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Was kreucht und fleucht durch das Gemüse?

Unliebsame Gartengäste Was kreucht und fleucht durch das Gemüse?

Ameisen, Läuse oder Nacktschnecken: Schädlinge lieben unser Gemüse und unsere Blumen oft genug auch. Doch wer die Vorlieben der kleinen, unliebsamen Biester kennt, der wird sie auch wieder los. Tipps fürs Beet ...

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Eine Nacktschnecke im Garten frisst ein Salatblatt. Exemplare ohne Haus werden schnell zur Plage – Igel gehören zu ihren Fressfeinden.

Quelle: Fotolia

Die kleinen Ameisen waren die Ersten, die zum Festmahl kamen. Und das Festmahl findet in meinem Fall im fünften Stock eines Berliner Altbaus statt – keine schlechte Leistung für so kleine Tiere. Man nennt diese Zeit wohl Sommer: Es krabbelt im Garten, es krabbelt auf dem Balkon, und ganz schlimm wird es, wenn sich erst eine Schleimspur durchs Beet zieht. Die Schädlinge sind wieder da.

Ameisen

In deutschen Gärten gehören sie irgendwie dazu, aber spätestens wenn sie in die Küche krabbeln oder die Wurzeln der Weinrebe auffressen, ist das Ende der Geduld erreicht. Gegen Ameisen gibt es keine vernünftigen Hausmittel. Lediglich über Kreide laufen sie nicht gern. Ich benutze Ameisen-Köder in kleinen Boxen aus dem Baumarkt. Häufig ist Fipronil drin, ein Nervengift. Für Säugetiere ist es nur in  hohen Dosen gefährlich – es soll aber so bitter schmecken, dass dieses Problem nicht wirklich auftritt. Der Vorteil gegenüber Ameisenpulver: Die Boxen können von Hund, Katze und Kindern nicht  verschluckt werden. Angelockt werden Ameisen übrigens von süßem Geruch. Sektspritzer duften für sie wie ein Festmahl.

Foto: Ameisen vermehren sich rasch. Hausmittel gegen sie gibt es nicht.

Ameisen vermehren sich rasch. Hausmittel gegen sie gibt es nicht.

Quelle: dpa

Schnecken

Löcher im Salat oder den Blättern der Stockrosen sind ein Hinweis auf Nacktschnecken. Sie haben nach den regnerischen Wochen im Frühsommer leichtes po. Der Klassiker heißt Schneckenkorn: Einfach streuen, die Schnecken lieben den süßlichen Geruch, sterben aber am Eisen-III-Phosphat darin. Der Wirkstoff Methiocarb beeinflusst dagegen das Nervensystem der Schnecken – sie werden erst sehr hibbelig und sterben dann. Metaldehyd zersetzt die Zellen der Schnecken. Alle drei Varianten sind gefährlich für Katze, Hund und in großen Mengen auch für die Kinder. Der Naturschutzbund Nabu rät zu Kaffeesatz im Beet oder auch starkem Kaffee, der über die Blätter gesprüht wird. Den mögen die Schnecken nämlich überhaupt nicht. Alternativ können Sie einen Schneckenzaun aufstellen. An dem gleiten die Schnecken einfach ab. Auch Igel zählen zu den natürlichen Feinden. Und Achtung: Schnecken mit Haus ernähren sich nur von abgefallenen Blättern und sind als Humus-Verarbeiter nützlich im Garten.

Blattläuse

Chemische Waffen braucht man gegen Blattläuse nicht, dafür sind die kleinen Grünen viel zu sensibel. Ich stelle die Töpfe vom Balkon in die Badewanne und brause sie von der Seite ab. Der Strahl darf auch mal etwas härter sein, die Pflanzen können das ganz gut ab. Die meisten Läuse spült es so direkt in den Abfluss. Balkon-Buch-Autorin Andrea Heistinger macht die kleinen Läuse erst einmal betrunken: „Einfach in der Apotheke Wermut kaufen, daraus einen starken Tee aufkochen, abkühlen lassen, einen kleinen Schuss Geschirrspülmittel dazu und die Pflanzen auf der Blattober- und auf der Blattunterseite tropfnass einsprühen.” Ich greife lieber zur Pinzette. Das ist mühsam, aber effektiv. Und es schont die Pflanze, vor allem, wenn Sie von der noch essen wollen. Morgens und abends sammle ich die Blattläuse ab, nach etwa einer Woche sind kaum noch welche dran.

Schildläuse

Sie sind die Harten unter den Schädlingen – ganz buchstäblich, denn sie verstecken sich unter einem Panzer. Der kann schon mal so groß sein wie ein kleiner Fingernagel, meistens ist er aber deutlich kleiner. Schwarze, harte Punkte auf der Pflanze sind ein Zeichen für Befall. Sind es nur wenige, können Sie versuchen, sie einfach abzukratzen. Auf dem Stamm reicht manchmal eine Schicht Öl, darunter ersticken sie. Ansonsten helfen Schutzmittel mit Dimethoat, einem starken Nervengift – hier steht zu überlegen, ob Sie sich nicht lieber von den befallenen Pflanzenteilen trennen wollen. Auf der Verpackung sollte jedenfalls stehen, wie lange danach nichts von der Pflanze verzehrt werden darf und ob das Mittel Bienen gefährdet. Hier kann das nicht beantwortet werden, es hängt von Konzentration und Sprühmenge ab. Idealerweise fragen Sie im Baumarkt nach jemandem, der sich damit auskennt. Und ist kein Experte verfügbar, dann kaufen Sie lieber woanders.

Die Kavallerie: Diese Nützlinge tun Ihren Pflanzen Gutes

Die meisten Insekten sind uns von Natur aus eher unheimlich. Schade! Denn selbst die Spinnentiere hat die Natur nicht geschaffen, um uns zu ärgern. Sie helfen bei der Gartenarbeit. Auch das ist ein Grund, nicht bei jeder Blattlaus zum Angriff mit Chemie überzugehen: Dabei sterben allzu oft auch Tiere, die unser Garten zu seinem Schutz angelockt hat.

Um Missverständnisse mit den kleinen Gartenhelfern zu vermeiden, gibt es die App „Nützlinge im Garten” vom Verein „aid Informationsdienst”. Sie fragt zuerst nach der Art – Pilz oder Tier –, dann nach der Zahl der Beine, dann nach der Gattung von Tieren. Dann schlägt sie einige Insekten vor und erklärt, warum sie nützlich sein können.

Viele Nützlinge werden bei der Jagd nach Schädlingen aktiv. Marienkäfer, die es auch in manchem Baumarkt zu kaufen gibt, knabbern an Spinnmilben, Blattläusen und sogar an Schildläusen. Einige Vegetarier gibt es unter den Marienkäfern auch, sie gelten deshalb als Schädlin-ge. Giftig sind Marienkäfer durchaus – man müsste aber sehr, sehr viele essen, bevor sich auch nur eine kleine Verdauungsstörung einstellt.

Ohrenkneifer wurden früher gemahlen und das Pulver in die Ohren gestreut, das sollte angeblich gegen Schwerhörigkeit helfen. Der Name lässt bis heute schaudern, dabei kriechen die Tiere nur äußerst selten in menschliche Ohren. Heistinger rät sogar zu dem Käfer: „Ein Ohrwurm vertilgt nicht nur Blattläuse, sondern auch Schildläuse und Spinnmilben. Wenn man ihn ansiedeln will, hängt man einfach mit Holzwolle gefüllte Blumentöpfe verkehrt herum auf.”

Nützliche Würmer

Für eine Gruselgeschichte gut sind Nematoden, winzige Fadenwürmer. Weil es viele Unterarten gibt, sollten die Phasmarhabditis im Fachhandel gekauft werden. Die winzigen Würmer – 0,5 Millimeter lang – dringen durch Körperöffnungen in Dickmaulrüsselkäfer, Schnecken oder Larven ein, gefährlich werden dann Bakterien der Würmer. Die Schnecke stirbt, der Parasit vermehrt sich im Kadaver. Für andere Pflanzen, Mensch und Tier sind die Nematoden ungefährlich, fand der Biologe Horst Bathon heraus. Wo sie eingesetzt werden, muss der Boden feucht gehalten werden, an Trockenheit sterben die Würmchen rasch.

Von Isabell Prophet

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