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„Das kann nur die Hagebutte sein“

Herbstfrucht „Das kann nur die Hagebutte sein“

Die Hundsrose ist ein pflegeleichter Schmuck im Garten. Ihre roten Scheinfrüchte sind ein heimisches Superfood, denn sie enthalten viele Vitamine und Mineralien und gelten als Naturheilmittel.

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Leuchtend rot: Die Hagebutte ist derzeit in Gärten und Parks zu sehen.

Quelle: istock

Kinder lieben diesen Streich: Sie pflücken ein oder zwei reife Hagebutten und quetschen sie zwischen Daumen und Zeigefinger so lange, bis sie aufplatzen und die widerborstigen Nüsschen aus dem Innern heraustreten.
Das Opfer der bevorstehenden Attacke haben sie natürlich bereits ausgewählt – vorzugsweise einen Freund mit weitem Hemdkragen oder einem aus der Hose hängenden T-Shirt, denn bei Hautkontakt verursachen die kleinen Nüsschen einen starken Juckreiz.

Naturarznei Hagebutte

Noch vor einigen Jahrzehnten war der juckende Jux präsenter als heutzutage. Der Grund dafür dürfte sein, dass die Kinder vor vierzig Jahren noch ein paar heimische Pflanzen mehr erkannten als die jetzige Generation. Doch auch sie wussten meist nicht, wie segensreich die Hagebutte der Hundsrose wirken kann, wenn man sie anders einsetzt – nämlich als Tee, Marmelade, Zutat beim Kochen oder als Naturarznei.

Hundsgemeine Heckenrose

Wo man Hagebutten häufig finden kann, würde schon ihr Name verraten, wären dessen Bestandteile heute noch geläufig – wobei Butte, ähnlich wie beim Apfelbutzen oder der Butzenscheibe nur die dickliche, runde Form beschreibt. Hag indes ist ein altes Wort für Hecke, weshalb die Hundsrose (Rosa canina) auch Heckenkirsche genannt wird. Der Hund vor der Rose im Namen soll dabei nur heißen, dass man den hundsgemeinen, also sehr gewöhnlichen Strauch vielerorts finden kann, etwa an Wegrändern oder Böschungen, an denen er auch gezielt als Bodenfestiger gepflanzt wird. Auf Kahlschlägen wächst das frostharte Pioniergehölz schon sehr früh.

Foto: Die duftenden Blüten der Hundsrose erfreuen Gärtner und Insekten.

Die duftenden Blüten der Hundsrose erfreuen Gärtner und Insekten.

Quelle: pixabay

Für Hobbygärtner ist die Hundsrose deswegen empfehlenswert, weil sie als wuchsfreudig und widerstandsfähig gilt. Außerdem kommt sie mit jedem Boden zurecht. Die Pflanze kann bis zu drei Meter hoch werden, wenn sie an einem sonnigen oder halbschattigen Standort in die Höhe klettern kann, wird sie sogar noch höher. Die beste Pflanzzeit ist Frühling oder Herbst.

Erntezeit nach dem ersten Frost

Die roten Scheinfrüchte der Hundsrose werden meist im Oktober oder November noch vor dem ersten Frost geerntet, sind aber auch den ganzen Winter hindurch noch gut genießbar, auch frisch. Nur die Samen in der Butte, die eigentlichen Früchte, sollten ihrer kleinen Widerhaken wegen vor dem Verzehr besser entfernt werden. Das süßsaure Fruchtfleisch weist sehr viel Vitamin C (Ascorbinsäure) auf. Es enthält etwa zwanzigmal so viel davon wie Zitronen. Reichlich enthalten sind aber auch Provitamin A sowie die Vitamine B1, B2, E und K, außerdem Fruchtsäuren und lebenswichtige Spurenelemente (Mineralien).

Eine Frucht für alle Fälle

Als „Fructus cynosbati“ (Scheinfrüchte) werden die getrockneten roten Beeren gehandelt, die darin enthaltenen Nüsschen als „Semen cynosbati“. Gängige Früchtetees enthalten zu großen Teilen Bestandteile von Hagebutten. Daraus hergestellte Marmelade gilt als appetitanregend. Hagebutten-Mus wird in der Naturheilkunde auch gegen Gicht und Rheuma verwendet, das aus den Kernen gepresste Öl zur Hautpflege.

Hagebutten gegen Arthrose

Skandinavischen Studien zufolge helfen Bestandteile der Hagebutten nachweislich gegen Arthrose und Gliederschmerzen. Mittlerweile gebe es „drei ernstzunehmende Studien, die belegen, dass Hagebuttenpulver einen positiven Effekt bei Arthroseschmerzen hat und dass dadurch die Dosis von Schmerzmittel gesenkt werden konnte“, sagt Matthias Hamburger, pharmazeutischer Biologe an der Universität Basel, ein Spezialist für pflanzliche Arzneimittel. Zwar wirke das Pulver schwächer als rezeptpflichtige Arzneien, sei dafür aber sehr gut verträglich. Hamburger wendet sich aber gegen eine Selbstbehandlung und rät in jedem Fall zum Arztbesuch.

Hagebuttenpulver im Blick der Medizin

Ob Hagebuttenpulver auch gegen chronische Rückenschmerzen hilft, hat vor einigen Jahren Professor Sigrun Chrubasik vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg im Breisgau herausfinden wollen. An ihrer Studie nahmen 112 Patienten teil, die über behandlungswürdige Dauerschmerzen im unteren Rücken klagten. Die Testpersonen nahmen täglich fünf bis zehn Gramm Hagebuttenpulver ein. Bei über 60 Prozent von ihnen ließen die Beschwerden deutlich – nämlich um mindestens die Hälfte der früheren Stärke – nach, und zwar nach 18 Wochen. Das Pulver wirkt nach Ansicht Chrubasiks anti-entzündlich, lindert Schmerzen und verzögert die Zerstörung von Gelenkknorpeln – und dies mit deutlich weniger Nebenwirkungen als übliche Schmerzmittel.

Eine wohlschmeckende Nahrungsquelle

Doch nicht nur dem Menschen munden und nützen die Hagebutten. Für etliche Vogel- und Säugetierarten sind die reifen Früchte eine willkommene, weil wohlschmeckende Nahrungsquelle. Im Herbst suchen Igel, Rotfüchse und verschiedene Mäusearten Hagebutten-Büsche auf, um sich die Früchte schmecken zu lassen. Und auch Amseln, Sing- und Wacholderdrossel sowie Rotkehlchen und viele andere Vogelarten wissen gerade im kargen Winter diese leicht zu findende Nahrungsquelle zu schätzen – und verbreiten über die unverdaulichen Samen den Strauch weiter. Im Frühjahr wiederum summen Wildbienen und flattern Schmetterlinge rings um die duftenden Blüten der Heckenrose und saugen daraus Nektar. Über hundert Kleinlebewesen finden im Wildrosenstrauch Nahrung, heißt es beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. Damit stehe er „auf Platz 5 der Hitliste der Futtersträucher für Insekten“. Nur ein Beispiel, das zeigt, warum Feldsträucher und solche an Wegrändern ökologisch so wichtig sind.

"Das kann nur die Hagebutte sein"

Auch das Liedgut hat die Hundsrose bereichert: Denn wenn es im rund 170 Jahre alten Volkslied aus der Feder August Heinrich Hoffmanns von Fallersleben heißt, ein Männlein stehe im Walde „ganz still und stumm“ und habe „von lauter Purpur ein Mäntlein um“, dann meinte der Dichter des Deutschlandliedes nicht etwa den Fliegenpilz, sondern die Scheinfrucht der Hundsrose. Das verrät freilich erst die seltener gesungene Schlussstrophe des eingängigen Liedes: „Das Männlein dort auf einem Bein, mit seinem roten Mäntelein und seinem schwarzen Käppelein, kann nur die Hagebutte sein.“

Von Walter Schmidt

Gesundes, süßes Mus

Zutaten:
2 kg reife Hagebutten,
1/2 l Weißwein,
3/4 l Wasser,
1 kg Gelierzucker 1+1,
2 Päckchen Vanillezucker, 
eine Prise Zimt und etwas Ingwer

Zubereitung:
Hagebutten halbieren, gründlich entkernen und in eine Schüssel geben. Wein und Wasser darübergießen und zugedeckt alles drei Tage lang in einem warmen Raum stehen lassen. Danach in einen Topf geben, zehn Minuten lang kochen, alles fein pürieren und durch ein Sieb streichen. Masse in den Topf zurückgeben, Gewürze und Zucker dazugeben. Unter Rühren erneut zum Kochen bringen. Dann in vorbereitete Twist-off-Gläser füllen und fest verschließen. Hagebutten-Mus eignet sich für die Herstellung von Marmeladen, Fruchtsaucen, Nachtisch oder Kuchenfüllung.

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