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Ich bin dann mal weg

Selbst gemachtes Wasserreservoir Ich bin dann mal weg

Der Trick ist ein selbst gemachtes Wasserreservoir: Unser Autorin Anja Klein erklärt, wie Balkon und Gemüsegarten Ihren Sommerurlaub überleben.

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Das Gemüse einmal in der Woche tiefgründig wässern: Damit überstehen auch Tomaten eine Urlaubsphase. Einen Gartensitter braucht man allerdings schon.

Quelle: Klein

Urlaub im eigenen Garten ist nett, aber manchmal zieht es auch den leidenschaftlichsten Gärtner etwas weiter weg. Was wird dann aus dem Garten? Wie bereitet man ihn am besten auf die eigene Abwesenheit vor? Wer gießt und erntet? Und was sollte man vorher noch unbedingt erledigen?

Am wenigsten sorge ich mich um meinen Vorgarten. Hier wachsen Stauden und einjährige Sommerblüher – beide kommen ganz gut eine Weile ohne mich klar. Kurz bevor ich in den Urlaub verschwinde, entferne ich noch einmal alle verblühten Blütenstände, verteile eine Portion organischen Dünger und wässere alles gründlich. Das war’s.

Die Kräuterbeete sind auch recht unkompliziert. Alle erntereifen Kräuter bekommen einen kräftigen Rückschnitt. Der Vorteil: Bis ich aus dem Urlaub zurück bin, ist die Ernte getrocknet und die nach dem Rückschnitt nicht mehr so ansehnlichen Kräuter sind wieder nachgewachsen. Auch hier verteile ich etwas organischen Dünger und wässere kräftig.

Eine mit Wasser gefüllte Flasche, umgedreht in den Kasten gesteckt, versorgt die Pflanzen während eines Urlaubs.

Quelle: dpa

Schwieriger wird es bei den Tomaten und den Gemüse(hoch)beeten. Ohne freundlichen Gartensitter werden sie einen mehrwöchigen Urlaub kaum überstehen. Damit der nicht zu viel Arbeit hat, sorge ich vor der Abreise für unkrautfreie Beete, binde die Tomaten noch einmal an und entferne alle Geiztriebe. Wenn alles gut eingewachsen ist, reicht es, einmal in der Woche gründlich zu gießen. Gründlich heißt hier 20 Liter, also zwei große Gießkannen voll, pro Quadratmeter. Bei dieser Wassermenge wird der Boden gut 20 Zentimeter tief durchfeuchtet und die Gemüsepflanzen haben lange etwas davon. Mein Gemüsegarten hat rund 40 Quadratmeter, das sind 80 große Gießkannen mit Wasser – ganz schön was zu schleppen für meine Gartensitterin – aber dafür darf sie auch alles ernten, was während meiner Abwesenheit reif wird. Und das ist in den Sommermonaten eine ganze Menge.

Meinen ebenfalls sehr umfangreichen Topfgarten und meine Balkonkästen kann ich eigentlich keinem zumuten. Je nach Witterung müssen die Töpfe und Kästen täglich gewässert werden. Ich versuche daher, mit allerlei Tricks und selbst gemachten Bewässerungsmethoden die Gießintervalle zu verlängern. Bevor ich fahre, bekommt jeder Topf einen großen Untersetzer. Gut gefüllt mit Wasser reicht das für zwei bis drei Tage. An sich sind nasse Füße nicht so gut für Pflanzen, aber für zwei Wochen im Jahr kann man mal eine Ausnahme machen.

Kleinere Töpfe stelle ich in eine große Wanne mit feuchtem Sand, Kies oder Splitt. Das hält die Wurzeln feucht und lässt sie nicht so schnell austrocknen. Große Töpfe bekommen einen selbst gefertigten Wasserspeicher in Form einer großen Plastikflasche. Ein solcher Wasserspeicher lässt sich ganz einfach aus einer Zwei-Liter-PET-Flasche bauen: mit einem Nagel rund um den Flaschenhals drei bis fünf feine Löcher stechen. Die Flasche zu zwei Dritteln mit Wasser füllen und zuschrauben, dann die Flasche kopfüber so in den Topf stecken, dass die Sonne darauf scheint.
Bei starker Sonnenstrahlung erwärmt sich die Luft in der Flasche und drückt das Wasser durch die Öffnungen nach draußen. Am Abend oder bei schlechtem Wetter kühlt die Luft in der Flasche ab und erzeugt so einen Unterdruck. Das Wasser bleibt in der Flasche. Drei bis vier Tage lang kann man eine größere Pflanze auf diese Weise sich selbst überlassen. Mit dem Untersetzer kombiniert lässt sich die Zeit auch auf eine Woche ausdehnen. Ich würde das vorher aber unbedingt ausprobieren. Je nach verwendeter Erde, dem Material des Topfes und der Sonneneinstrahlung sind Wasserbedarf und Speichervermögen unterschiedlich.

Drinnen wie draußen

Was im Garten funktioniert, tut auch Zimmerpflanzen gut. Wer mag, kann die Erde in den Töpfen mit etwas Rindenmulch bestreuen. Das verhindert das Austrocknen der Pflanze. Tontöpfe speichern ebenfalls Wasser: Wer sie vor der Abreise wässert, bewirkt, dass die Erde länger feucht bleibt. Es gibt auch Pflanzentöpfe mit doppeltem Boden: In der unteren Schicht wird Wasser eingefüllt, das sich die Wurzeln über feine Löcher im oberen Boden ziehen.

Damit der Wasserbedarf der Zimmerpflanze während des Urlaubs sinkt, sollten sie nicht in der Sonne stehen. Einen guten Schutz bieten vorgezogene Vorhänge. Allerdings sollte es nicht zu dunkel sein – sonst stellt die Pflanze die Fotosynthese ein und wird nicht mehr mit Nährstoffen versorgt. Zu wenig Licht ist oft die Ursache dafür, dass Pflanzen, die während der Urlaubszeit zum Wässern in der Badewanne abgestellt sind, eingehen.

Kluge Gärtner erkennen das Urlaubsproblem schon vor der Anschaffung der ersten Kästen und besorgen gleich entsprechende Modelle mit Wasserreservoir. Mir ist das nie gelungen. Beim Kauf von Balkonkästen habe ich das Gießproblem lange mit großer Konsequenz verdrängt. Noch dazu sind entsprechende Kästen nicht ganz preiswert. Ziemlich glücklich war ich daher, als ich in der großen Gartenbloggergemeinde auf eine Do-it-Yourself-Alternative stieß.

In Pflanzgefäßen mit einer Höhe ab etwa 30 Zentimetern lässt sich mit einfachen Mitteln und wenig Aufwand ein kleines Wasserreservoir selbst einbauen: Dafür sollte man zunächst eventuell vorhandene Wasserabzugslöcher abdichten. Ich habe dazu Silikonreste von der Badewannenversiegelung benutzt. Das Gefäß vorher gut reinigen, sonst hält es nicht. Dann das Pflanzgefäß zu einem Drittel mit Blähton, Splitt oder Tonscherben füllen, diese Schicht mit einem zurechtgeschnittenen wasserdurchlässigen Gemüsevlies abdecken (alternativ reicht auch eine Lage Zeitungspapier). Genau dort, wo die Blähton-, Splitt-, Tonscherbenschicht endet, ein bis zwei Löcher in die Gefäßwand bohren. Nun das Gefäß mit Erde füllen, bepflanzen und vorsichtig angießen, bis Wasser aus dem gebohrten Überlauf tropft und so anzeigt, dass das Reservoir gut gefüllt ist.

Je nach Topfgröße und Wasserbedarf der Pflanzen reicht der so angelegte Wasservorrat für ein langes Wochenende oder einen einwöchigen Kurztrip – selbst in der größten Sommerhitze.

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