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Klein, aber fein

Minigärten Klein, aber fein

Des Gärtners Glück liegt auch im Kleinen. Dabei muss es nicht immer nur das Bonsaibäumchen sein. Mit Fantasie und den richtigen Pflanzen lassen sich Miniaturgärten gestalten. Ideen gibt es hier ...

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Kleine Bäumchen, Moose, Playmobilfiguren und Puppenmobiliar – mehr braucht es nicht.

Quelle: Topp-Kreativ (2), pixelio/bmd

Es waren Mini-Nadelbäume, die Janit Calvo im Frühjahr im Gartenmarkt entdeckte und die sie irgendwie nicht mehr losließen. Die gebürtige Kanadierin hatte beruflich von Barkeeperin bis hin zu Grafikdesignerin schon einiges ausprobiert, als sie gerade damit beschäftigt war, Fotos von Miniaturszenen für eine Postkartenreihe zu knipsen. Als Hintergrund für die Puppe mit ihren Mini-Accessoires wollte sie noch einen kleinen Garten gestalten – alles in einer nur etwa zwölf Zentimeter langen Box. „Als ich schließlich mit einem Foto des fertigen Gartens zurück in den Gartenmarkt ging und es dort an der Information einer Gärtnerin zeigte, hieß es: ,Das sieht aber nett aus‘“, sagt Calvo. „Erst Sekunden später verstand ich, dass die Frau glaubte, es handele sich um einen Garten in Normalgröße.“ Damit war die Idee für Miniaturgärten geboren.

Faszinierende Miniaturwelt

Kleine Steintore, ein Mini-Stuhl mit einem Tisch dazu, Schilder, Brunnen und winzige Blumen – seit 15 Jahren hat Janit Calvo mehr als 1500 Minigärten selbst kreiert, Bücher wie „Gärtnern im Kleinformat“, einen Blog dazu geschrieben und dann noch einen ganzen Geschäftszweig unter dem Namen „Two Green Thumbs“ in ihrer jetzigen Heimat Seattle im US-Bundesstaat Washington aufgebaut. „Es ist so, dass unsere Augen zu den Dingen hingezogen werden, die kleiner als das echte Leben sind“, sagt die Gärtnerin. „Alles im Miniaturformat erinnert uns ans Spiel, an unsere ersten Spielzeuge, die mit fröhlichen Erinnerungen verbunden sind. Und wenn wir die Miniaturwelten ansehen, kommen diese positiven Gefühle wieder zurück.“ Back to the roots, im wahrsten Sinne des Wortes. Kein Wunder ist es deshalb, dass diese Mikrokosmen vor allem Kinder faszinieren. Gertraud Menning hat es ausprobiert. Als sie im vergangenen Jahr ein passendes Thema für eine Ferienspaßaktion des Gartenbauvereins im bayerischen Petersaurach suchte, stieß die 68-Jährige auf die Arbeit von Janit Calvo. Während die Grundschüler begeistert kleine Szenen für Playmobilfiguren bauten, ließ sich auch Menning inspirieren: „Ich habe verschiedenste Themen der Gartengestaltung in den Minigärten aufgegriffen und sie auf den jeweiligen Anlass bezogen – zum Beispiel zur Hochzeit oder Geburt.“

Alpine Pflanzen bevorzugen

Während Janit Calvo Tipps für den Mini-Garten auf ihrem Blog „Minigardener“ gibt, hat Gertraud Menning ganz eigene Erfahrungen für die Kreation gesammelt. „Wichtig ist, dass das zu bepflanzende Gefäß mit einem Wasserabzugsloch versehen wird, damit sich keine Staunässe bildet“, rät sie. Zuvor müsse man die für den Minigarten passenden Pflänzchen in kleinen Töpfen mit magerer Erde vorziehen, damit man sie nachher entsprechend in der Szenerie platzieren kann. Um verschiedene Höhen zu schaffen, wird das Gefäß mit Styropor ausgelegt. „Gut geeignet sind Pflanzen aus dem alpinen Lebensraum, da viele Arten kleinwüchsig und sehr robust sind“, sagt Menning. „Alle Sedumarten, also Fetthennen, sind unschlagbar.“ Es muss sogar bei Mini-Welten nicht immer der Bonsai-Baum herhalten: Auch mit Birken, Blasenstrauch und kleinen Koniferen kann man den „Spielzeugeffekt“ erzeugen. Für Oberflächen eignet sich immergrüner Teppichthymian; alle Moose und Flechten breiten sich gern im Schattenbereich aus. „Ratsam ist es außerdem, sichtbare Erdfläche immer abzudecken“, sagt Menning. „Zum Beispiel mit kleinkörnigen Steinen oder eben Moosen.“

Dekorieren mit Spielzeug

Zu Hause in Petersaurach gibt es zwar rund 3000 Quadratmeter in „Normalgröße“ zu bewirtschaften, doch gerade im Mini-Garten auf 30 Quadratzentimetern kommt es aufs Detail an. Wenn die kleine Landschaft samt Bäumen, Blumen und Wegen so weit eingerichtet ist, fehlen noch die Elemente, die die Szenerie erst richtig gemütlich erscheinen lassen. Häuschen, Möbel, Menschen, Tiere – die kleinen Dinge sind nicht immer so einfach zu finden. Gertraud Menning baut schon mal kleine Stühle und Tische aus Binsen selbst. Ansonsten rät sie: „Eine Fundgrube sind die Spielzeugkisten der Kinder, auch stöbere ich oft über den Flohmarkt.“ Ebenso fertigt eine befreundete Keramikerin öfter Spezialstücke wie kleine Töpfe oder Figuren; Inspirationen findet die Hobbygärtnerin dafür im Internet auf Seiten wie Pinterest. Auch auf Gertraud Mennings Briefkasten steht nun eine kleine Szene. Gut duftende Kräuter, zwischendrin ein Gehweg, auf dem ein Plastik-Postbote Briefe zu einem Minibriefkasten bringt. Hinter einem kleinen Zaun steht leicht versteckt ein Hund, bellend. „Ich glaube, es sind die kleinen Geschichten, die ein Schmunzeln auf die Gesichter bringen“, sagt Menning, die weniger mit ihrem großen Garten, sondern gerade mit dieser kleinen Szene vielen im Gedächtnis bleibt. „Manche Kinder fragen: ‚Wohnst du da, wo der kleine Briefkastengarten steht?‘“

Von Lena Modrow

Die Entdeckung der Miniatur

Schon im 12. Jahrhundert heißt es in japanischen Gärten: „Small is beautiful.“ Bäume werden für die Bonsai-Kunst zurechtgestutzt, strikte Richtlinien werden aufgestellt, wie Minigärten komponiert sein müssen. Auch in China beginnen Botaniker, kleine Landschaften in Blumentöpfe zu pflanzen und diese mit Minifiguren auszustatten.

In der westlichen Welt entdeckt man Vorläufer des Miniaturgartens erst Jahrhunderte später, und zwar in der Spätromantik. Abenteuerlustige Gärtner bringen alpine Pflanzen von ihren Reisen aus den Bergen mit, um daheim kleine Steingärten zu kreieren. In den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts schreibt die Gärtnerin Anne Ashberry aus dem englischen Essex schließlich das erste Standardwerk zum Thema, das schlicht „Gardens in Miniature“ heißt. Ihr Gedanke dahinter: Auch körperlich eingeschränkte Menschen sollen die Möglichkeit haben, ihren eigenen kleinen Garten zu erschaffen und zu pflegen.

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„Gärtnern im Kleinformat – Die eigene, lebendige Miniaturwelt erschaffen“ von Janit Calvo, frechverlag,
19,99 Euro.

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