eine Mauer oder eben eine Art Hecke wirkt.
Mit dicken Ästen unten und in der Mitte sowie den dünneren oben und außen steht das Gebilde stabiler. Pro Meter Wall wird ein Strauch gesetzt, der über die aufgestapelten Äste ragt. Der BUND rät zum Beispiel zu Heckenrose, Weißdorn, Holunder, Schlehe oder Hasel. Dann wird die Benjeshecke sich selbst überlassen. Der Gärtner hat damit keine Arbeit mehr.
Der Wall gibt den Tieren nicht nur ein Zuhause. Vögel und Insekten tragen auch Samen etwa von Kräutern und Sträuchern herbei, die in der Hecke geschützt keimen können. Wichtig ist, dass das Schnittholz anfangs nicht zu dicht gestapelt wird – die Sonne muss noch zu den Samen vordringen können. Die neuen Pflanzen gehen irgendwann nahtlos in die anderen Sträucher über, so entsteht eine dichte Hecke. Das aufgeschichtete Schnittholz verrottet nach und nach.

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