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Bye-bye Buchsbaum?

Problempflanze Bye-bye Buchsbaum?

Ausgerechnet eines der beliebtesten und traditionsreichsten Gehölze macht den Gärtnern hierzulande Kummer. Lange galt Buchs als robust und unkompliziert, mittlerweile ist er vielfach zum Sorgenkind geworden und eine „Problempflanze“.

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Buchsbaum ist längst nicht mehr so robust und pflegeleicht wie einst.

Quelle: Fotolia

Hannover. Er gedeiht in der Sonne und im Schatten, stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden und trägt seine Blättchen auch im Winter. Diese guten Gründe und die Möglichkeit, ihn in nahezu beliebige Formen zu schneiden, ließen Buchs zur wichtigen Gartenzutat werden. Heute präsentiert sich die beliebte Pflanze in vielen Gärten braun statt grün oder völlig kahl gefressen und stirbt schließlich ab. Meist ist entweder eine Infektion oder eine auf den Buchs spezialisierte Raupe die Ursache.

Diagnose Buchsbaumzünsler

Ein Befall mit den ursprünglich aus Ostasien stammenden Raupen wird meist spät bemerkt. Denn der in Deutschland erstmals 2006 gesichtete Buchsbaumzünsler frisst sich von innen nach außen durch die Pflanze. Zudem sind die perfekt getarnten, bis zu fünf Zentimeter langen Raupen auf den ersten Blick kaum zu sehen. Noch bevor sich Fraßspuren zeigen, lässt sich der Zünsler durch Fallen nachweisen, die ihn mit Pheromonen anlocken und einfangen. Diese Fallen erwischen nur männliche Falter und keine Raupen, sind aber sinnvoll, um den Befall festzustellen. Je früher das geschieht, desto besser sind die Bekämpfungschancen. Als Sofortmaßnahme empfiehlt sich der kräftige Wasserstrahl eines Hochdruckreinigers, der die Raupen von der Pflanze abduscht. Ergänzend haben sich biologische Spritzmittel bewährt, die auf Basis eines Bakteriums (Bacillus thuringiensis) wirken und für Bienen ungefährlich sind. Ist von der Pflanze jedoch nur noch ein Gerippe übrig, wird sie mit eventuell noch anhaftenden Raupen in eine Tüte gepackt und im Hausmüll entsorgt.

Diagnose Buchsbaumblattfall

Braune Blättchen beim Buchs konnten Gärtner meist mit Gelassenheit sehen. Oft handelte es sich um Sonnenbrand, der die nach einem Rückschnitt plötzlich dem Licht ausgesetzten Blätter braun werden ließ. Eine zweite häufige Ursache war der Spätfrost, der die noch zarten Jungtriebe im Frühling absterben lässt. In beiden Fällen bestand und besteht kein Grund zur Sorge. Der Buchs wird wieder durchtreiben – in Grün, versteht sich. Diese Gelassenheit gehört der Vergangenheit an. Bei Gärtnern, die heute braune Blätter am Buchs entdecken, steigt der Puls: Schließlich könnte Buchsbaumblattfall, auch als Buchsbaumpilz bekannt, die Ursache sein. Übertragen wird der Erreger (Cylindrocladium buxicola) durch Sporen, die über den Wind auf die Pflanzen gelangen. Besonders schnell verbreitet er sich bei feuchten Wetterlagen. Im Jahr 2004 entdeckte man erste erkrankte Pflanzen in Norddeutschland, mittlerweile ist der Buchsbaumblattfall bundesweit verbreitet. Zusätzlich zu dunklen Flecken, die sich vergrößern, bis das ganze Blatt braun gefärbt ist und abfällt, zeigen die Triebe infizierter Pflanzen dunkle, in Längsrichtung verlaufende Streifen. Auch weiße Sporen auf den Blattunterseiten sind ein typisches Kennzeichen. Als besonders anfällig gilt die Sorte „Suffruticosa“, die in vielen Gärten als Beeteinfassung gepflanzt wurde. Infizierte Pflanzenteile werden abgeschnitten und kommen in den Müll. Das gleiche Schicksal ereilt komplett befallene Pflanzen, die gerodet und mit den oberen fünf Zentimetern Erde entsorgt werden. Gegen die Ausbreitung der Infektion auf eventuell noch verbleibende Buchspflanzen bietet der Fachhandel Fungizide auf biologischer Basis an. Doch damit die Mittel effektiv und vorbeugend wirken, muss vom Frühling bis zum Herbst alle zwei Wochen gespritzt werden.

Heute noch Buchs kaufen?

Wer ihn im Garten hat, wird zumindest versuchen den Buchs zu erhalten. Doch wie sieht es mit Neupflanzungen aus? Zumindest beim Buchsbaumblattfall kann man das Infektionsrisiko durch eine entsprechende Pflanzenauswahl deutlich verringern. Die Sorten „Faulkner“ und „Herrenhausen“ sind bislang kaum von der Infektion betroffen. Außerdem sollte Buchs ähnlich wie Rosen gepflanzt werden: an einen luftigen, sonnigen Standort und nicht zu dicht, damit Wassertropfen schnell abtrocknen. Für schattige Gartenecken und naturgemäß dichte Pflanzungen wie eine Einfassungshecke empfiehlt sich die kompakte Zwergeibensorte „Renke’s Kleiner Grüner“. Ihre dunkelgrünen Nadeln unterscheiden sich zwar optisch vom Buchs, sie ist aber ebenso schnittverträglich und frosthart. Eine deutlich größere Ähnlichkeit mit Buchs hat die Japanische Hülse (Ilex crenata), die in durchlässigen, eher sandigen Böden gut aufgehoben ist.
Eine Garantie dafür, dass Alternativen zum Buchs langfristig von großflächig auftretenden Krankheiten oder Schädlingsplagen verschont bleiben, gibt es natürlich nicht. Das gilt generell für Pflanzen: Überraschungen sind immer möglich und es gehört zum Wesen eines Gartens, dass der Mensch diesen steten Wandel begleitet und lenkt – auch wenn es manchmal Mühe macht.

Von Stefanie Syren/RND

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