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Honig aus dem eigenen Garten

Imkern als Hobby Honig aus dem eigenen Garten

Es summt und brummt auch in der Stadt: Imkern wird bei Gärtnern zum beliebten Hobby - und mit zwei Völkern ist der Anfang gar nicht schwer.

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Im Anflug: Bienen kehren in ihren Stock zurück.

Quelle: dpa

In unseren Garten sind vor einigen Wochen zwei Bienenvölker eingezogen. Eigentlich wollte ich schon im vergangenen Jahr zusammen mit meiner Freundin Steffi unter die (Stadt-)Imkerinnen gehen, aber wir hatten leider den richtigen Zeitpunkt verpasst. Dieses Jahr waren wir besser vorbereitet. Von einem Imker in der Umgebung konnten wir zwei starke Sammelbrutableger aus dem vergangenen Jahr zusammen mit zwei gebrauchten Dadant-Blatt-Beuten, in denen die Bienen hausen, kaufen.

Manchmal geht es nur um Zentimeter

Bienen werden auf viele Arten gehalten. Zander, Deutsch Normalmaß, Langstroth und Dadant sind die gebräuchlichsten Systeme für Beuten, aber bei Weitem nicht die einzigen. Es gibt prinzipielle Unterschiede in der Haltung, aber manchmal geht es auch nur um Zentimeter, um die sich der Bienenstock eines Systems von der eines anderen unterscheidet. Und natürlich ist jeder Imker davon überzeugt, dass das System, das er benutzt, das beste ist.
Wir sehen das etwas pragmatischer. Eine Baumhöhle (die ursprüngliche Wohnstätte von Bienen) ist nicht genormt. Jedes System hat Vor- und Nachteile – wenn auch mehr für die Imker als für die Bienen. Die kümmert es eher nicht, ob ihre Wohnung 482 Millimeter oder 470 Millimeter Innenraum bietet. Wir haben uns für Dadant-Blatt-Beuten entschieden, weil nur wenige Meter von unserem Garten entfernt ein Imker mit genau diesem System arbeitet. Er berät uns bei unseren Versuchen.

Imker-ABC

Rahmen: Der Rahmen, auch Rähmchen genannt, ist ein Holzrahmen und dient der Aufnahme von Waben.
Beute: Als Beute bezeichnet der Imker, die bei der Imkerei verwendete künstliche Behausung der Bienen.
Brutableger: Brutableger sind Völker, die vom Imker als Ableger gebildet werden und Brut in allen Stadien enthalten.
Honigraum: Dies ist der Bereich in einer Beute, in dem ausschließlich Honig in die Waben eingelagert wird. Der Imker erreicht dies durch ein Absperrgitter, das verhindert, dass die Königin in den Honigraum gelangt.

Wenn die ersten Kirschen blühen...

Unsere erste Aktion verlief recht unspektakulär. Sobald die Kirschen blühen, werden die Bienen aktiv und brauchen Platz um Honig einzutragen. Deshalb mussten wir den Brutraum um einen Honigraum erweitern. Wir haben quasi die Bienenwohnung um ein Stockwerk ausgebaut. Das Ganze war ein wenig improvisiert, weil unsere Ausrüstung noch nicht vollständig war. Den Rauch zur Bienenberuhigung haben wir mit getrocknetem Gras erzeugt, das dann doch recht schnell abbrannte. Gut, dass unsere Bienen einen guten Tag hatten und trotz unserer Stümperei recht entspannt reagierten.
Nach drei Tagen habe ich zufällig festgestellt, dass wir den Honigraum auf dem rechten Bienenstock in der Aufregung um 90 Grad verdreht aufgesetzt hatten, aber das konnte ich schnell korrigieren. Inzwischen sind wir besser aufgestellt und auf Rauch verzichten wir vollständig. In unseren Imkerjacken, mit Hut und Schleier, sind wir gut geschützt. Bei der Arbeit am Stock sind zwar viele Bienen in der Luft, aber sie sind überhaupt nicht aggressiv.
Brut- und Honigrähmchen bereitet man eigentlich im Winter vor. Wir mussten das nun zum Start machen. Der Imker, der uns die Bienen verkauft hat, hat uns für jede Beute fünf Honigrähmchen gegeben, mehr konnte er nicht entbehren. Insgesamt passen elf in jeden Honigraum. Wir brauchen laut unserem Imkervater Rähmchen für drei Honigräume pro Beute, macht also insgesamt noch 56 Rähmchen. Es hat gut zwei Stunden gedauert, die Mittelwände aus Wachs mit unserem günstig gebraucht erstandenen Wabenlöter in die fertigen Rähmchen zu löten.

140 Euro für ein Bienenjungvolk

Mal eben so schafft man sich zwei Bienenvölker und die dazugehörige Imkerausrüstung nicht an. Für einen Ableger, also für ein Bienenjungvolk, muss man – falls man es nicht geschenkt bekommt – mit ungefähr 140 Euro rechnen. Dazu kommt die Beute, die in der Basisausstattung ab rund 100 Euro zu haben ist. Wir haben unsere Beuten gebraucht deutlich günstiger erstanden. Rähmchen, Wachs für die Mittelwände, ein Smoker, eine Imkerjacke mit Hut und Schleier, Handschuhe, ein Stockmeißel, ein Wabenheber, Bienenflucht, extra Honigräume usw. schlagen noch einmal mit etwa 400 Euro zu Buche. Schleudern werden wir an einer kostenlos nutzbaren Schleuder vom Imkerverein. Den Kauf einer eigenen haben wir vorerst nicht geplant. Allerdings werden wir wahrscheinlich noch eine dritte Beute brauchen. Unsere beiden Völker sind jetzt schon recht stark, und bevor sie schwärmen, wollen wir lieber einen neuen Ableger bilden.
Insgesamt kommt man bei zwei Völkern also auf 1000 Euro für die Erstausstattung. Das ist kein ganz günstiges Hobby. Deshalb teilen wir es uns zu zweit. Mit vier Händen wird auch die Arbeit am Bienenstock einfacher.

Autorin Anja Klein liebt ihren Garten. Was dort passiert, beschreibt sie auf dem Blog www.der-kleine-horror-garten.de.

Stadtimker im Glück

Die Vorteile überwiegen: So absurd es klingt – in deutschen Städten geht es Bienen mittlerweile besser als auf dem Land. Zunächst einmal ist die Biodiversität im urbanen Raum größer. So finden die nützlichen Insekten auf Balkonen, in städtischen Gärten, auf Grünflächen, in Stadtparks und selbst auf Verkehrsinseln häufig mehr Nahrung als auf dem Land. Es gilt: Ob Brachland oder Plattenbau, die Bienen erreichen in einem Radius von fünf Kilometern alles, was sie brauchen. In der Stadt werden außerdem weniger Pflanzenschutzmittel gegen Insekten versprüht. Auch lieben Bienen Wärme, und das Mikroklima ist in der Stadt im Durchschnitt um zwei bis drei Grad wärmer als im Umland.
Die logische Folge der besseren Lebensbedingungen: Stadtimker ernten deutlich mehr Honig als Landimker. Das beweist die Statistik des Deutschen Imkerbundes Jahr für Jahr. Und: Die große Auswahl an Pollen macht den Stadtbienenhonig aromatischer.Auch unterscheidet sich der süße Brotaufstrich in seiner Qualität nicht von dem, der in ländlichen Gegenden produziert wird. Als Teil ihrer Überlebensstrategie filtern Bienen schädliche Stoffe aus dem Nektar im Bienenkörper und in den Waben.
Der Deutsche Imkerverband rät angehenden Stadtimkern jedoch, einen Kurs zu belegen. Denn ungeübte Imker können Krankheiten nicht rechtzeitig erkennen. Auch gibt es manchmal rechtliche Probleme. Wer sich Bienen anschaffen möchte, sollte vorher in jedem Fall mit seinem Vermieter und seinen Nachbarn über das Vorhaben sprechen. Zudem müssen die Völker registriert werden. ce

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